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Tortoise aus Chicago spielten ein erstklassiges Konzert im Beatpol

Herz, was willst du eigentlich mehr? Tortoise aus Chicago spielten ein erstklassiges Konzert im Beatpol

Tortoise haben als Band immer eine Option im Ärmel. Und die ziehen sie dann auch! Mit frappierender Konstanz liefern Dan Bitney, Jeff Parker, Doug McCombs, John McEntire und John Herndon seit nunmehr über 20 Jahren Qualität – auf den Bühnen der Welt, in Studios, mit eigenen Parallel-Projekten, als Gäste bei Kollegen.

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Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Tortoise haben als Band immer eine Option im Ärmel. Und die ziehen sie dann auch! Mit frappierender Konstanz liefern Dan Bitney, Jeff Parker, Doug McCombs, John McEntire und John Herndon seit nunmehr über 20 Jahren Qualität – auf den Bühnen der Welt, in Studios, mit eigenen Parallel-Projekten, als Gäste bei Kollegen. Dieses Level kann durchaus einschüchtern, vielleicht sieht man deshalb zumeist nur wenige praktizierende Musiker in Clubs und Hallen, wo sie Station machen. Freitag wieder Dresden, Freitag wieder Beatpol. Kontinuität auch hierbei!

Das Bestechende an Tortoise ist, dass sie sich niemals in den eigenen Fallstricken verhaken, dass sie ihr enormes handwerkliches Können nie ausstellen und plakativ vor sich her tragen. Tortoise haben sich miteinander eine bestechende Spielfreude bewahrt, die ansteckt. Und so begab es sich erneut, dass dieses nächste Tortoise-Konzert selbst für treue Wiederkehrer wie eine Erstbegegnung anmutete. Und für jene, die als Zuhörer wirklich debütierten, wird sich der Zauber dieser Freigeister schnell entfaltet haben. Wollten einige im Vorfeld vielleicht doch noch wissen, ob sie nun mit Jazz oder Postrock oder Was-denn-Nun? zu rechnen haben, war diese Frage im Nachgang völlig verdampft. Freigeister – in des Wortes ureigener Bedeutung entwickelt dieses Chicagoer Quintett beständig und gelassen eine im besten Sinne schubladenfreie Musik. Immer wieder verschieben sich nur die Nuancen.

Diesmal verzichteten Tortoise auf jede visuelle Ablenkung, zeigten sich ohne projizierte Filmchen und Bildchen pur und unverstellt, zogen aus der aktuellen CD „The Catastrophist“ bestenfalls eine Essenz, weil ihre komplexen Stücke immer in erster Linie Material sind, Rohlinge, zur permanenten Interpretation entworfen. Auffällig war höchstens, dass als Idee der bislang letzten Band-Phase ein neues, gleichsam brillantes Gefühl für Timing geblieben ist. Vom Reiz zweier Schlagzeug-Burgen und drei Schlagzeugern in der Formation – plus Marimba, plus Vibraphon – entwickeln Tortoise immer wieder neue, packende, vielfarbige Komponenten. Und wer innerhalb eines Auftritts nie diese laufenden Personalwechsel an den Instrumenten erlebt hat in einer Band, in der jeder alles spielen kann und sich die Summe wirklich aus fünf gleichen Teilen ergibt, wird von dieser Verblüffung noch lange zehren. Von einer anderen wesentlichen Tortoise-Option sowieso: Ihre Stücke könnten statt sechs 16 oder 26 Minuten lang sein – das dann als Aufblähen zu empfinden, würde schwerfallen.

Tortoise sind bislang noch nie mit einer neu veröffentlichten Platte auf Tour gegangen, um sich just nur in dieser Edition zu bewegen. Stets variierende Setlisten innerhalb kürzester Zeit sind längst zum Markenzeichen geworden, das Plündern in frühen Platten, das Weiterentwickeln früher Ideen nicht minder. Trotzdem: Die besten aller ausnahmslos guten Tortoise-Konzerte sind jene, die sich in den „Zwischenräumen“ auftun. Insofern war die Verschiebung des Dresden-Termins vom Juni in den November nachgerade ideal.

Es ist kaum vorstellbar, dass Bitney, Parker, McCombs, McEntire und Herndon nach einem solchen Abend nicht im Stadium höchster Zufriedenheit in den Bandbus steigen. Geteilte Lust, ist fünffach Lust! Und das befreite, so wohlige Gefühl, mit dem man als Besucher den Club verlässt, reicht für Jahre – bis Tortoise wiederkommen.

Von Andreas Körner

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