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Thomas Meinecke stellt sein neues Buch in Dresden vor

Thomas Meinecke stellt sein neues Buch in Dresden vor

Als Popautor ist Thomas Meinecke, der auch als Musiker und DJ auftritt, seit langem eine gefeierte Größe in der deutschen Literatur. Spätestens seit seiner Erzählung "Holz" aus dem Jahr 1988 und den darauf erschienenen Romanen "The Church of John F.

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Thomas Meinecke ist auch als DJ aktiv und legt Housemusic auf.

Quelle: Wolfgang Lückel/Suhrkamp

Kennedy", "Tomboy" und "Hellblau" ist er als Autor bekannt, der nicht konventionellen Erzählmustern folgt. 1955 in Hamburg geboren, lebt er in München, er war Mitherausgeber und Redakteur der Avantgarde-Zeitschrift "Mode & Verzweiflung" und veröffentlichte in der ZEIT Kolumnen. Meinecke spielt in der von ihm mitbegründeten Band "Freiwillige Selbstkontrolle (FSK)" und gestaltet seine eigene Musiksendung "Zündfunk" auf BR 2.

In seinem sechsten Roman "Lookalikes" treibt er ein Spiel mit dem Verhältnis von Realität und Fiktion, wenn Prominenten-Imitatoren, die sich Serge Gainsbourg, Josephine Baker, Grace Jones und Justin Timberlake nennen, über Düsseldorfs Prachtmeile, die Königsallee, flanieren. Sie sind Lookalikes, registriert in entsprechenden Agenturen, und permanent damit beschäftigt, ihre Ähnlichkeit mit den Prominenten auszubauen und sich deren Biographie zu erarbeiten, indem sie Bücher über ihre Idole lesen und sich Spielfilme mit ihnen ansehen. Sie verlieben sich ineinander und kommunizieren bevorzugt auf elektronischem Weg in sozialen Netzwerken.

Das Spiel mit Identitäten wird im anderen Teil des Romans auf die Spitze getrieben, der in Brasiliens alter Hauptstadt, der afrikanischsten Stadt des Landes, in Salvador da Bahia, angesiedelt ist. Thomas Meinecke wird hier zur Romanfigur: Ein deutscher Autor mit Stipendium und ausgeprägtem Musikinteresse bewegt sich auf den Spuren Hubert Fichtes, jenes nach Ursprünglichkeit fahndenden Dichters, des Propheten neuer Sinnlichkeit, der ein belesener Anthropologe mit einem Faible für die Kulturwelt schwarzer Brasilianer gewesen ist. Der 1986 verstorbene Fichte hinterließ ein auf 19 Bände angelegtes Romanfragment mit dem Titel "Die Geschichte der Empfindlichkeit". Fichte lebte einige Zeit in Salvador da Bahia mit seiner Partnerin, der Fotografin Leonore Mau, beide arbeiteten mit dem französischen Fotografen Pierre Verger zusammen, der in Salvador verstarb. Thomas Meinecke besucht dessen zu einem Museum umgestaltete Wohnung sowie die afrobrasilianischen Tempel; er nimmt an den Ritualen der Candomblé-Religion mit ihren Blutopfern teil. Unvermittelt begegnet er einer Schubkarre, deren Ladefläche abgedeckt ist. Das Tuch verrutscht. Thomas Meinecke gewahrt die Opfertiere: Unter benommenen Hühnern die Ziege, die ihm für einen Moment in die Augen blickt und den Roman innehalten lässt. Der Leser hält den Atem an.

Meineckes Erzählen lebt von entschiedener Spontaneität, der Autor springt abrupt von einer zur anderen Ebene, manche Abschnitte sind Essays mit langen, luziden Schilderungen, die Zitate von Fichte enthalten, andere sind so verknappt wie Lyrik für Songtexte oder erinnern an E-Mails, wodurch die Sprache nah an unserer Zeit ist.

In einer Veranstaltung des Literaturhauses Villa Augustin stellt Thomas Meinecke seinen neuen Roman "Lookalikes" am 15. Juli, 20 Uhr im Alten Wettbüro (Antonstraße 8) vor. Anschließend ist er als DJ zu erleben, er legt Housemusic auf. Die Lesung wird gefördert von der Sächsischen Kulturstiftung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2013

Michael G. Fritz

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