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"Treffen am Nachmittag" - Societaetstheater mit szenischer Uraufführung von Henning Mankell

"Treffen am Nachmittag" - Societaetstheater mit szenischer Uraufführung von Henning Mankell

Große Namen im Societaetstheater: Henning Mankell, Krimiautor und Theatermann aus Schweden, wird in einer Uraufführung gegeben und zeigt sich einmal mehr als feindeutiger Dramatiker.

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Irma Münch und Hermann Beyer als alterndes Liebespaar.

Quelle: Detlef Ulbrich

Dazu die beiden aus Thüringen stammenden und seit Jahrzehnten in der deutschen Film- und Theaterwelt präsenten Akteure Irma Münch und Hermann Beyer in zwei Paraderollen - was sollte da schiefgehen?

An den puren Erwartungen dürfte es nicht gelegen haben. Natürlich verspricht man sich von einem Mankell Spannung wie Leidenschaft und erinnert sich bei Münch und Beyer an heraus-ragende Partien. Irma Münch, die Grande Dame nicht nur von DEFA und DDR-Fernsehen, sowie Hermann Beyer, der Mann mit der schneidigen Stimme - das dürfte ganz sicher ein Traumpaar für das "Treffen am Nachmittag" sein.

Mankell hat die Szenenfolge ursprünglich als Hörspiel verfasst, in der Übersetzung von Hansjörg Betschart ist der bissige Text nun im Societaetstheater szenisch uraufgeführt worden. Dieses "Treffen am Nachmittag" führt zwei Ehepartner zusammen, die zwar seit 60 Jahren verheiratet, aber davon bereits seit 23 Jahren getrennt sind. Nun will die Frau endlich die Scheidung. Es sind wilde Dialoge, die da in der dezent designten Wohnung des Mannes zu vernehmen sind. Wie bei jedem Liebespaar geht es ums Eingemachte: Weißt du noch, damals...?

Aber hier ist es eben ein altes Liebespaar, neben den Erinnerungen an das erste Rendezvous kommen die beiden Kinder, der jeweilige Tablettenkonsum, die körperlichen und geistigen Gebrechen zur Sprache - und ein 14 Jahre währender Betrug. Wer wen warum und mit wem, das ist dann doch ein kleines Feuerwerk der späten Emotionen. Und das Paar, das kein Paar mehr sein will, verhält sich eben noch immer in jeder Situation wie ein altes Liebespaar. Man spricht "in aller Freundlichkeit" miteinander, also bissig bis boshaft. Die Vorlage hat Witz und Charme, ist mit Pointen garniert und steckt voll der Würze zwischenmenschlicher Abgründe. Nur ihr Finale schwächelt, da wird die unterschiedliche Dramatik der darstellenden Genres bewusst.

Die Umsetzung in der Regie von Andreas Pirl ist schlüssig im angedeuteten Designerambiente (Ausstattung Ana Maria Goncalves Nunes). Hermann Beyer als allein lebender Mann übertreibt zwar die physische Hinfälligkeit spielerisch, bleibt aber durchgehend der kauzige Alte, der seiner Ex den Gefallen der Scheidung nicht tun will. Allerdings wirken schon seine ersten Sätze gestelzt, stehen im Kontrast zur lebensechten Sprechweise der Irma Münch. Diese Frau hat Klasse, präsentiert ein weites Verhaltensspektrum und weiß mit Pausen ebenso zu punkten wie mit Ausbrüchen. Noch während der Mann seine Vergesslichkeit einräumt, kommt es bei Beyer zu unfreiwilligen Aussetzern, das wird zunächst noch als doppelbödige Ironie belächelt, steigert sich dann aber in peinlichem Maße. Mehr und mehr ist die Souffleuse gefragt, baut Brücken und sorgt für lange Momente der Atemlosigkeit.

Nicht jede Premiere, nicht jedes Aufeinandertreffen großer Namen kann zur Sternstunde geraten. Theater ist nun einmal ein lebendiges Medium, auch das sei in aller Freundlichkeit gesagt. Michael Ernst

nächste Aufführungen: 18., 19.5

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2012

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