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Tradition und Anspruch: "Dresdner Requiem" im Gedenkkonzert des Kreuzchores

Tradition und Anspruch: "Dresdner Requiem" im Gedenkkonzert des Kreuzchores

Februar in Dresden wird mittlerweile von Personenkreisen okkupiert, die dem Datum und dem damit verbundenen menschlichen Leid im Jahr 1945 entweder abschätzig begegnen oder es für billige Propagandazwecke missbrauchen wollen - dazwischen werden jene, die den Wert und die Würde des Tages zu erhalten suchen, fast zerrieben.

Das Gedenkkonzert des Dresdner Kreuzchores fand eine Woche vor dem 13. Februar statt. Die Besinnung auf Rudolf Mauersbergers Werke, vor allem auf das "Dresdner Requiem" als eindeutiger Aussage zum Inhalt des Gedenktages, dem Totengedenken, ist dabei völlig richtig. Doch hatte der Kreuzkantor ausdrücklich an den 13. Februar als Termin der Aufführung gedacht, um den Beitrag des Chores in alle übrigen musikalischen und kirchlichen Veranstaltungen des Tages einzubinden. So blieb an diesem Sonnabend der seltsame Beigeschmack, einer Voraufführung, einer Inszenierung zuzuhören, und es entstand der Eindruck, dass hier etwas nicht recht stimmt, zumal wenn vor den Türen der Kreuzkirche ein lustig-bunter Rummelplatz für winterliche Bratwurst- und Rodelatmosphäre zu sorgen versucht.

Ist es also überhaupt noch möglich, in dieser gestörten Atmosphäre ein gültiges Konzert zu singen, zu spielen und zu hören, wenn nur die Wahl zwischen Volksfest oder Polizeibelagerung als Rahmenprogramm bleibt? Siebzig Jahre sind seit der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg vergangen, und selbst die Älteren gehören inzwischen jener Generation an, die jenen Tag als Kinder erlebt haben. Die Probleme, den Sängern des Kreuzchores und damit der Generation der Enkel und der Urenkel den musikalischen Charakter von Mauersbergers "Wie liegt die Stadt so wüst" und des "Dresdner Requiems" zu vermitteln, waren ohrenfällig. Die hörbare Schwierigkeit, vor der Kreuzkantor Roderich Kreile zu stehen schien, lag darin, die spröde Musik seines Amtsvorgängers in Einklang mit den textlichen Metaphern zu bringen. Denn auch wenn diese Texte aus Bibelstellen und der Liturgie entnommen sind, waren sie für den persönlich betroffenen Mauersberger fraglos von sehr emotionaler Bedeutung. Diese emotionale Kraft solcher Bildhaftigkeit fehlte der Motette am Beginn eklatant und nicht nur im prononcierter zu wünschenden Textvortrag. Es war hier und noch bei den ersten Teilen des Requiems bis ins Dies irae hinein der Versuch, die emotionale Wirkung aus einer dynamischen Kontrastierung zu ziehen, die aber in der Zurücknahme die Textaussage oft ausdünnte. In den liturgischen Teilen von Sanctus und Agnus Dei war es ganz offenbar durch die inhaltliche Klarheit auch für den Chor einfacher, den Charakter gut zu treffen. Hier und in Verbindung mit den Gemeindchorälen wurde die Aufführung berührend. Nicht immer befriedigte die Balance von Chören, Orgel (Holger Gehring) und Blechblas- und Schlaginstrumenten (Mitglieder der Dresdner Philharmonie), musikalisch eindeutig waren diese Akzente aber allemal. Dass jedoch etwas für Musik so Unverzichtbares wie zur Orgel stimmende Schlaginstrumente nicht zu haben sein sollen, will einem nicht einleuchten und blieb ein klangliches Ärgernis am Rande.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.02.2015

Hartmut Schütz

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