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The Sweet Serenades mit frischen "Animals" im Ost-Pol

Fein und stimmig The Sweet Serenades mit frischen "Animals" im Ost-Pol

Die gebürtigen Nordschweden The Sweet Serenades boten ein feines, stimmiges Klubkonzert, aus dem alle dreißig Anwesenden beglückt herauskamen.

Dresden. Generell hat die Größe eines Konzertes nichts mit seiner Qualität zu tun. Natürlich sind volle, tobende Hallen schön, aber verschieben den Fokus zwangsweise von der Musik zur Show, wobei der Einfluss von Marketing- und Promotionwellen, durch diverse Netzkanäle beschleunigt, eher weiter zu wachsen scheint und mehr Projekte denn echte Bands gebiert. Von seltsamen Castingglücksshows ganz zu schweigen.

Doch dem - sagen wir ruhig: Mainstream - zu misstrauen, offenbart immer wieder wunderbare Momente der Kunst als Gunst. Ein solcher lichter Abend war am Dienstag im Ost-Pol zu erleben: Die gebürtigen Nordschweden The Sweet Serenades boten ein feines, stimmiges Klubkonzert, aus dem alle dreißig Anwesenden so beglückt herauskamen, dass sie bei deren nächsten - dann dem fünften - Dresden-Gig in vierzehn Jahren Bandgeschichte mindestens noch einen mitbringen. Dreimal so viele wären es sicher gewesen, hätte nicht die angestrebte Zielgruppe parallel bei Two Gallants aus Frisco im Beatpol abgehottet.

Dass machte den drei ranken Schweden, allesamt knapp über dreißig, überaus gelassen und mit verwegenen Seitenscheiteln und kühnen Bärten ausgestattet, nichts aus. Ihr letzter Auftritt genau hier lag just zwei Jahre und elf Tage zurück, 2011 und 2012 waren sie hingegen im Beatpol zugange.

Eigentlich sind The Sweet Serenades, die sich "The woodsmen of Indie pop" nennen, nur Martin Nordvall plus Mathias Näslund und Kindheitsfreunde, die sich angeblich schon seit 1991 kennen und seit 2002 zusammenspielen. Ihre offizielle Intention käme von sexueller Frustration, gebrochenen Herzen und Bands wie AC/DC, ABBA, The Strokes, Arcade Fire, Clap your hands say Yeah und The Technicolors, schreiben sie. Nun ergänzt Schlagwerker Frederik das Gitarren-Duo und sie zeigen, dass es ihnen ernst ist mit der Musik.

Vor der ersten Scheibe namens "Balcony Cigarettes" (2009), so eine weitere gepflegte Legende, haben sie behufs Songtests einhundert Konzerte in schwedischen Knästen gespielt - weil das Publikum dort einfach aus dem Raum ginge, wenn es nicht gefalle. Das passierte in Dresden mit dem ganz frischen Album "Animals" nicht. Eher im Gegenteil: Nach einem dreiteiligen Balladen-Set in der Mitte des Konzertes galoppierte das Trio im Schlussdrittel davon, das Publikum tanzte versonnen, man zelebrierte eine Art abendkulturländische Rockidentität, fußend auf englischer Sprachkenntnis.

Ganz zum Schluss - auf Wunsch einer fordernden und später glücklichen Dame - kam dann deren mehrfach gekreischter Wunsch "Mona Lee". Nach knapp achtzig Minuten, bei denen vor allem die Rhythmik der straffen Kompositionen und immer wieder überraschend abrupte Songfinals hervorstachen, und die nur durch kurze Zwischendialoge mit dem bewanderten Publikum unterbrochen wurden, war Zeit für Plattenverkauf und Gespräche bei Ostbier an der Bar.

Gleichzeitig war es das Bergfest bei der neun Klubs umfassenden kleinen Deutschlandtour, die neben dem "Ostpool" (laut ihrer Netzpräsenz) auch Lokale mit anderen schönen Namen wie Molotow, Blauer Engel, Wärmehalle Süd, Badehaus, Provisorium oder auch Lindwurm umfasst.

Und echte Fäninnen der Schweden, die sicher mit dem Bandchronologieeintrag für 2014 ("making babies and writing songs") nicht zufrieden waren, können sich den 27. November in der Mummy Troll Music Bar in Moskau oder den 25. Juno fürs Malta-Festival in Poznan vormerken. Dazwischen warten die Stockholmer Wälder und der gemeinsame Wohnwagen.

Andreas Herrmann

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