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Till Brönner über Schulzeit und den Musikmarkt - Am Mittwoch spielt er in Dresden

Till Brönner über Schulzeit und den Musikmarkt - Am Mittwoch spielt er in Dresden

Till Brönner ist der große Popularisier unter den Jazz-Trompetern. Gerade ist, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, sein neues Album erschienen, morgen ist er ab 20 Uhr im Alten Schlachthof in Dresden zu erleben.

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"Man muss nicht der Talentierteste sein, um der Erfolgreichste zu werden", sagt Trompeter Till Brönner.

Quelle: peer

Vorher sprach Manuel Becker mit ihm.

Frage: Schon in der Schulzeit gab es für Sie ja eigentlich nur die Trompete, oder?

Till Brönner: In der 9. Klasse habe ich zu meinem Lehrer gesagt: Ich bin kein Schüler, ich bin Trompeter. Trompete war mein Instrument, meine Welt, meine Weltanschauung.

Mit dieser Einstellung gingen Ihre Schulstunden bestimmt um einiges langsamer rum.

Die Schulzeit ist für Kinder ja ohne-hin eine brutale Zeit im Leben. Mich hat die Schule genervt, und ich hätte am liebsten geschmissen. Aber mein Oberschullehrer hat in der 11. Klasse zu mir gesagt: Die letzten eineinhalb Jahre kriegst du auch noch rum.

Und dann haben Sie sich durchgebissen?

Ja, und heute bin ich froh, das Abi noch geschafft zu haben. Das war gut für die Seele - auch wenn's knapp war. Ich habe mir von unseren Mathe-Cracks immer Hochrechnungen erstellen lassen, damit ich weiß, ob ich es schaffe.

In welchen Fächern wurden Sie denn geprüft?

Musik, was mir das Leben gerettet hat, und Französisch, wo ich untergegangen bin, hatte ich als Leistungskurs. Dazu Biologie und Sozialwissenschaft.

Sie sind Professor für Jazz-Trompete an der Musikhochschule in Dresden. Wie würden Sie reagieren, wenn heute ein Student zu Ihnen sagen würde: "Ich bin Trompeter und kein Student", und sich etwa der Musiktheorie verweigert?

Man kann keinen zwingen. Aber Musiktheorie ist enorm wichtig. Was mir an den Musikhochschulen aber fehlt, ist, dass sie die Studenten nicht auf das vorbereiten, was sie da draußen erwartet.

Und was wäre das?

Die meisten haben keine Ahnung davon, dass Jazz auf dem Markt nicht gefragt ist. Wenn Sie auf der Straße jemanden nach Jazz fragen, dann sagt der: keine Ahnung.

Aber wie kann man die Studenten darauf vorbereiten?

Studenten und junge Musiker sollten breit aufgestellt sein und alles spielen können - nicht nur Jazz, sondern auch Klassik und Unterhaltungsmusik. Wenn sie sich für Jazz entscheiden, sage ich: Glückwunsch! Und gleichzeitig: Mein herzliches Beileid.

Warum?

Weil man auch von etwas leben muss. Vom Jazz kann man das nur sehr schwer. Das liegt auch daran, dass man mit Jazz medial nur schwer durchdringen kann. Ich kenne so viele Talente, aber über die liest man viel zu wenig. Wann steht denn in den Feuilletons heute schon was über Jazz? Das ist ein echter Missstand.

Wie kann man denn als Jazzmusiker in den Blickpunkt rücken?

Man muss Klinken putzen - so habe ich auch angefangen: viel organisieren, telefonieren und die richtigen Leute kennen. Man muss nicht der Talentierteste sein, um der Erfolgreichste zu werden. Letztendlich braucht man den Glauben an sich - und im richtigen Moment Glück und Förderer.

Sie haben es geschafft, gelten heute als einer der bekanntesten Jazz-Musiker Deutschlands. Gerade ist Ihr neues Album "Till Brönner" erschienen. Ihre Plattenfirma kündigt es als "persönliche Neuaufstellung" an, spricht von "neuen Klangwelten" und davon, dass Sie den Weg zu sich selbst frei machten. Klingt eher nach einem Werbeslogan für eine Bank...

Ich habe schon die Musik gemacht, da kann ich die nicht auch noch selber beschreiben. Ich finde die Promo-Zettel auch fürchterlich, aber dieses Mal hat den Text ein Journalist geschrieben, den ich darum gebeten hatte.

Ist es denn nun eine Neuaufstellung?

Das würde ich nicht sagen. Es ist eine Jazzplatte im Stile der späten 60er und 70er Jahre. Die Virtuosität steht im Vordergrund. Aber der Fokus liegt auf dem, was ich am besten kann: Trompete.

Wie kamen Sie als Kind eigentlich zur Trompete?

Ich habe im Fernsehen in den 70ern immer die Showbands gesehen und den Klang und das Aussehen der Bläser bewundert - wie die Trompete etwa so revolverartig und funkelnd in der Hand liegt. Und als ich dann mal Charlie Parker gehört habe, da war es um mich geschehen...

Wie begeistert waren Ihre Eltern denn von Ihrem Wunsch, Trompete zu spielen?

Meine Familie war sehr musikalisch, da gab es Chorleiter und Organisten.

Aber es gibt ja leisere Instrumente...

Wir sind auch ziemlich schnell aufs Land gezogen, dann war es nur noch meine Mutter, die sich gerade anfangs so einiges anhören musste. Aber Trompete ist immer noch besser als Geige. Wenn das eigene Kind mit Geige anfängt, da muss man es schon ganz schön lieb haben.

Sie haben früher mit Stefan Raab Musik gemacht.

Wir hatten den gleichen Musikgeschmack: Funk und R'n'B. Es war entspannt, mit ihm Musik zu machen, und er ist ein extrem guter Schlagzeuger - und heute ein guter Produzent mit viel Humor in der Musik, der die Musik anderer besser klingen lassen kann.

Till Brönner, morgen 20 Uhr, Alter Schlachthof, Karten noch an der Abendkasse

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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