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Themen-Trilogie: Der Fotograf Matthias Creutziger stellt in Dresdens Galerie Beyer aus

Themen-Trilogie: Der Fotograf Matthias Creutziger stellt in Dresdens Galerie Beyer aus

Drei ganz unterschiedliche Themen in eine gemeinsame Fotoausstellung zu packen, das kann ein ziemliches Risiko sein. Muss es aber nicht, denn der bildnerische Dreiklang kann auch als Chance wirken und thematische Verschiedenartigkeiten zusammenführen.

Der Schau "Jazz + andere Welten" in der Galerie Beyer gelingt genau dieser Drahtseilakt, das Risiko geht auf.

Matthias Creutziger präsentiert in den engen Räumen einen Querschnitt seines Schaffens, das für die meisten Kenner seiner Arbeit in der Jazzfotografie fokussiert ist. Als Hausfotograf von Semperoper und Staatskapelle ist der 1951 im sächsischen Härtensdorf geborene Künstler zunächst freilich ein genauer Beobachter von Oper, Ballett und Konzert. Dass er auch dabei eine "musikalische Sicht" praktiziert, beweist er nicht zuletzt als Bildautor in dieser Zeitung. Eben diese, den Klang sichtbar machende Perspektive des hörenden, des zuhören könnenden Fotografen macht die Qualität seiner Aufnahmen aus. Bilder, die ganz aus dem Geist der Musik heraus wirken. Um solche Resultate zu erreichen, bedarf es nicht nur der Kunst des Ablichtens, sondern eines tiefgründigen Verständnisses für die Kunst in den Vorlagen.

Als Fotograf ist Creutziger Autodidakt, man mag es kaum glauben. Doch schon im jugendlichen Alter drosch er in diversen Rock- und Bluesbands auf die Schlagzeuge ein, erwarb sich beizeiten sein Rhythmusgefühl. Das ist wahrscheinlich ein Grundkapital für den heutigen Beruf, in dem er mit echter Berufung ganz und gar aufgeht. Seit Ende der 1970er Jahre schreibt und fotografiert Matthias Creutziger zum Thema Jazz, ursprünglich übrigens im DNN-Vorgängerblatt Die Union.

Er hat es auf diesem Gebiet inzwischen zu Weltruhm gebracht, seine Fotografien entstanden auf internationalen Festivals und zeigen Größen wie Carla Bley, Dizzy Gillespie, Michel Petrucciani und viele, viele andere. Günter Baby Sommer natürlich ebenso wie Helmut Joe Sachse. Letzterer hat zur Vernissage selbst aufgespielt, bedachte seinen langjährigen Freund mit einem meisterlichen Reigen aus Improvisationen zu eigenen Kompositionen und Standards. Ohne die Bildkunst in den Schatten zu stellen, ließ der ideenvolle Gitarrist ein Konzert aufbrausen, das die Quellen der Inspiration von Matthias Creutzigers Fotografie noch einmal sehr deutlich gemacht hat.

Wenn aber eingangs von einem Dreiklang die Rede war, dann muss nun unbedingt über die Puppen im ersten Raum sowie über die Straßenkunst im Kabinett gesprochen werden. Historische Schaufensterpuppen, von Creutziger sensibel und geradezu lebensecht in Szene gesetzt, sind da großformatig und hochwertig reproduziert worden. Jedes Antlitz trägt einen Namen und macht die lädierten Köpfe persönlich; bei einigen erwartet man förmlich ein Stirnrunzeln oder ein Blinzeln der ach so schönen, meist melancholischen Augen. Und nebenan widerspiegeln die Beispiele der Graffiti-Ausschnitte den Sinn für Witz und Details. Ihre Vorlagen fand Creutziger in der Neustadt, gleich ums Eck also.

All diese Arbeiten sind in anderen Einzelausstellungen schon zu sehen gewesen. Wie schön, dass sie nun in dieser Auswahl einmal zusammengefügt sind und einen Eindruck von der Vielfalt vermitteln, mit der sich dieser Fotograf beschäftigt. Der ist mit dieser Schau keinerlei Risiko eingegangen, sondern bietet deren Besuchern die ganz wunderbare Chance, das Gemeinsame im Unterschiedlichen wahrzunehmen.

Bis 25. März, Galerie Beyer, Seitenstraße 4b, Mi-Sa 15 bis 20 Uhr

www.galerie-beyer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2012

Michael Ernst

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