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"The Blues Brothers" im Alten Schlachthof Dresden bot weitgehend gute Unterhaltung

"The Blues Brothers" im Alten Schlachthof Dresden bot weitgehend gute Unterhaltung

Der Film ist zu Recht Kult, mit dem Soundtrack kann man auch heute Partys um drei Uhr früh noch mal rumreißen - also muss eine Show mit dem Titel "The Blues Brothers" doch großartige Abendunterhaltung bieten.

Oder? Negativ-Faktor Nr. 1 - völlig unabhängig von der Londoner Westend-Produktion: Der Zeitpunkt zwischen den Jahren. Müde Nach-Silvester-Stimmung, wenig Ausgehlaune. Lediglich die preiswerteren Plätze hinten im großen Saal des Alten Schlachthofs sind vollständig besetzt, und gerade bei den etwas betagteren und betuchteren weiter vorn will der Funke zunächst nicht so recht überspringen. Obwohl das Ambiente perfekt passt: Die Pappmache-Backsteinwände der Bühne zum Originalgemäuer, der satte Soul-Sound ins Rund, die Lightshow samt Bühnennebel zum Wetter.

Das Graffito "Mission" entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als "On a Mission from God", es ziert ein Podest, das eine der insgesamt fünf Ebenen der Bühne bildet. Auf die verteilt sich die sechsköpfige Band, zu der die "Bluettes" stoßen sowie Brad Henshaw und Daniel Fletcher als Jake und Elwood Blues - die auch sogleich durch die typischen Tanzschritte und akrobatischen Einlagen begeistern. Vor allem Brad Henshaw, der auch die Regie für die Produktion übernommen hat, überzeugt hier aus dem Stand - also: Sprung - heraus.

Aber was ist mit der Geschichte? Jener - zugegeben ohnehin dünnen, aber dennoch Spannung erzeugenden - Story des Films über das für ein Waisenhaus aufzutreibende Geld? Der Teufel liegt im Detail, in der feinen Unterscheidung zwischen dem Film "Blues Brothers" und der Band "The Blues Brothers", die die beiden Komiker Dan Aykroyd und James Belushi vor dem Film gründeten und als die sie auf den Bühnen in Europa und den USA unterwegs waren, bevor sie den Film zum Kult machten.

In diesen Zusammenhang gehört das Geplänkel über Country- und Westernmusik und das erste Stück, das so gar nichts mit den Blues Brothers des Films zu tun hat: "Stand by your Man". Und um jene alberne Version des großen alten Bluesklassikers "I'm a King Bee" einordnen zu können, muss man wissen, dass Aykroyd und Belushi einst in "Saturday Night Live" einen solchen Sketch brachten - ebenfalls als Bienen verkleidet. Was mitunter als Geburtsstunde der Blues Brothers benannt wird, das gegenwärtige Hör- und Seherlebnis jedoch nicht angenehmer macht.

Die Joe Cocker-Imitation Daniel Fletchers bei "With a little Help from my Friends" klingt zwar gut, bringt auch das Publikum zum Toben - aber dennoch sucht man nach einem Sinn. Und irgendwie bleibt es den Abend über bei vielen kleinen - für nicht Muttersprachler häufig schwer verständlichen - Witzen und einer ganz netten Show. Londoner Westend ist eben ein Qualitäts-Label, allerdings lediglich eins für perfekte Unterhaltung.

Und alles kann man unter diesem Label auch nicht präsentieren: Wenn die Bluettes mit Sharon Cherie Ballard als Frontfrau Aretha Franklins "Respect" singen, dann möchte man Brad Henshaw dafür schon einen Tritt in den Allerwertesten geben, dass er wirklich glaubt, er sei im Auftrag des Herrn unterwegs: Was einmal wütender Appell war, wird hier zur Verführungsszene in allerkürzesten Glitzerröckchen. Von den unterschiedlichsten Gesangsqualitäten einmal ganz zu schweigen!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.01.2013

Beate Baum

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