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Theater La Lune mit "Revolte in Arbeit" im Societaetstheater

Theater La Lune mit "Revolte in Arbeit" im Societaetstheater

Es ist ja gar nicht so selten, dass Entstehungsprozesse im Theater derart thematisiert sind, dass der gemeinsame Weg, quasi die öffentlich gehandhabte Produktionsrecherche erklärtermaßen auch das Ziel ist.

Was von Beginn an so geplant sein kann oder sich möglicherweise auch erst ergeben hat. Das in Dresden wirkende Theater La Lune ist bekannt für eine solch offene Arbeitsweise, zu der beispielsweise auch Interviews, Begegnungen und diverse Studien gehören. Und ebenso ist die jüngste Produktion, die im Societaetstheater Premiere hatte, quasi ein in aller Öffentlichkeit entstandenes Projekt.

"Hat es schon angefangen?" Ursprünglich sollte das Ganze offenbar ein gemeinsames Nachsinnen über Revolutionen werden, und die Beteiligten des vielseitigen wie auf erfrischende Art auch neugierigen Künstlerkollektivs waren schon kräftig unterwegs auf diesem Wege. Bis sie eingeholt wurden von den aktuellen Geschehnissen, es ihnen buchstäblich die Idee unter den Füßen weggezogen hat. Oder besser noch, sich diese und andere Fragen verändert, brennender gestellt haben. Letztlich benennen sie ihre Recherche "Revolte in Arbeit", dokumentieren die Suche auch mit einem Arbeitstagebuch. Mit der bemerkenswerten Konsequenz, dass hier jeder mitdenken kann, Entwicklungen spürbar werden. Und wo Fragen gestellt sind, auf die es erfreulicherweise keine übereilten Antworten gibt.

Eine fraglos sympathische Eigenheit dieser Unternehmung, die mit Sprachwitz und Spiellaune auch auf jenes Phänomen eingeht, wie man mitten drin stecken kann in einer merkwürdig aufgeheizten Stimmung, die jeder irgendwie zu deuten sucht und dabei zwingend auch das eigene Verhalten hinterfragen muss: "Wir sind viele. Viele sind wir. Sind wir viele?" Da ist es nur konsequent, wenn das Video auf der Bühne besagte "Bewegungen" nicht mit einem gewaltigen Drauf-, sondern mit Unterblick dokumentiert, sozusagen die Ereignisse aus der Perspektive des Gehens und Stehens assoziiert. "Wir sind eine Bewegung. Auch wenn wir noch stehen. Aber sie ist da, die Bewegung." So sinnieren die drei Darsteller (Julia Amme, Anna Möbius und Felix C. Voigt) launig auf der Bühne, und irgendwie kommt einem da auch Ernst Jandl in den Sinn, z.B. mit seinem Orakel von "manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!"

In der Regie und Dramaturgie von Veronika Steinböck und Katja Heiser bekommen die Theaterbesucher, die von den Spielern schon im Foyer "abgeholt" und "mitbewegt" werden, die Weisheiten nicht kübelweise über den Kopf gestülpt. Sie sind einbezogen in eine Art Demokratie-Spiel, das ernstzunehmen ist, können dafür und dagegen sein oder im vielleicht noch etwas sperrig gehandhabten Personenrätsel mitraten. Und bekommen von Felix C. Voigt die "komplexen Zusammenhänge" in nichtssagenden Floskeln so serviert, dass es gewiss jeder begreift. Auch die diversen Anregungen im Klang-Geschehen des Musikers Arne Müller sind unverzichtbar. Und die Ausstattung von Anja Maria Eisen sorgt für ein Spielfeld mit vielen Möglichkeiten.

"Hat es schon angefangen?"Als sich das revoltierende Trio schlussendlich auf dem Sofa so in etwa selbst befragt, was das Ganze denn nun gebracht habe, um schließlich mit dem Musiker ("dann sind wir vier") ganz nah ans Publikum heranzurücken und die Frage an dieses weiterzugeben, wird der "Ball" zunächst nur zögerlich zurückgespielt. Doch letztlich entwickelt sich daraus ein vielleicht noch vorsichtiger Austausch von Meinungen, gibt es auch die Feststellung, dass es überhaupt an Visionen und Utopien mangele. Man wird beileibe nicht dümmer an diesem Abend, der etwas in Bewegung bringen will. Und wo sich die Darsteller (auch mit Hilfe von Nora Schott) selbst körperlich so fit machen, dass sie durchhalten werden. Weil widerständiges Denken und Handeln eben auch Ausdauer braucht.

Weitere Aufführungen im Societaetstheater am 12. und 14. Februar

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2015

Gabriele Gorgas

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