Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Tour of Tours im Beatpol: Ode an den Hausmeister in Krefeld

Konzert Tour of Tours im Beatpol: Ode an den Hausmeister in Krefeld

„Zehn Musiker aus fünf Bands auf einer Bühne“ – liest man die Konzertankündigung von Tour of Tours flüchtig, könnte man dem Gedanken anheimfallen, es spielen fünf Duos. Und erschließt sich damit ein lustiges Spiel: Wer gehört zu wem – da oben auf der Beatpol-Bühne am Donnerstagabend.

Tour of Tours ist ein Experiment. Zehn verschiedene Musiker aus fünf Bands treffen aufeinander. Im Beatpol unterhielt die Formation das Publikum zweieinhalb Stunden lang.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Zehn Musiker aus fünf Bands auf einer Bühne“ – liest man die Konzertankündigung von Tour of Tours nur flüchtig, so könnte man dem trivialen Gedanken anheimfallen, es spielen fünf Duos. Und erschließt sich damit ein lustiges Spiel: Wer gehört zu wem – da oben auf der Beatpol-Bühne am Donnerstagabend, wo eine Frau von neun Herren umhirscht wird, fast alle ständig die Instrumente wechseln, ab und an mal ganz hinten in der dritten Reihe abtauchen oder in der Garderobe verschwinden und dennoch alles so wirkt, als spielten alle schon ewig zusammen? Spannend auch deshalb, weil fast alles in Englisch abläuft und da vorn mindestens sechs das Kaliber eines echten Frontmannes offenbaren.

Eine echte Patchworkband

Dabei ist es – nach dem Start im Februar – erst die zweite Tour of Tours-Tour, die kompakt mit neun Auftritten an neun Abenden, davon zwei im Osten, durch die ganze Republik führt und deren siebte Station nun Dresden war. Die Idee dazu schlummerte allerdings schon zwei Jahre. Denn Stefan Honig, Düsseldorfer des Jahrgangs 1979, eigentlich gelernter Erzieher (und auch so aussehend), war bis zu seinem zweiten Album („Empty Orchestra“, 2012) mehr einsamer Liedermacher, holte sich dafür eigens Typen wie Tim Neuhaus, Jonas David und Martin Hannaford ins Studio. Letzterer blieb gleich bei der einfach Honig genannten Band, die anderen beiden trafen sie bei einem gemeinsamen Konzert mit Town of Saints aus Groningen in Berlin wieder, wobei auch die beiden herrlichen verrückten Typen namens Ian Fisher und Ryan Thomas Carpenter, die aus Missouri stammend bis auf weiteres hier hängen geblieben sind, auftauchten.

Das Konzert endete damals mit allen auf der Bühne, das Publikum raste, der Morgen danach endete in einer Bar – die Idee einer gemeinsamen Traumtour – der Tour of Tours – war geboren und funktionierte nun auch im gut gefüllten Beatpol in erstaunlicher Harmonie. Natürlich spielten sie je eigene Songs in erweiterten Arrangements, ohne jeden Firlefanz, wobei die beiden Amerikaner den witzigen Part (so Ian Fisher mit „Koffer in Berlin“) der Performance bedienten, während Tim Neuhaus durch Kraft und Rhythmik überzeugte.

Harmen Ridderbos, niederländischer Sänger und Gitarrist von Towns of Saint, explodierte bei seiner Zugabe nahezu, so dass man Angst bekam, er könnte sich in seiner Ekstase in das fünf Meter entfernte, sehr locker stehende Publikum stürzen wollen. Doch dann kniete er nur nieder. Seine Bandkollegin Heta Salkolahti, die aus Finnland stammt und auch ein Lied aus ihrer Heimat darbot, spielte als einzige Frau in der insgesamt 15-köpfigen Tourbande nicht nur Violine, sondern auch Akkordeon, Keyboard und saß auch mal an einem der beiden Schlagzeuge.

Viel Zugabe im Rausch

Doch eigentlich war nach gediegenen neunzig Minuten Schluss. Einen Song hätten sie noch, sagte Stefan Honig, dem widmen sie in Dankbarkeit dem Hausmeister ihres allerersten Probenraumes in Krefeld, denn dieser leitet jetzt in Dresden ein Flüchtlingsheim. „Und wenn jetzt hier nicht mehr Applaus kommt, dann gibt es nur diesen einen“, drohte er, nur halb scherzend.

Der Applaus reichte – und es geschah dramaturgisch Außergewöhnliches: Band und Publikum trieben sich – so wie einst aus Berlin überliefert – nun in einen wahren Rausch. Die Songs – von der Herkunft her wieder reihum – wurden jeweils in furiose Finale überführt, so dass man nach jedem dachte: Das war’s jetzt, besser geht es nicht, finito. Denkste: Erst just Mitternacht, also zweieinhalb Stunden nach Beginn und eine Stunde nach der Ode an den Hausmeister war Schluss – nachdem die Musiker zuvor die Bühne verlassen hatten und direkt im Saal unter der Discokugel in Lagerfeuermanier weiterspielten.

Wer nicht genug hat, dem blieben noch zwei Chancen bis zum heutigen Abschluss in der Essener Zeche Carl, während am Sonnabend zeitgleich die Beatpol-Bühne den wilden Finnen von Eläkeläiset auf ihrer „Humppa“-Tour gehört.

www.beatpol.de

musicglue.com/tour-of-tours

Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr