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Thees Uhlmann, Sänger der Band Tomte,mit neuem Buch in Dresden

„Bei Sachen, die universell sind, glüht mein Hirn.“ Thees Uhlmann, Sänger der Band Tomte,mit neuem Buch in Dresden

Seit Jahren steht er mit seiner Band Tomte auf den Bühnen der Republik. Jetzt hat Thees Uhlmann den Roman „Sophia, der Tod und ich“ geschrieben, den er am 29. Januar in Dresden in der Schauburg vorstellt. Im Interview mit den DNN erklärt er, dass seine literarischen Ambitionen schon viel älter sind, als man denken würde.

Der Sänger Thees Uhlmann hat sich als Literat versucht.
 

Quelle: PR

Dresden. Thees Uhlmann feierte als Sänger der Band Tomte und als Solomusiker Erfolge, im Herbst 2015 ist nun sein erster Roman „Sophia, der Tod und ich“ erschienen (Kiepenheuer & Witsch). Im Interview spricht Uhlmann über die Arbeit an seinem literarischen Debüt, Reisen mit dem Tod, eine Mercedes-Werbung des Kollegen Cro und warum er in seinem Buch Marken- und Städtenamen vermeidet.

Frage: Thees Uhlmann, nach Ihren Musiker-Kollegen Frank Spilker und Jochen Distelmeyer haben auch Sie einen Roman verfasst. Was macht einen Songwriter zum Autor?

Thees Uhlmann: Den Vertrag mit meinem Verlag gibt es schon seit zwölf Jahren. Damals hatten wir mit Tomte die Platte „Hinter all den Fenstern“ rausgebracht und ich hatte zu jedem Songs Liner-Notes geschrieben. Das kam daher, dass ich immer gerne anders sein wollte, es ist ja so wahnsinnig gängig unter Künstlern zu sagen: Ich sage nichts dazu, wie ich den Song geschrieben habe und was er bedeutet. Also habe ich gedacht: Ich treibe das jetzt bis zum Exzess und erkläre genau, worum es da geht. Das hat dann Kerstin Gleba gelesen...

Eine Lektorin, die mittlerweile auch stellvertretende Geschäftsführerin von Kiepenheuer & Witsch ist.

Uhlmann: Genau. Sie hat gesagt: Ich möchte gerne, dass du ein Buch schreibst und dass du das für KiWi machst. Du kriegst einen Vorschuss von 2000 Euro. Ich dachte: 2000 Euro! Schuldenfrei! Das war eine Zeit, wo ich keine Krankenversicherung hatte und null Cent. Ich habe den Vertrag direkt unterschrieben.

Doch es hat dann offenbar noch ein paar Jahre gebraucht...

Uhlmann: Mir war immer klar, dass ich einen Roman schreiben will – und nichts über Musik. Aber es hat einfach immer gedauert und gedauert. Immer wenn ich in Köln auf Tour war, bin ich bei KiWi vorbei: Hallo, Kerstin! Ja, nein. Immer noch nichts. Doof gesagt: Mir ist nichts eingefallen. Freunde aus meiner Band haben dann nach der letzten Tour zu mir gesagt: So, du schreibst jetzt das Buch! Und ich so: Jetzt? Ja, jetzt!

Nach dem Motto: Vorher gibt‘s keine Musik mehr?

Uhlmann: Ganz genau. Ich wurde erpresst. Das war wirklich süß. Ich wurde von meinem nächsten Umfeld dazu gezwungen, über dieses Buch konkret nachzudenken. Nach einem Vierteljahr hatte ich drei Ideen und bei der Idee mit dem Ich-Erzähler und dem Tod haben alle die Hand gehoben. So kam es dann zu dem Buch.

Warum ein Roman über den Tod? Man möchte fast sagen: Sie sind doch noch so jung, Herr Uhlmann...

Uhlmann: Der Tod ist etwas, was viele Künstler umtreibt und es ist auch irgendwie meine Baustelle. Familie und Tod, die Themen sind in meinen Texten immer schon vorgekommen: In „Schreit den Namen meiner Mutter“ heißt es „Lass‘ mich gehen, lass mich vor dir sterben“. Der Beruf des Künstlers ist ja ein komischer. Man sitzt da unschuldig großmäulig und sagt: Ich schreib jetzt mal was auf, ihr könnt das dann alle lesen. Und ich hatte einfach Lust, über den Tod zu schreiben und ihm so eine Honkigkeit zu verleihen.

„Honk“ ist ein recht junges Schimpfwort, für jemanden, der sich nicht besonders klug anstellt.

Uhlmann: Genau. Der Tod wird ja sonst eher mit Zombies in Verbindung gebracht, mit Vampiren, mit Abschlachtungen, wie in „Herr der Ringe.“ Bei mir ist der der Tod eben eher so ein Honk, der es witzig findet, das erste Mal besoffen zu sein – oder dass es im ICE Türen gibt, die von selbst auf- und zugehen.

