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Tindersticks spielen ein nahezu makelloses Konzert in der Reithalle in Dresden

Tindersticks spielen ein nahezu makelloses Konzert in der Reithalle in Dresden

Als vor vielen Jahren das erste Tindersticks-Album unseres Plattenschrankes auf dem entsprechenden Plattenteller Premiere feierte, kommentierte das die Frau an meiner Seite ledig- lich mit einem wahrlich aus dem Keller geholten, herrlichen Seufzer, der nach wie vor der gleiche ist, wenn Stuart A.

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Mr Stuart A. Staples versunken, aber nicht in Trance. Ein Sänger für alle Situationen eben.

Quelle: Dietrich Flechtner

Staples seine Vokalkonsonanten in irgend ein Mikrophon raunzt. "Sprich ordentlich, Stuart", hat seine Mutter womöglich nicht selten zu ihm gesagt. Und wenn er heute, etwa in der Reithalle, eine Ansage macht, möchte man dem nachträglich zustimmen. Umgehend schämt man sich schließlich dafür, wenn er den nächsten Song anstimmt - der Samtkissenflüsterer; ein singendes Literaturcafé mit Raucherecke, ein verhuschtes Gedicht aus einem dunkelroten Hinterzimmer einer Bar in Nottingham. Und das will betont sein. Denn Manchester ist nur sechzig Kilometer weit weg und wenn die Gallagher-Brüder sprechen, denkt man an Tonstörung.

Also ruckzuck Frau unter den Arm und rein in die bestuhlte, für ihre Größe doch ganz zufriedenstellend beheizte Reithalle, auch wenn die meisten Anhänger ihre schweren Mäntel und eleganten Ponchos vornehmlich zwecks Geste am Körper behalten: Ein Tindersticks-Konzert hört man sich auf keinen Fall hemdsärmlig an und über das Zweisame hinausgehend ist auch Kuscheln mit dem Ego angesagt - ein innerer Waldspaziergang sozusagen, bei dem die Band mit dem klappernden Teegeschirr vorneweg läuft. Damit wäre dann auch die Frage des Openers "If you're looking for a way out" gleich beantwortet: Immer dem Rascheln nach.

Den "Sleepy Song" kennen wir von unserem ersten Tindersticks-Album, auf dem es den letzthin vielgelobten neuen und sogenannten Kammerpop der Band noch nicht gab, der hier zwar erst einmal auf sich warten lässt, aber im zweiten Teil des Abends, spätestens mit "Slippin' shoes" und "This fire of autumn", fulminant und makellos eine Breitseite des Tindersticks-Kosmos offenbart, die mit ihrem abgewetzten, aber edlen Soul-Leder und der wundersamen Groove-Vermehrung die Wärme des fröhlichen Frieden-mit-sich-Machens ausstrahlt. Aufgrund innerpartnerschaftlicher Vorliebentrennung für einen Abend entscheiden wir uns für die schnell zugerufenen und zugegebenermaßen etwas respektlosen Kurzbegriffe "bierselig" für diese Nummern und "gespenstisch" für die anderen. "I was your man" zum Beispiel, wenn David Boulters Finger an den schwarzen Tasten kleben und sich die Orgeltöne langsam in die Baumwipfel hinaufwinden, während unterirdisch die alter Swinger-Maschine asthmatisch groovt.

Grundsätzlich fällt es von außen betrachtet sicher schwer zu glauben, dass dieser Cocktail reichlich anderthalb Stunden und eine angenehme Zugabenlänge mit Kurzweil füllt. Aber er tut es und der dezidiert leichtfüßige Umgang mit schweren Arrangementvorhängen ist grandios. Bassist Dan McKinna grinst für einen langen Moment, als würde man gleich noch einen Erweckungsgospel zur Zugabe auf Tasche haben. So oder so - wieder ein paar gerettete Seelen...

Niklas Sommer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2012

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