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Trevor Alguire sang im Blue Note aus seinem Leben

Trevor Alguire sang im Blue Note aus seinem Leben

Kleines Nest in der Nähe von Ottawa, Ontario, Hauptstadt von Kanada. Groß und schlaksig. 42. Gitarrist, Sänger, Komponist, Texter. Singer, Songwriter, Musiker: Trevor Alguire.

CanAmericana? Nein, das hört sich einfach zu scheußlich an. Und es ist auch gar nicht der Begriff "Americana", der einem bei den Klängen in den Sinn kommt, sondern tatsächlich eher Country.

Es war auch Nashville, wo Alguire die vorletzte, hochgelobte CD "Now Before Us" aufnahm. Aber gut, Country haftet ja immer noch das Dumpfe von blonden Hillies und blöden Billies an, während man Americana eher das Geschichtenerzählen, das Nachdenken zugesteht. Und das passt natürlich eher zu dem Mann, der von sich selbst sagt: "Ich bin ein Denker. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte eher wie viele andere einfach nur leben, aber das kann ich nicht." Dementsprechend sind seine Texte geprägt von Erinnerungen und Reflektionen. Oftmals in Moll. "Till Sorrow Begins to Call" heißt sein aktuelles Album, das er jetzt im Blue Note vorstellte.

Nicht mit dem Trio, mit dem er in Ottawa spielt, erst recht natürlich nicht mit der erweiterten Band der Studioaufnahmen - und wenn man sich seine Songs in der Konstellation mit Mandoline und Kontrabass zur Gitarre auch sehr interessant vorstellen kann, so war Freund und Gastmusiker Rob van Duuren aus Amsterdam vor allem mit der Pedal Steel eine kongeniale Begleitung.

Über zehn Tage waren sie schon unterwegs, Alguire so erkältungsgeplagt, dass er zwei Shows absagen musste, und noch immer klingt seine Stimme etwas rau, wenn er voller Heimweh "time to hit back home" singt. Zuhause, das ist die Familie mit den Kindern, sechs und neun Jahre alt, und so oft, wie er sie erwähnt, weiß man: Da ist einer, der in diesem Leben in dem kanadischen Nest die Kraft zieht für die Touren durch fremde Länder - die er doch auch wieder braucht, denn die Musik will gespielt werden, sie muss unter die Leute, in die Clubs.

"Hold On" von jenem gelobten "Now Before Us" gibt van Duuren die erste Gelegenheit, an der Pedal Steel zu brillieren. Da strömt die Seele, das Gefühl, geradewegs in den Raum, treffsicher zur Seele, zum Gefühl, jedes einzelnen Zuhörers. Perfekt! Und dabei bleibt es an jenem langen Abend: Die Stücke, die beide mit Gitarre begleiten, erzählen spannende Geschichten, die Gitarren klingen auch durchaus spannend zusammen; großes Kino aber sind diejenigen, bei denen der Holländer den Stahl zittern lässt. Manchmal regelrecht gegenläufig zu Alguires Gitarrenklängen sowie zur Gesangstimme, die noch heiserer wird, mal passgenau hineingefügt.

Leerstehende, von Geistern bewohnte Häuser, der 96 Jahre alte Großvater, der Vater und immer wieder die Kinder: Das sind die Themen. "Understand the Suffer" ist die Botschaft. Aber wenn das Herz "Full of Rust" ist, ist das schwer, dann ist alles "Darkness". Ja, "With Trust Comes a Burden" - aber wenn, wie in diesem sehnsuchtsvollen Erinnerungslied, mehr als eine Prise Blues durch die Country-Klänge weht und uns von Rob van Duurens Pedal Steel versüßt wird, dann fühlt man sich einfach nur "Well and Loved".

Beate Baum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

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