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Theatergruppe Spielbrett führt im Rudi in Dresden den Klassiker um Lysistratas Liebesverweigerung auf

Theatergruppe Spielbrett führt im Rudi in Dresden den Klassiker um Lysistratas Liebesverweigerung auf

Möglicherweise hätte die Geschichte Europas einen komplett anderen Verlauf genommen, wäre die Idee der Athenerin Lysistrata über die Grenzen Griechenlands hinweg populär geworden.

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Die Athenerin Lysistrata und ihre Mitstreiterinnen beargwöhnen ihre Ehegatten, deren Kriegsbesessenheit sie mit sexuellem Entzug beizukommen versuchen.

Quelle: PR

Doch weltgeschichtlich gesehen reichte es immer nur zu einem kurzen Aufflackern. So wie es mit der amerikanischen Hippiebewegung um 1968/69 und deren Losung "Make Love Not War" geschah. Die Liebe siegte auch dort nur für eine kurze Zeit. Soweit nämlich, bis die Männer schon bald wieder ein neues Schlachtfeld gefunden hatten. Auch der griechische Komödiendichter Aristophanes (445-386 v. u. Z.) versuchte seinerzeit den Gedanken mit Leben zu erfüllen, ob denn Kriege vermeidbar wären, wenn statt der Männer die Frauen im Staate das Sagen hätten. Er stattete in seiner Komödie die Athenerin Lysistrata daher mit der großartigen Idee aus, die Frauen aufzurufen, sich ihren kriegslüsternen Männern im Ehebette zu verweigern. Der Beischlaf sollte so lange ausgesetzt werden, bis im Lande endlich wieder Frieden herrsche.

Wie aktuell die Geschichte um Lysistrata und die Athener Frauen heute immer noch ist, machte die Theatergruppe Spielbrett deutlich, als sie im Theaterhaus Rudi an zwei Abenden mit einer Neuinszenierung der Aristophanes-Komödie in der Regie von Ulrich Schwarz das Publikum begeisterte. Denn die Uniformen, in denen jene griechischen Krieger stecken, sind dem militärischen Outfit der Gegenwart angepasst. Und die Symbole, die die Soldaten mit sich herumschleppen, verweisen auf die Allmacht und den Einfluss großer Konzerne auf die Politik schlechthin.

"Ein dickes Ding!" sei das, empören sich die liebebedürftigen griechischen Männer, als sie, statt die ersehnten Streicheleinheiten genießen zu können, zu Hause ein leeres Bett vorfinden. Die Frauen waren indes ausgezogen und hatten sich auf der Akropolis verschanzt. Dort machen sie sich selbst Mut mit Feststellungen wie: "In der Hand der Frauen liegt das Schicksal Griechenlands!" Und sie diktieren von der Akropolis aus unter der Führung von Lysistrata die Bedingungen für eine eventuelle Rückkehr ins gemeinschaftliche Ehebett. Die Männer indes erzürnten, als sie von dem Plan erfuhren. Die Zweideutigkeit ihrer "Ein dickes Ding"-Formulierung war ihnen anfangs allerdings noch nicht bewusst. Erst als sie merkten, dass ihre Weiber es tatsächlich ernst meinten mit der Verweigerung der Liebe und sie sozusagen im "eigenen Safte" schmoren ließen, bekamen sie ordentlich Fracksausen.

Die detaillierten Forderungen der mutigen Athenerinnen klingen in den Ohren der Männer alles andere als harmlos wie jene "Kein Mann soll seinen Speer auf einen anderen Mann richten - nur auf uns!" Selbst der allzu deutliche Fingerzeig im Brief eines solcherart trocken gestellten Atheners - der schreibt nämlich sehnsuchtsvoll seiner Liebsten "- die Feder ist mein steifer Schwanz!" - stimmt die Frauen nicht um. Sogar noch die bittersten Klagen der Männer prallen an ihrer Haltung ab. "Der Krieg hat unsere Lust zerstört!" jammern die Männer im Chor. Doch die Frauen bleiben nichts schuldig. So bremst Lysistrata den schäumenden Anführer der Gegenseite mit dem Vorwurf aus: "Du machst mit deiner Politik, was eine Frau mit ihrem Hintern macht!"

Der männliche Protest gegen die geschlossene Front der Frauen ist am Ende eher mau und erschöpft sich in dem ausgesprochen überheblichen Flehen: "Welch Unverstand - ihr Götter helft!" Prompt reagiert die Gegenseite darauf und karikiert den Typus Mann aus weiblicher Sicht: "Viel reden und nichts sagen!" Von der Erkenntnis "Krieg ist Sünde" aber rückt die geschlossene Phalanx der Frauen keinen Deut ab.

Womit die Gegenwart mit ihren mitunter unbegreiflichen politisch-ökonomischen Verwerfungen - auch und vor allem hinsichtlich des heutigen Staates Griechenland - wieder ins Spiel kommt. An den Verhandlungstischen saßen und sitzen natürlich immer wieder hauptsächlich Männer. Und die gefallen sich in immer neuen und immer ominöseren Formulierungen. Möglicherweise fehlt tatsächlich der praktische Verstand einer Frau in solch einer Männerrunde. Auch dazu könnte diese so wunderbar temperamentvoll gespielte aktuelle Spielbrett-Inszenierung auffordern.

"Ein dickes Ding" wird wiederaufgeführt im Theaterhaus Rudi am 12./13. Januar 2013

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2012

W. Zimmermann

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