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TonLagen Hellerau mit Werken aserbaidschanischer Komponisten

TonLagen Hellerau mit Werken aserbaidschanischer Komponisten

Die Republik Aserbaidschan, zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus gelegen, hat bisher nur wenige Spuren in der internationalen Musikszene hinterlassen. Bei einer Bevölkerung von knapp achteinhalb Millionen Menschen muss man auch nicht erwarten, das die Zahl weltweit bekannter Musiker besonders groß ist.

Gelegentlich stößt man in Konzerten auf Werke von Kara Karajew (1918-1982), einem Schüler Dmitri Schostakowitschs. Die überproportional auf Russland zentrierte Kunstpolitik der Sowjetunion gab den einzelnen Republiken zwar relativ viel Spielraum, versagte ihnen aber eine adäquate Förderung, um nicht auf dem Umweg über Nationalkultur separatistische Tendenzen vermeintlich zu stärken.

Eine Gruppe von fünf jungen Komponisten wurden in einem "Quinär" benannten Programm im Rahmen des TonLagen-Festivals in Hellerau vorgestellt, soweit das mit jeweils einem kurzen Titel überhaupt möglich ist. Hier sollen wenigstens die Namen genannt sein, auch wenn ihre Träger heute noch unbekannt sind: Said Gani, Ayaz Gambarli, Tahir Ibishov,, Firudin Allahverdi, Türkär Gasimzada. Dass es sich um junge Komponisten handelt, wird im Begleittext zwar behauptet, aber nicht durch Angabe der Geburtsjahre untersetzt. Die Frage nah dem Alter ist jedoch keineswegs unwichtig und hat nicht das Geringste mit dem Jugendlichkeitswahn zu tun, der sich auch in künstlerischen Produktionen immer ärgerlicher in den Vordergrund drängt. Im vorliegenden Fall ist der Grund für die Frage seriöser. Der ganze Abend enthielt Musik, wie sie hierzulande und darüber hinaus in Europa und den USA vor dreißig oder vierzig Jahren als die neueste angesehen wurde, inzwischen aber als überholt gilt. Die Gründe dafür können hier nur angedeutet werden: fehlende Sinnlichkeit, verarmte Emotionen, lebensunfähige Konstrukte, Intellektualisierung. "Quinär" war dadurch eine Begegnung mit unserer eigenen musikalischen Vergangenheit und einer Stilistik, die wir zum Glück überwunden haben.

Das Ensemble Courage ist einer der leistungsfähigsten Faktoren auf dem Gebiet der neuen Musik in Dresden. Die Bedenken, die der Musik der aserbaidschanischen Komponisten gegenüber geäußert werden mussten, beziehen sich also keinesfalls auf die Ausführenden des Ensembles, das um Studenten der Dresdner Hochschule ergänzt wurde. Die Videoproduktion Benjamin Schindlers konnte das Gesamtbild nur unwesentlich aufwerten. Besser gelang das Almut Kühne mit ihrer vokalen Improvisation in "Opalescence" von Türkär Gasimzada, das als einziges Werk des Abends einen eigenen Stil aufwies und weitaus farbiger war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.10.2012

Peter Zacher

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