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Thomas Kraft stellt Buch "The Beat goes on!" in Dresdner Villa Augustin vor

Thomas Kraft stellt Buch "The Beat goes on!" in Dresdner Villa Augustin vor

Was für eine unglaubliche Zeit müssen diese Sechziger, Siebziger Jahre gewesen sein, als die Beatmusik entstand. Unzähligen Jugendlichen brachten sie die Erlösung.

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Das Cover von "The Beat goes on!"

Quelle: PR

Der Sender AFN - American Forces Radio - sei für ihn "die Rettung" gewesen, erinnert sich Thomas Kraft, 1959 in Bamberg geboren und aufgewachsen. Zuflucht aus einer akustischen Umgebung, die der sentimentale Schmalz deutscher Schlager füllte. Fortan sollten stumm Ausgelieferte wie er eine Alternative haben, in der sie sich selbst entdeckten. Fast jeder weiß seine Geschichten davon zu erzählen.

Wie prägend das gewesen ist, merkt man erst heute, nach Jahrzehnten.

Deshalb hat Thomas Kraft vor einigen Jahren damit begonnen, solche Beat-Stories von deutschen Autoren zu sammeln und zu veröffentlichen.

"The Beat goes on" heißt der jüngste Band, den er jetzt erstmals in Dresden in der Villa Augustin vorgestellt hat. In dem kann man auch sehen, welche Unterschiede es zwischen dem Westen und Osten Deutschlands gab. Denn es sind in der DDR groß gewordene Schriftsteller vertreten, darunter der Dresdner Michael Wüstefeld, Jahrgang 1951, und Jörg Bernig, der 1964 in Wurzen geboren wurde und heute in Radebeul lebt.

Vor dem Hören kam für sie die Kunst der Beschaffung. Ihre Großmütter, die mit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben in den Westen reisen durften, heuerten sie als Kuriere an. Selbstlos schmuggelten sie Schallplatten über die Grenze, deren immense Bedeutung ihnen ein ewiges Rätsel bleiben musste. Jörg Bernig hat in seinem Text, den er las, diese kaum gewürdigte Leistung der Rentner für weltoffene Kultur in der DDR endlich einmal mit einem Lob bedacht.

"Man wird ja nicht nur über Literatur, auch über Musik sozialisiert", bemerkte Thomas Kraft. Das kann aber auch in eins fallen, wie Bernigs Geschichte zeigt. Darin erzählt er, wie er noch vor der literarischen Romantik die westdeutsche Band "Novalis" entdeckte. Wie deren ausgedehnte Klangteppiche Gegenwelt wurden zur zerfallenden Kleinstadt, zur "Weltuntergangshintergrundmusik". Wie ihn die Kunstrocker zu ihrem Textdichter hinführten, jenem Friedrich von Hardenberg, von dem sie sich den Namen für ihre Truppe geborgt hatten.

Beatles-Fan Michael Wüstefeld wiederum musste 1974 erst bei einer Ungarn-Reise zufällig in ein Freilichtkino in Siofok geraten, um zum ersten Mal George Harrison in bewegten Bildern zu sehen, im Film von dessen einundsiebziger Bangladesch-Konzert. In seiner Schilderung, angenehm gewürzt mit altersmilder Ironie, kann man die Erhabenheit dieses Moments sehr gut nachvollziehen.

Es gibt Songs, die nur für einen selbst unvergleichliche Bedeutung haben. Die einem zum Soundtrack des Lebens geworden sind. Text und Musik von Kansas' "Dust in the wind" etwa verweben sich bei Thomas Kraft mit dem Tod seines Vaters an einem Sommertag. "Eight Days a Week" von den Beatles klingt bei Jürgen Theobaldy hinein in seine Jugendliebe. Janis Joplins Stimme verbindet sich bei dem Filmregisseur Josef Rödl mit einer umschwärmten Frau. Bei ihm erfährt man übrigens sehr anschaulich, wie der Beat ins westdeutsche Dorf einzog.

Man erfährt in diesem Buch, dass es einem wie vielen geht: Wie alt wir auch werden, wir brauchen diese Songs. Sie halten das Beste in uns lebendig - unsere Erinnerungen.

Thomas Kraft (Hrsg.): The Beat goes on! Langen Müller. 256 S., 14,99 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.05.2013

Tomas Gärtner

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