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Theater Wechselbad Dresden schließt Ende April 2014

Theater Wechselbad Dresden schließt Ende April 2014

Ein Ende zwischen Stolz und Bitterkeit: Nach zwölf Jahren ist Ende April 2014 Schluss im Theater Wechselbad. Zumindest die bisherigen Betreiber wollen nicht mehr. Der künstlerische Leiter Gerd Schlesselmann und die Geschäftsführerin Petra Scheunemann haben das so beschlossen und gestern mitgeteilt.

Und sie stellten in Aussicht, dass das Haus ab Herbst 2014 in anderen Händen unter gleichem Namen wieder den Bühnenbetrieb aufnimmt. Aber das ist offenbar noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Die Pressekonferenz, die nach gängiger Tradition eigentlich nur zur Vorstellung der neuen Saison dienen sollte, geriet damit neben den programmatischen Punkten vor allem zu einem Abgesang mit Klartext. Schlesselmann ließ die Katze dabei schnell aus dem Sack. "Die nächste Saison wird eine kurze, die letzte Vorstellung ist am 30. April." Dann ende die Existenz der Produktionsfirma Orphée Event GmbH und damit des Theaters. Das Haus werde danach geschlossen und umgebaut, kündigte der scheidende Theaterchef an. Und fügte fast tröstend hinzu: "Eine neue Betreibergesellschaft soll das Zepter ab September 2014 übernehmen." Er sei optimistisch, auch wenn die Verträge noch nicht unterzeichnet seien. Der Name des Theaters soll sich nicht ändern, die bespielbaren Räume werden nach dem Umbau aufs Erdgeschoss begrenzt sein, der große Saal bleibt erhalten. "Die anderen Stockwerke werden vermietet", ließ Scheunemann wissen. Es ist ein Wechsel auf die Zukunft am Platz, der hoffentlich in absehbarer Zeit eingelöst wird.

Mit diesem Abschied enden zwölf Jahre Theater an der Maternistraße unter dem Führungsduo. "Es war natürlich eine harte Zeit, aber wir haben uns nie unterkriegen lassen", lautete Schlesselmanns Bilanz. Er sei stolz darauf, dass das Theater keine Insolvenz habe anmelden müssen. "Das ging aber nur, weil die Mitarbeiter sich und auch wir uns ausgebeutet haben." Privattheater, das macht Schlesselmann klar, ist vor allem in Dresden alles andere als Zuckerschlecken, sondern extrem hartes Brot.

Über die Jahre hat ein Longseller die Stellung in der Publikumsgunst gehalten: "Caveman". Ansonsten hatte sich das Theater von selbstproduzierten Großproduktionen verabschiedet, setzte verstärkt auf Gastspiele. Letztere hätten immer eine gute Auslastung von mehr als 80 Prozent gehabt, sagte Scheunemann. Bei den Eigenproduktionen gebe es aber keine genauen Daten. Sie räumte aber auch ein, dass die Vermietung diverser Räumlichkeiten für Tagungen und Kongresse das Haus über Wasser gehalten hat. Rund ein Drittel der Einnahmen komme von dort, sagte Scheunemann auf Nachfrage.

Schlesselmann wiederum nutzte die Nachricht seines Abschiedes - er wird nach Hamburg zurückkehren -, um der Stadt und ihren Bewohnern nochmals einiges ins Stammbuch zu schreiben. "Die Dresdner sind nicht neugierig", lautete eine seiner zentralen Thesen. Beweis sind für ihn anderswo großartig angenommene Inszenierungen, die an der Elbe floppten, "Heiße Ecke" zum Beispiel. Und auch über mangelnde Unterstützung der Stadt klagte Schlesselmann gestern nicht zum ersten Mal.

Trotz des nahenden Abschieds aber liegt der Fokus noch einmal auf den kommenden Monaten. Auftaktpremiere ist am 3. Oktober "Räuber Hotzenplotz", gefolgt von einem dichten Plan. Am Ende steht am 30. April ein großer Schlusspunkt mit Stücken auf allen Bühnen. Und eine Rückkehr "durch den Bühneneingang" werde es bei ihm nicht geben, versprach Schlesselmann. Er geht erhobenen Hauptes.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2013

Torsten Klaus

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