Am Anfang Ihres Buchs klopft der Tod ganz klassisch an die Tür und will Ihren Ich-Erzähler mitnehmen. Das klappt nicht so richtig, weshalb sich der Erzähler mit dem Tod auf Reisen begibt.

Uhlmann: Der Erzähler ist eigentlich ein großer Haderer und Vermeider. Aber irgendwann wird er auf diese Reise zurückblicken und sagen: Das war das Geilste, was ich jemals gemacht habe. Es geht schon in die Richtung: Lebe jeden Tag so, als wäre das dein letzter. Ich hoffe natürlich, dass ich weit weg bin von diesen Kalendersprüchen, die sich so auf Umsonst-Postkarten in Studenten-WGs finden. Aber ich werde eben richtig heiß bei Sachen, die universell sind. Das interessiert mich, da glüht mein Hirn. Und so gehört es in diesem Buch einfach dazu, dass die Geschichte auch künstlerisch möglichst universell gestaltet ist. Es gibt zum Beispiel fast keine Marken, es gibt keine Städtenamen und es gibt nur Norden und Süden.

Ist das als Antithese zu Autoren der sogenannten „Pop-Literatur“ gedacht, deren Autoren das Zitieren von Markennamen quasi als identitätsstiftenden Sport betrieben haben?

Uhlmann: Am Anfang hat mich das erstens vor allem künstlerisch interessiert, dass in meinem Buch zum Beispiel das Wort „Euro“ nicht erwähnt wird. Ich glaube, Lidl und Deutsche Grammophon sind die beiden einzigen Marken die mal kurz vorkommen. Ich habe auch einfach gedacht: Ich mach doch keine Werbung für irgendwelche Arschlöcher.

Viele Ihrer Musikerkollegen haben da weniger Berührungsängste...

Uhlmann: Ich habe neulich gesehen, dass Cro Werbung für Mercedes Benz macht. Er stellt sich hin und fängt an, einen fetten Mercedes mit Spraydosen zu bemalen. Dann hat er ihn unter seinen Fans verlost. Und die so: Oh geil, Alter! Ein Mercedes! Und wir kriegen den geschenkt! Cro, du bist echt der Geilste auf der ganzen Welt! Und ich habe zurückgedacht: 1994 hätten wir erst dem Künstler ein paar auf die Schnauze gehauen, dann dem Mercedes.

Warum?

Ich habe eigentlich nichts gegen Cro, aber ich finde ganz schön krass, dass er damit durchkommt und dann dafür noch sozusagen Streetart missbraucht, die ja immer noch subversives Potential hat. Das ist eine krasse Entwicklung. Früher war geiler. (lacht) Das kann man Cro einfach mal so sagen.

Es gibt in dem Buch die schöne Beobachtung, dass sich „Topmodels wie Soldaten über den Laufsteg bewegen...“

Uhlmann: Auch wenn ich mich da schon zum zweiten Mal in diesem Interview in die Rolle eines Alten Sacks begebe: Ich kann dazu nur sagen, dass ich diese Bewertung von Menschen, so öffentlich und so perfide durchgezogen, einfach verachtenswert finde.

Sie spielen auf Heidi Klums „Germany‘s Next Top Model“ an...

Uhlmann: Da wird immer gesagt: Ja, die machen das aber alle freiwillig. Man sollte denen mal einen netten Brief schreiben und fragen: Wissen Sie eigentlich, wie viele Leben von jungen Mädchen Sie zerstören? Ich frage mich: Wie kann Heidi Klum nachts noch ruhig schlafen? Sie hat so viel Geld, die könnte irgendwas Anderes machen.

Gibt es eigentlich schon Anfragen für eine Verfilmung des Romans? Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass ein Schauspieler die Rolle des Todes spielen könnte, ohne ihm seinen Charme zu nehmen...

Uhlmann: Also, ich bin erstmal überwältigt, dass ich jetzt ein Buch fertig habe. Es ist sogar Buch des Monats beim NDR. Neulich hat mich meine Mutter besucht und ich meinte zu ihr: Mein Buch ist übrigens Buch des Monats beim NDR. Meine Mutter so: Warum das denn? (lacht) Ich dachte nur: Hier, das sind zwei Hände, mit denen hat dein Sohn Sachen gemacht, über die haben sich Menschen gefreut. Kannst du dir das nicht vorstellen? (lacht) An alles weitere habe ich aber noch nicht gedacht, schon gar nicht an eine Verfilmung. Und wenn, dann ist doch klar: Der Protagonist ist Brad Pitt, Sophia ist Angelina Jolie und der Tod ist Keanu Reeves. Dann könnten die zu dritt auch mal wieder was machen. Die freuen sich doch bestimmt...

Thees Uhlmann kommt am 29. Januar um 20 Uhr in die Schauburg, Königsbrücker Straße 55

Von Ralf Krämer

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