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„The Great Gatsby“: Roman- und Filmklassiker auf der Opernbühne

Semperoper „The Great Gatsby“: Roman- und Filmklassiker auf der Opernbühne

Lässt sich Vergangenheit wiederholen? Millionär Jay Gatsby will eine verlorene Liebe reanimieren und liefert damit einen klassischen Stoff für die Oper. Auch beim Publikum ist Durchhaltevermögen gefragt.

Quelle: Daniel Koch

Dresden. Robert Redford hat es versucht und zuletzt Leonardo DiCaprio - dem „Großen Gatsby“ ein Gesicht geben. Als der Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald (1896-1940) im Jahr 1925 mit „The Great Gatsby“ ein Panorama des American Dream mit alptraumhaften Zügen vorlegte, gelang ihm ein wahres Meisterwerk. Mehrmals wurde der Stoff verfilmt. Dass eine Oper es ungleich schwerer haben würde, die Welt der Superreichen mit ihren Schattenseiten zu vermitteln, leuchtet ein. 1999 wurde die „Gatsby“-Oper des Amerikaners John Harbison an der Metropolitan Opera New York uraufgeführt. Jetzt hatte sie an der Semperoper in Dresden ihre europäische Erstaufführung.

Eindrücke aus „The Great Gatsby“

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Der britische Regisseur Keith Warner hält sich vergleichsweise eng an die literarische Vorlage. Viele Zitate aus dem Roman tauchen auch im Libretto auf, das gleichfalls von John Harbison stammt. An manchen Stellen geht der freier mit dem Stoff um, verlagert Szenen an andere Orte oder lässt Personen dort erscheinen, wo sie bei Fitzgerald nicht auftauchen. Den Ich-Erzähler Nick Carraway (John Chest) fügt er als Chronisten mit einer Schreibmaschine ins Geschehen ein. Mit dem dänischen Tenor Peter Lohdal hat Warner einen Gatsby, der äußerlich eher DiCaprio als Redford ähnelt. Beifall erhält er natürlich wie alle anderen Solisten vor allem für seine sängerischen Qualitäten.

Drei Stunden inklusive Pause zieht sich das Geschehen auf der Bühne hin. Einige Passagen wirken mitunter zäh. Gatsby will seine vor Jahren verlorene Liebe Daisy (Maria Bengtsson) wiedergewinnen und vertreibt sich den Weltschmerz mit ausschweifenden Partys. Fitzgerald zeichnete ein Bild der 20er Jahre in den USA mit all seinen Gewinnern und Verlieren. Die sozialen Konflikte bleiben bei ihm wie unter einer Folie verborgen, aber sichtbar. Ähnlich geht Regisseur Warner zu Werke, erzählt die Liebesgeschichte mit all ihren Verästelungen vor dem Hintergrund einer dekadenten Welt, die mehr Opfer als Sieger kennt und bei der auch die vermeintlichen Sieger zum Opfer werden.

Viel Beifall gab es am Sonntag auch für die Staatskapelle Dresden unter Leitung von Wayne Marshall und den Opernchor, der selbst mit Tanzeinlagen überzeugen konnte. Harbisons Musik ist immer wieder voller Blues und Jazz. Die Dresdner Premiere war einem Mann gewidmet, dessen Arbeit die Wirkung der Inszenierung maßgeblich ausmachte und der am Sonntag nicht mehr auf der Bühne stehen konnte: Bühnenbildner Johan Engels starb 2014, sein Dresdner „Gatsby“ wurde sein letztes Werk. Das Maßlose von Gatsbys Glitzerwelt stellte er beispielsweise in übergroßen Möbelstücken und anderen Utensilien dar. Johan Engels hätte sich am Sonntag in Dresden gewiss oft verneigen müssen.

Jörg Schurig, dpa

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