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The Unwinding Hours be(un)ruhigten im Beatpol

The Unwinding Hours be(un)ruhigten im Beatpol

Sänger Craig B und Gitarrist Ian Cook haben sich in den Beatpol dieses Mal gleich drei Mann Verstärkung mitgebracht - mehr als bei der Vorgängerband der beiden Herren, den Aereogrammen, jemals auf einer Bühne stand.

Der Opener "Break" vom aktuellen und zweiten The-Unwinding-Hours-Album eröffnet die Nacht an diesem grauen Mittwochabend auch in Dresden und zieht mit seinem dramatischen Arrangement den Zuschauerpulk soggleich in eine Intimität, die Craig B unnachahmlich melancho-lisch mit seiner hellen Stimme ausleuchtet, als sei dies eine geheime Zusammenkunft an einem verbor- genen Ort, am späten Feierabend, wenn man endlich wieder klar sieht, was wichtig ist und einen die aufgestaute, aufgesparte Emotion wie ein Versäumnis von hinten überfällt. Eine Welle, die oft an der Beatpolbühne brandet und speziell von dieser Band wie bei einem Fest mit schäumender Gischt auf den Zuhörer zurückfällt. Irgendetwas wird hier gleich zerbrechen. Singt Craig. Und versucht mit dem trockener rockenden "I've loved you for so long" die Wogen ein wenig zu glätten. Blöde Posen werden auch zu dieser Verrenkung nicht gereicht, kennen die Schotten nicht. Oder haben es satt von den Engländern.

Aller Schmerz, alle Dramatik und jener Funke Hoffnung, über dessen Präsenz man sich hier trefflich streiten könnte, stecken in dieser unaufhörlich sehnsüchtigen Konstruktion, so es eine ist. Doch anders kann es kaum sein, das kunstvolle "Schwelen" unterscheidet die Unwinding Hours von den Aereogrammen, die, zwar auch mit göttlicher Verzögerung, immer irgendwann zum Ausbruch fanden und sich möglicherweise auch über den Gitarrenverschleiß in den Ruin getrieben haben.

Und je unterschwelliger, desto akzentuierter gelingen Aspekte des Abends; das sich langsam und fast schon mathematisch nach oben räkelnde "Right to know" ist ein sechsminütiger Augenaufschlag, für den sich der Basser, selbst das noch scheinbar unaufgeregt, die Saiten im Finale fast über die Ohren zieht. Herrlich, herrlich. Da pocht das Herz für das als erste Zugabe eingeschobene Akustik-Solo-Set Craigs viel zu schnell.

Jaja, Traurigkeit und so. Nee, heute hegen wir Fluchtgedanken, heute fassen wir Entschlüsse und wagen Umarmungen! Als "definitiv letzten Song" (haha!) befeuert diese Ausnahmeband die emotionale Nervosität, die sie perfektioniert hat, mit "Knut" vom ersten Album. Monotone Bassanschläge im schnellen Marsch: "We can, we must get out", singt Craig. Jetzt aber!

Niklas Sommer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2012

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