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Theater Junge Generation Dresden spielt tragisch-amüsant mit dem digitalen „Schlussmachen“

Mobiles Schultheater Theater Junge Generation Dresden spielt tragisch-amüsant mit dem digitalen „Schlussmachen“

Bye bye love. Der Klassiker der Everly Brothers tönt aus dem Smartphone, während ein vierköpfiger Trauerzug in die Aula des Gymnasiums Bürgerwiese einzieht. Das Mobile Schultheater des Dresdner Theaters Junge Generation spielt tragisch-amüsant mit dem digitalen „Schlussmachen“.

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„Schluss machen“ mit Marja Hofmann, Sara Klapp, Lukas Stöger und Hanif Idris (v.l.)

Quelle: Dorit Günter

Dresden. Bye bye love. Der Klassiker der Everly Brothers tönt aus dem Smartphone, während ein vierköpfiger Trauerzug in die Aula des Gymnasiums Bürgerwiese einzieht. Schwarze Robe, schwarze Schleier, schwarze Zylinder. Zu Grabe getragen werden soll etwas, wofür der Begriff „Liebe“ zumindest bei der jugendlichen Zielgruppe etwas zu hoch gegriffen wäre und wofür sich heute das unverbindlichere, Ego-Reserven frei haltende „Beziehung“ eingebürgert hat. Das Klassenzimmertheater des im Umzug befindlichen Theaters Junge Generation bringt dieses „Mit jemandem Schluss machen“ sehr effektvoll in Form und Sprache heutiger formelhafter Netzkommunikation. Regisseurin und Autorin Susanne Zaun ist dafür eine Spezialistin und hat aus Spuren solcher Botschaften und Chat-Fundstücken eine tragisch-launige knappe Stunde gebaut.

Bei der Uraufführung bekamen die Schüler ab 14 Jahren sozusagen einen Anti-Werther serviert. Die vier Figuren sprechen auf ihren Podestwürfeln knapp, pointiert, oft gestanzt und meistens chorisch. Im Mittelpunkt stehen Max und Lisa, die sich, na ja, halbkonsequent trennen wollen und dabei per facebook, SMS oder WhatsApp in die gleichen Machtspielchen verfallen wie die Großen. Mit dem Stückaufbau erinnert Susanne Zaun an die fünf Sterbephasen der Psychologin Elisabeth Kübler-Ross, also die Entwicklung von der schlimmen Ahnung über den Widerstand hin zur Akzeptanz. Auf ihre witzige Weise und mit modischem Understatement demonstrieren es die vier Spieler auch genau so. Wobei sie eben nicht wie Werther an Größe und Tragik ewiger Liebe zugrunde gehen, sondern ganz offen zyklische Bögen voraussetzen. „Knistern“ am Anfang, dann der Mittelteil, und „das Ende muss rocken“.

Eigentlich bekommen die Schüler auch eine Parodie auf die durch Netz und Handy forcierte Modesprache vorgeführt. Kann man so Wichtiges, Liebeserhaltendes oder Liebestötendes überhaupt in dieser Kurzsprache sagen? Das zugehörige theaterpädagogische Material fasst Recherchen zusammen, die drei Partnerklassen der Gymnasien Bürgerwiese, Bühlau und Marie-Curie angestellt haben. Unter der Adresse www.schlussmachen.tumblr.com kann man sie nachlesen. Die vier Spieler auf ihren Podesten erfassen aber den Netz-Sound verbal so treffend, dass unter den Schülern weniger Mitleid denn Heiterkeit herrscht. Rechts und links vom Schicksalspaar Max und Lisa fungieren Tim und Sophie als Kommentatoren oder Ausweichpersonen, die mehr als nur ihre „Likes“ abgeben. Ein hübscher Einfall, den jeweiligen Beziehungsstatus mit hochgehaltenen Starporträts zu illustrieren, darunter Papst Franziskus als Single. Erstaunlich, wie viel Gestik und Körpersprache auf so minimalem Raum möglich ist.

Auf dem Handy kann man einen Kontakt einfach blockieren. Real ist das nicht so simpel möglich. Die verschiedensten Handy-Klänge landen in einem Einweckglas, einer Urne. Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling! Man hat sich und sein Schmerzchen selbst zum Besten. Außer um gefühlt 30 Liter Tränenflüssigkeit und 25 Päckchen Taschentücher geht es um keine größeren Verluste. „Das Gras wird gebeten, über die Sache zu wachsen!“

Von Michael Bartsch

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