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Theater Junge Generation bringt den Krabat-Stoff sehr wirkungsvoll auf die Bühne

Theater Junge Generation bringt den Krabat-Stoff sehr wirkungsvoll auf die Bühne

Es ist eine düstere Geschichte vom verwaisten Betteljungen Krabat, der bei einem ebenso schrecklichen wie faszinierenden Müller in Schwarzkollm eine Lehre beginnt.

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Der Müller-Meister mit Oberkörperpuppe zwischen den Raben. Die geliebte Kantorka muss eine Prüfung auf Tod und Leben bestehen, um Krabat zu retten.

Quelle: Dorit Günter

Eigentlich geht es weniger um Müllerei als um Schwarze Kunst, und Krabat muss sich am Ende zwischen der damit verbundenen Macht und der Freiheit entscheiden. Der 2013 verstorbene Otfried Preußler hat mit seinem 1971 erschienenen Roman der sorbischen Volkssage zu neuer Popularität verholfen.

Die am Sonntag im Dresdner Theater Junge Generation vorgestellte Version von Ania Michaelis steht atmosphärisch dem Film von 2008 nicht nach, übertrifft dessen Wirkung durch die Unmittelbarkeit der eingesetzten theatralischen Mittel vielleicht noch. Die tjg-Oberspielleiterin scheint immer mehr zu einer Spezialistin für die Kombination verschiedener Genres und Stilmittel zu avancieren, wie schon bei Kafkas "Process" im Puppentheater zu bestaunen war. Es bleibt nicht beim Sprechtheater, die Lehrjungen und Gesellen bewegen sich häufig auch gemeinsam in Choreographien, die Alexey Krivega einstudiert hat. Und zwar an den passenden Stellen, wenn es um Arbeit oder Feiern geht, nicht, um das Spiel mit Revue-Elementen aufzumotzen. Der Meister tritt als Oberkörperpuppe auf, ein dunkler Dämon, dessen heller Kahlkopf die Zuschauer stets aufs Neue erschauern lässt. Uwe Steinbach führt diese Gestalt nicht nur, sondern verleiht ihr auch eine verstärkte und gespenstisch verhallte Stimme. Videotechnik wird wohltuend sparsam eingesetzt, ersetzt nur ein Schattenspiel, mit dem die Silhouetten das Live-Geschehen reflektieren.

Sehr suggestiv nimmt die meist in halber Theaternacht gehaltene Szene über die kompletten zwei Stunden gefangen. Schwarz dominiert, und Spots und Gegenlichteffekte schaffen eine magische und zugleich bedrohliche Atmosphäre. Senkrecht einfallendes Oberlicht zeichnet geisterhafte Schatten auf die Gesichter. Grit Dora von Zeschau hat über die gesamte Bühnenbreite eine Treppe gebaut, auf deren oberster Ebene regelmäßig der Müller-Meister erscheint. Nur ansatzweise eine Showtreppe wie etwa bei den wilden Tänzen oder Kämpfen der jungen Männertruppe, mehr noch eine geschickte, auch hierarchische Bühnengliederung und -erweiterung. Zwischen den Stufen gehen die Burschen mit teils artistischer Körperbeherrschung auch auf und ab. Knapp vor der ersten Zuschauerreihe endet ein Wasserbecken, Sinnbild der Mühle, aber auch Wassergrab für die auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen Gesellen.

Als universelles Requisit fungieren Holzpaletten. Sie dienen als Schlafpritschen ebenso wie als symbolische schwere Getreidesäcke bei den stets wie in Rondoform wiederkehrenden Arbeitsszenen. Werden die Knappen in Raben verwandelt, ziehen sie sich kurzerhand die Kapuzen über wie bei einer Jugendgang. Athletisch wird von ihnen einiges gefordert, bei aller Düsternis hat die Inszenierung auch Tempo. Für die nachdenklichen, retardierenden Momente sorgen vor allem Tonda alias Erik Brünner, der köstlich zum Schein stotternde Nahuel Häfliger und natürlich Krabat selbst. Daniel Langbein bietet den jungen Zuschauern ab zehn Jahren sehr viele Anknüpfungspunkte in seiner suchenden, sympathischen und geradlinigen Art. Ein ehrlicher Typ, der spürbar wächst und neben seiner Kantorka auch das Publikum gewinnt.

Die Frische der Darsteller hebt die lastende Atmosphäre immer wieder positiv auf, und für entkrampfendes Lachen ist auch gesorgt. Zum Beispiel beim Kuhhandel mit dem Ochsenblaschke oder beim Zweitauftritt von Kantorka Iris Pickhard als verbündeter Konkurrenzmagier Pumphutt. Nur das Happy End kommt ein bisschen unvermittelt, bevor Mühle und Müller eindrucksvoll in Flammen aufgehen.

Krabat im TJG: 14. bis 16. April jeweils 10 Uhr, 18.04, 16 Uhr/ 19.04, 11 Uhr/ 21.04, 10 Uhr/ 17.05, 16 Uhr/ 18.05, 10 Uhr/ 19.05, 10 Uhr; Karten ab 12 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.04.2015

Michael Bartsch

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