Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Tierbilder von Erich Fraaß im Kunstgehæuse

Urkraft und Liebe zur Kreatur Tierbilder von Erich Fraaß im Kunstgehæuse

Eine umfangreiche Ausstellung mit Tierbildern von Erich Fraaß zeigt die Galerie "Kunstgehæuse" in ihrer 11. Präsentation. Die beiden nebenberuflichen Galeristen Mario Pitz und Ulrich Hübner widmen sich mit viel Enthusiasmus dem Außergewöhnlichen.

Voriger Artikel
Peter Schreier: Die heutigen Kruzianer singen zu brav
Nächster Artikel
Five-String-Banjos beim Bluegrass Jamboree-Festivals

Erich Fraaß. Dromedar. (Ausschnitt)

Quelle: Kunstgehæuse (Repro)

Dresden. Eine umfangreiche Ausstellung mit Tierbildern von Erich Fraaß zeigt die Galerie "Kunstgehæuse" in ihrer 11. Präsentation. Die beiden nebenberuflichen Galeristen Mario Pitz und Ulrich Hübner widmen sich mit viel Enthusiasmus dem Außergewöhnlichen, fördern immer wieder Entdeckungen ans Licht, wie die gegenwärtige Ausstellung belegt. Bis unter die Decke des acht Quadratmeter großen Raumes hängen dicht gedrängt die Tierbilder von Erich Fraaß, allesamt Tusche- und Bleistiftzeichungen, Lithografien, Holzschnitte, Aquarelle und Ölbilder. Das Konvolut aus über 70 Arbeiten (ein großer Teil ist auch in einer ausliegenden Mappe zu besichtigen) stammt aus Fraaß' Nachlass, den der Enkel Dr. Andreas Timmler verwaltet und teilweise zum Verkauf frei gibt. Schwerpunkt sind dabei die im Dresdner Zoo in den 1920er Jahren vor Ort geschaffenen Tierbilder, aber auch bäuerliche Genre-Landschaften.

Erich Fraaß (1893, Glauchau-1974, Dresden) entstammt einer Weber-Familie und lernte den Beruf eines Lithographen, danach folgte ein Studium an der Kunstakademie Dresden bei Oskar Zwintscher und Robert Sterl. Beide Lehrer hatten großen Einfluss auf den jungen Maler, vor allem die Freilichtmalerei von Robert Sterl, aber auch die Themen aus der Arbeitswelt (Steinbrucharbeiter) beeindruckten den aus dem Arbeitermilieu stammenden Künstler stark. Als Landschafter und Tiermaler fesselte ihn die Natur, ohne romantisches Sentiment oder esoterische Spiritualität, eher sachlich und ganz dem Realen verpflichtet.

Neben dem Einfluss des Expressionismus und der "Brücke" (durch sie entwickelte Fraaß einen außerordentlich ausdrucksstarken Linienschnitt) sind es vor allem die Schule von Barbizon (19. Jh.) mit ihrer antiakademischen "paysage intime" und der niederländische Maler und Mitbegründer der modernen Malerei Vincent van Gogh, die für Fraaß maßgebend waren. Das Interesse am Bäuerlichen und einer robusten Natur verbanden sich mit einer faszinierenden Hingabe an die Kreatur, für Pferde, Kühe, Gänse, Ziegen und Schafe, die als Haustiere im Dienst des Menschen dargestellt wurden.

Durch seine Nähe zum Erzgebirge und zur Sächsischen Schweiz wurde die Gegend um Kreischa für ihn besonders interessant. Auch der Wohnsitz im Vorort Gostritz mit der Nähe zum Gebergrund bestärkte ihn, sich bevorzugt dem heimischen Motiv zuzuwenden, wenngleich auch Thüringen ein beliebtes Ziel war. Und schließlich faszinierte ihn der Dresdner Zoo mit seinen exotischen Tieren: Gerade in den 1920er Jahren zeichnete und malte Fraaß verstärkt vor Ort, darunter auch den stadtbekannten Tiger "Sascha", Bison, Büffel, Yak, Löwe, Pavian, Geier, Panther, Esel, Dromedar und Kamel. Einige Ölbilder, Aquarelle, Kreide- und Tuschezeichnungen zeigen Bauern bei ihrer Arbeit, Fuhrwerke lenkend oder das Feld bestellend, auf dem Weg zum Viehmarkt, ebenso Schafherden und ihre Hirten.

Sein Biograf Hellmuth Heinz schreibt in "Maler und Werk" über Erich Fraaß' Verhältnis zu seinem Gegenstand: "Tier und Mensch sind keine Landschaftszutat, sind kein illustratives Füllsel; sie stehen immer, ihrer Rolle betonend, im Bild." Der Künstler äußerte sich im gleichen Kunstheft über seine Arbeit: "Die Kunst ist kein geschicktes Abmalen der Dinge, sondern ein persönliches Deuten des Erschauten und Erlebten. So wie du bist, so ist dein Werk und seine Wirkung. Kein Tag gleicht dem anderen, und jede Zeit trägt ihr Gesicht, beide wollen erfüllt und geschaffen sein." Dabei schuf Erich Fraaß Bilder voller Urkraft, Klarheit und Liebe zur Kreatur, die bis heute, wie die Ausstellung zeigt, Bestand haben.

bis 23. Dezember. Kunstgehæuse, Galerie Dresden Neustadt, Prießnitzstraße 48. Fr 15-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 0172 1896 705 www.kunstgehaeuse.de

von Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr