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„The Sound Of Bronkow“ mit 21 Bands und Solisten aus zehn Ländern

Üppige Klasse „The Sound Of Bronkow“ mit 21 Bands und Solisten aus zehn Ländern

Plakate für Festivals folgen einer klaren Strategie, und zwar unabhängig, ob die mehrtägigen Treffs nun riesig, groß, eher kleiner oder streng lokal über Bühnen gehen. Da haben wir den Headliner, dem natürlich das Peng! auf dem Papier gehört. Und dann geht es in Sachen Schriftgrad bis runter zur grenzwertigen Lesbarkeit.

Algiers, das sind beißende, rohe Rhythmen mit genial ausgespielten Melodien und angerissenen Texturen

Quelle: PR

Dresden. Plakate für Festivals folgen einer klaren Strategie, und zwar unabhängig, ob die mehrtägigen Treffs nun riesig, groß, eher kleiner oder streng lokal über Bühnen gehen. Da haben wir den Headliner, dem natürlich das Peng! auf dem Papier gehört. Und dann geht es in Sachen Schriftgrad bis runter zur grenzwertigen Lesbarkeit. Eine Wertung steht meistens nicht dahinter, Marketing folgt anderen Gesetzen.

Natürlich ist das eingangs Erwähnte auch im Falle des „Sound Of Bronkow“ so, das am kommenden Wochenende zur Spielzeiteröffnung im Societaetstheater (zwei Säle, Foyer und Garten), im Kino Thalia und im Ostpol seine siebente Ausgabe feiern wird. Algiers stehen ganz oben. Algiers? Algiers!

Mit zunehmendem Alter und reizüberfluteten Ohren wird es immer seltener, dass Bands das „Umpusten“ schaffen. Zu viel gehört, zu viel erlebt! Doch gerade die Formationen, die beim „Bronkow“ eben oben thronen, sind besonders, ganz gleich, ob sie Sons Of Noel And Adrian, Listener, BRNS, Felice Brothers hießen oder jetzt Algiers heißen. Deren selbstbetitelte Debüt-CD vom Vorjahr ging jedenfalls in Dauerschleife. Wuchtig, berstend vor Energie, entwaffnend gesungen, vehement im Trio eingespielt, ließ „Algiers“ (Matador) Nackenhaare nach oben schnellen.

Denn da war sofort diese hör- und spürbar bezwingende Art von Franklin James Fisher (Gesang), Lee Tesche (Gitarre) und Ryan Mahan (Bass) – live von Matt Tong (Drums) verstärkt. Algiers, das sind beißende, rohe Rhythmen mit genial ausgespielten Melodien und angerissenen Texturen. Algiers paaren die Attitüde des Punks mit einer absolut zeitgemäßen Übersetzung der Gospeltradition. Das Mantra liegt bei ihnen genauso nahe wie ein schwarzer Tanz. Kann sich noch wer an die ersten Platten und Dresden-Konzerte des US-amerikanischen Quartetts Tu Fawning erinnern? Wenn ja, dann muss er jetzt auch Algiers hören! Unbedingt!

Das Trio kommt aus Atlanta, Georgia, fand in London zur gemeinsamen Sprache, geht seit sieben Jahren temporär getrennte Wege, um sich in Konzerten jeweils neu einzunorden. Diese werden dann wechselweise zu wutigen Gottesdiensten, politischen Protestkundgebungen, fiebrigen Industriekakophonien. Ungezügelt für den einen Hörer, hoch stilisiert für den anderen. Schnappatmung aber bekommen beide Lager ohne Mühe. Algiers also stehen zu Recht oben auf dem „SOB“-Plakat. Am Sonnabend, 22 Uhr haben sie zudem die beste Auftrittszeit. Wer vorfühlen mag: 13 Minuten „Live Deezer Session“ im Netz.

Ansonsten bleibt das „Sound Of Bronkow“ ein Festival, das vom Entdecken und Wiederentdecken lebt. Den privaten Fahr- und Zeitplan kann man sich grob im Vorfeld zimmern, das Schlendern zwischen Bühnen und Außenplätzen wird ihn jedoch immer wieder durcheinander bringen. Bei 21 Bands und Solisten an drei Tagen kann es gar nicht anders sein. „Folk - Indie - Singer/Songwriter“, auch das steht noch auf dem Plakat. Und es meint immer die eigene Welt.

Herzlich willkommen sind die Wiederkehrer, die entweder schon beim „Bronkow“ oder anderswo in der Stadt aufgetreten sind – einmal, mehrmals. Paul Armfield von der Isle Of Wight vornweg, ein Sänger der Extraklasse. Oder The Black Atlantic aus den Niederlanden. Hinter dem Projekt verbirgt sich noch immer Geert van der Velde, der diesmal solo spielen wird, bevor er am 10. September im Blue Note zusammen mit Thijs Kuijken als Black Oak zu hören ist.

Große Momente verspricht der Norweger Jonas Alaska, der seinen Marc Bolan genau studiert hat, ein paar andere Sechziger Originale auch, der daraus aber eine sehr eigene, pulsierende und vor allem angstfreie Melange macht. „Younger“ jedenfalls, Alaskas jüngste Platte, ist famos. Was man, gepaart mit der Klammer durch popmusikalische Jahrzehnte, auch von Gemma Rays „The Exodus Suite“ sagen kann. Die britische Sängerin und Multiinstrumentalistin bringt brüchigen, leicht verwitterten Hybrid-Folk und bedient sich dabei üppig nie aufgesetzt wirkender Zitate aus Jazz, Psychedelics, Free Pop.

Gottlob kommt Gemma Ray am frühen Sonnabend-Abend nicht den irischen John Blek & The Rats in die Quere. Dieses quicklebendige Sextett bespielt erst am Sonntag den Open-air-Apfelgarten und bereitet das einzige, gleichzeitig abschließende sonntägliche „Bronkow“-Personalkonzert des Jahrgangs Null-16 vor: Der Isländer Unnar Gisli Sigurmundsson alias Jùnius Meyvant wird die Inseltradition ein Stück weiter gen Süden bringen. Sein Pop glänzt. An der US-Amerikanerin K.Flay wird es schon am Freitag sein, Grenzbereiche von Singer/Songwritertum hin zu elektronischen Spoken-words-Beats aufzubrechen, während es die Kanadierin Jenny Berkel im Thalia-Nachtauftritt eher klassisch introvertiert angeht. Allerdings könnte es sein, man bekommt ihre dunkle Stimme tagelang nicht aus Kopf und Bauch.

Und ansonsten? Bands und Solisten verteilen sich auf zehn Länder, Übersee ist stärker vertreten als sonst, Deutsche weniger, bergen als „Hausband“ feiern noch immer ihr Minialbum „Zeiten für Kerle“, schließlich wird montags ja auch noch gelaufen in der Stadt. Im Kaffeesatz zu lesen, was das wohl zu bedeuten hat, lohnt eher nicht, „The Sound Of Bronkow“ schon. Es gibt diesmal sogar noch einige Karten.

Von Andreas Körner

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