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Tote Natur, auferstanden in Kunst: Ausstellung in der Dresdner Galerie Mitte

Tote Natur, auferstanden in Kunst: Ausstellung in der Dresdner Galerie Mitte

Einen schönen Querschnitt durch die Bilder-und Ideenwelt der Kunst bietet die alljährliche Mitgliederausstellung des Neuen Sächsischen Kunstvereins in der Galerie Mitte.

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Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Siegfried Adam, Ulrich Eisner und Gabriele Seitz.

Quelle: Heinz Weißflog

Zum vorgegebenen Thema "nature morte" äußerten sich 35 Künstler in Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Skulptur, Objekt, Collage und Assemblage und bestätigen damit die Vielfalt und Kreativität hier gewachsener Kunst in einem traditionellen Sujet.

Das "nature morte" erlebt in der gegenwärtigen Kunst einen neuen Aufschwung mit seinen zahlreichen Mahnungen an die Zeitgenossen: Im Überfluss tut das alte Bibelwort aus dem Buch Kohelet "alles ist Windhauch" wieder not. Neu-barocke Pracht und Protz, ein Gefühl von Reichtum und Macht beherrschen Event-Kultur und Spaßgesellschaft bis hinein in den offiziellen Kulturbetrieb. Schließlich werden Kitsch und Kunst als "Produkte" vom "Konsumenten" nicht mehr auseinanderzuhalten sein.

Wie tote Natur aufersteht, zeigen die Farbfotografien des 2011 verstorbenen Dresdner Malers Bernd Hahn auf sehr poetische Weise. Seine Stillleben mit Früchten ("Halber Apfel", "Äpfelhalde") berühren durch die Nähe der Dinge, die nicht auf dem goldenen Tablett serviert, sondern in morbidem Glanz des Vergänglichen schlicht und sinnlich präsentiert werden. Man spürt die sich auflösende Form und glaubt den Duft von alten Äpfeln zu riechen. Überzeugend sind auch die stillen, verschachtelten Stadtlandschaften von Siegfried Adam (er starb Anfang dieses Jahres), deren starre Figürlichkeit in Blau, Rot, Gelb und Violett einen Hauch von Entrückung verbreiten. Beide Präsentationen sind eine symbolische Verneigung der Galeristin Karin Weber vor den Verstorbenen.

Vom "Zauber des Vergänglichen" erzählt die Radebeuler Fotografin Gabriele Seitz in einer Serie von Kabinettfotografien zum Thema Natur, die sie am Wegesrand und in ihrem Garten entdeckte: Schwarz-weiße Bilder von Disteln, transparenten Blättern im Licht, Astholz und Sonnentau, die in der Reihung ein Programm von Naturausschnitten in Momentaufnahmen bilden. Dem Küchenstillleben widmet sich Ulla Andersson mit einer fein- farbigen, noblen Collage, von einer Reise nach dem Süden inspiriert. In der Mitte ein Fahrschein von Palma, darüber rote Früchte auf einem weißen Tafeltuch. Annette von Bodecker- Büttners Farbzeichnungen setzen mit ihren stark farbigen, teppichartigen Früchten mit Feigenblatt-Arrangements Akzente.

Dass gute Kunst immer Novitäten schafft und handwerklich perfekt ist, beweist die Meißner Objektkünstlerin Else Gold mit ihren fantasievollen "Medusen" aus Porzellan und roten und schwarzen Lederschnüren, die in einer Vitrine wie in einem Aquarium liegen. Versponnen und filigran bieten drei Farbradierungen einen Einblick in das Schaffen von Rose Marijke Weiss: Die Arbeiten vereinen die Feinheit der Linienrippen und Blattspitzen mit aufleuchtenden konstruktiven Flächen.

Bewegt hat mich die Mischtechnik "Le Temps perdu" (2006) von Renate Tost mit ihrer monochromen Balance aus hellbraunen Farbwolken. Der Bildhauer Ullrich Eißner stellt seine Holzskulptur "natura morta" (2012) vor, ein vorsichtig bearbeiteter Stubben aus lebendig braunem Pflaumenholz mit seinen vielen Durchbrüchen und Sichtachsen, die in den Raum greifen. Die konstruktiven Stillleben von Fritz Peter Schulze kommen mit wenigem aus: Bemalte Holzleisten fügen sich zu stereometrischen Kompositionen von großer Einfachheit und Klarheit. Mit der Ost-West-Problematik hat sich Jürgen Schieferdecker auseinandergesetzt. Seine spöttischen Bekenntnisse zum Osten gipfeln in seiner Materialplastik "Caritatives Stillleben" mit einer Plastikhand, die nach der Sammelbüchse (for ossis) greift.

Wolfgang E. Herbst Silesius ist mit einem seiner eindrucksvollen Holzschnitte vertreten, einer dunklen blockhaften Schattengestalt ("Der einsame Weg", 1985). Maja Nagels übergroße Schwarz-Weiß-Fotografie "eichgarten" (2012) führt anhand der Tagebaugewinnung in der Lausitz die vernichtende Kraft des Menschen in der Natur vor Augen. Zwei eigenwillige Assemblagen von Christoph Winkler (aus Gütersloh) pendeln zwischen Traum und Vernunft mit sorgfältig verarbeiteten Blechen und Stahlbeschlägen, farbiger Malerei und alten Drucken.

"Der Vogel" von Jürgen Wenzel glänzt trophäenhaft und ist ein besonderer Höhepunkt dieser Ausstellung. Schließlich seien noch die beiden Stillleben ("Karpfen", Öl, 1982, "Sigis Fundstück", 1992) von Ann Siebert, der inzwischen ältesten Künstlerin der Stadt (geb. 1917 in London), genannt, die sich durch eine klare und durchaus heitere Gelassenheit auszeichnen. Heinz Weißflog

Bis 21. Juli. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Tel. 0351/4590052.

Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.07.2012

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