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Thomas Stecher inszeniert „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Societaetstheater Dresden

Premiere Thomas Stecher inszeniert „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Societaetstheater Dresden

Für die neuerliche Begegnung mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ des US-amerikanischen Dramatikers Edward Albee auf einer Dresdner Bühne hat Thomas Stecher Regie geführt. Im Societaetstheater war Premiere mit Anna-Katharina Muck als Martha und Philipp Otto als George sowie Sarah Bonitz als Honey und Jan Kittmann als Nick.

„Wer hat Angst... „ mit Philipp Otto und Anna-Katharina Muck.

Quelle: Detlef Ulbrich

Dresden. Wie oft kann man sich wohl ein Stück in wechselnden Inszenierungen anschauen, ohne dabei einen Verlust an Neugier hinnehmen zu müssen? So oft, wie man überhaupt nur möchte. Da sorgen ja allein schon Regie, Besetzung, Textfassung für veränderte Sichtweisen. Und bei dem vielschichtigen Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ des US-amerikanischen Dramatikers Edward Albee, bekannt geworden auch durch die legendäre Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton, glaubt man zuweilen, dass da ganz unterschiedliche Geschichten erzählt werden. Und so ist es tatsächlich.

Auch die jüngste Premiere am Societaetstheater lässt solche Erinnerungen wieder aufleben, besonders wohl an jene Inszenierung von Paolo Magelli, die 2006 am Staatsschauspiel Dresden herausgekommen ist. Christine Hoppe erhielt noch im selben Jahr den Erich-Ponto-Preis, besonders wohl auch für ihre unvergleichliche Martha. Eine solche Intensität des Spiels (mit Dirk Glodde als George) vergisst man nie! Für die neuerliche Begegnung mit dem Modern-Klassiker auf einer Dresdner Bühne, nun in der Inszenierung von Thomas Stecher und in der ursprünglichen Übersetzung von Pinkas Braun, ist es nur gut, dass mit Anna-Katharina Muck (wie auch Christine Hoppe langjähriges Staatsschauspiel-Mitglied) eine etwas andere Martha die Szene beherrscht. Gewissermaßen ein waches Vollblutweib, sowohl in Hinblick auf ihre kurvenreiche Figur wie ebenso auf ihr Temperament und die kraftvolle, auftrumpfende Art des Spiels. Sinnlich ist das auch, nur eben eine andere Form der Sinnlichkeit. Was gewollt und permanent bei dieser Aufführung für erhebliche Turbulenzen sorgt. Da wird das fein gesponnene, sprachlich-gedankliche Netzwerk bereits im möglichen Erahnen, in den aufzubauenden Spannungen schon mal lustvoll zerfetzt, erinnert man sich an Äußerlichkeiten. Martha ist nicht aufzuhalten. Sie spielt ihr Spiel, als wäre es ein Urgewitter, zieht alle Register des Weiblichen, kennt keine Zurückhaltung. Und schon gar kein vornehmes Schweigen.

Mit Philipp Otto als George (1995 bis 2001am Staatsschauspiel Dresden und 1999 der erste Erich-Ponto-Preisträger) hat diese Frau einen sehr besonderen Gegenspieler in dem aufreibenden Ehegefecht. Und beide kämpfen mit zerstörerischen „Waffen“ jenseits aller Vorstellungskraft, wissen, wo der andere jeweils verletzbar ist. Dabei beherrscht Philipp Otto meisterlich die Klaviatur des unterschwelligen wie ebenso offenen Aufruhrs, versteht es, auch mit leiser Stimme in der Auseinandersetzung zu punkten, spielt differenziert einen Mann, der längst seine Hoffnungen begraben hat, diese Martha aber dennoch liebt. Und sie ihn auch, auf ihre Weise. Da war erst die Liebe, dann kamen die Enttäuschungen, und nun vereint beide eine Art von Hassliebe. So sitzen sie schließlich beieinander, bar aller Illusionen, haben kaum mehr Kraft oder Mut für ein neuerliches Beginnen. Doch vielleicht die Chance eines ehrlichen Umgangs miteinander. Oder mit sich selbst. Wer weiß das schon so genau, ob es überhaupt noch möglich ist. Und es kann auch sein, es beginnt einfach nur ein neues Spiel.

Diese weniger turbulenten und dennoch beredten Momente machen deutlich, was der Inszenierung zu oft noch gefehlt hat – ein intensiver Umgang mit dem Wahnwitz des Geschehens. Das Publikum muss nicht zwangsläufig ständig in den Strudel der Ereignisse mit hineingezogen werden, braucht wahrhaft auch keine so vordergründigen Beispiele wie jene gespuckten Erniedrigungen, die bereits im Ansatz stecken bleiben. Bei diesem Stück, das für sich genommen schon maßlos ist und in Abgründe schauen lässt, muss man zwingend auch maßvoll umgehen mit Überzeichnungen. Und sollte dafür sorgen, dass die Zuschauer die Chance haben, sich in diese erbarmungslosen Konfrontationen hineindenken zu können. Das macht es doch erst spannend.

Problematisch erscheint auch, wie das junge Paar, das unversehens in die lodernde Ehehölle gelockt und mit hochprozentigen Drinks abgefüllt wird, dabei letztlich doch unterbelichtet bleibt. Was ja wohl nicht an ihren darstellerischen Möglichkeiten liegt. Honey (Sarah Bonitz) wird als eine Art „Häschen in der Grube“ zu keiner Zeit ernst genommen, und Nick (Jan Kittmann) darf sich nur pro forma widersetzen. Das ist einfach zu wenig für ein solch außergewöhnliches Kammerspiel, da mangelt es an einer entsprechenden Feinzeichnung.

Noch einmal heute, 20 Uhr, Societaetstheater

www.societaetstheater.de

Von Gabriele Gorgas

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