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"Tristan + Isolde" als Ballett mit Musik von Szymon Brzóska an der Semperoper Dresden

"Tristan + Isolde" als Ballett mit Musik von Szymon Brzóska an der Semperoper Dresden

Das Semperoper Ballett kündigt eine Uraufführung an, ein neues Ballett von David Dawson. Die Handlung folgt der tragischen Geschichte von Tristan und Isolde, weithin bekannt als Oper von Richard Wagner, Musik mit Suchtpotenzial.

Am Sonntag ist es so weit. Die Geschichte hat die bekanntesten Choreografen des 20. Jahrhunderts gereizt, es dürfte an die 20 Ballette geben, nicht immer mit Musik von Wagner. Krzystof Pastor, Ballettdirektor des Polnischen Nationalballetts, brachte 2006 in Stockholm eine große Fassung heraus und kombinierte Motive der Tristan-Musik mit den fünf Liedern Wagners auf Gedichte von Mathilde Wesendonck.

Aber auch Léonide Massin, Frederick Ashton, Maurice Béjart oder John Cranko ließen sich anregen, die Geschichte von Tristan und Isolde als Tanzdrama zu kreieren. Für Tatjana Gsowsky schrieb Boris Blacher 1965 eine Musik, Hans Werner Henzes Ballett "Tristan" wurde 1974 in der Choreografie von Glen Tetley uraufgeführt. Auch in Dresden gab es dieses Ballett mit Henzes Musik, John Neumeier hatte es für Gamal Gouda in der Titelpartie kreiert. 1982 in Hamburg konnte der heutige Dresdner Ballettmeister nicht ahnen, dass er dieses Werk zehn Jahre später an der Semperoper einstudieren würde und auch hier noch einige Male diese Partie tanzen würde, an einigen Abenden des Jahres 1993 sogar mit seiner Hamburger Partnerin Chantal Lefevre als Isolde.

Jetzt, in der Uraufführung der Kreation von David Dawson, werden Courtney Richardson und Fabian Voranger die Hauptpartien tanzen. Die Musik für diese Choreografie schrieb der polnische Komponist Szymon Brzóska. Es war der Wunsch David Dawsons, für seine Neuinterpretation dieser alten Geschichte auch mit der Musik eines Zeitgenossen zu arbeiten. So fiel die Wahl für den Kompositionsauftrag auf Szymon Brzóska, mit dem Dawson schon bei seiner Uraufführung "Ouvertüre" mit dem Het Nationale Ballet 2013 in Amsterdam zusammengearbeitet hatte. Hier hatte Brzóska 2009 die Musik für das Ballett "Sutra" geschrieben, mit dem der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui weltberühmt wurde.

In einem Gespräch während der Proben in Dresden, kurz vor der Premiere von "Tristan + Isolde", sagt Szymon Brzóska, dass dieser Auftrag eine noch größere Herausforderung für ihn bedeute. Er ist sich im Klaren darüber, dass man beim Titel des neuen Balletts natürlich sofort an Wagner denkt. Die Sächsische Staatskapelle gilt als eines der besten Orchester für die Interpretation seiner Musik. Aber dann sah Brzóska es als Chance, und die ersten Gespräche mit Dawson haben ihn ebenso ermutigt wie Aufführungen, die er mit den Dresdner Tänzern erlebt hat. So ist seine Ballettmusik entstanden, die sich daran orientiert, dass Dawson sich dem neoklassischen Stil verbunden sieht, bei dem die Musik eine wichtige Rolle spielt. Brzóska, der mit sieben Jahren Klavierunterricht bekam, am Konservatorium seiner Heimatstadt Poznan und in Antwerpen studierte, ist der Melodik verpflichtet.

Für ein Handlungsballett wie "Tristan + Isolde" muss nach seiner Meinung die Musik einen narrativen Duktus haben, da müssen sehr zarte Passagen neben denen von harter Militanz und Unerbittlichkeit stehen. Sicher in anderem Sinne als bei Wagner wird es in seiner Musik auch Motive geben, die den Personen zuzuordnen sind. Es gilt, den Emotionen der Geschichte Klangräume zu eröffnen und die Intimität für die hohe Kunst des Pas de deux in vier unterschiedlichen Szenen musikalisch zu vermitteln.

Im Ballett gibt es ja keinen Text, und wenn wie jetzt eine Handlung sich den Zuschauern erschließen und bestenfalls auch noch Raum für die eigene Fantasie eröffnen soll, dann müssen der Klang und die Bewegung zutiefst miteinander verbunden sein. Da kommt es dem Komponisten zugute, dass er bislang mit strengen Formen der Kammermusik gearbeitet und auch als Filmkomponist Erfahrungen mit den großen Dimensionen des Klanges gemacht hat. 2008 hatte er beträchtlichen Erfolg mit seiner Musik für die romantische Filmkomödie "Le bruit des gans autour" des Regisseurs Bruno Tedeschi in Frankreich.

Aber jetzt, so kurz vor der Uraufführung, steigt die Aufregung. Dazu kommt die Vorfreude, die eigene Musik zu hören, gespielt von einem der ersten Orchester unter der Leitung des erfahrenen Ballettdirigenten Paul Connelly. Dazu die exzellenten Tänzer, die schon genannten in den Titelpartien, dazu Raphaël Coumes-Marquet als König Marke, Anna Merkulova als Brangäne, Jón Vallejo und Laurent Guilbaud als Melot und Marold. Und dann, nach der mit Spannung erwarteten Premiere in Dresden? Im Moment, so Szymon Brzóska, ist der Kopf nicht frei, um über konkrete Pläne zu sprechen. Ja, klar, in der Kammermusik gibt es noch viel zu entdecken, auch ein großes Orchesterwerk könnte er sich vorstellen. Und eine Oper? Ja, vielleicht, später, da muss der Stoff stimmen, da müssen die Umstände passen, eben, es müsste so sein wie gerade jetzt in Dresden.

"Tristan + Isolde", Ballett-Uraufführung am 15. Februar in der Semperoper; Weitere Vorstellungen: 17., 25. und 26. Februar; 6. Juli

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2015

Boris Gruhl

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