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Terrakotten und Farbzeichnungen von Ulrike Markert in der Galerie am Plan Pirna

Ausstellung Terrakotten und Farbzeichnungen von Ulrike Markert in der Galerie am Plan Pirna

Die Berliner Bildhauerin Ulrike Markert (geb. 1964 in Kaltensundheim/Rhön) zeigt in ihrer gegenwärtigen Ausstellung in der Galerie am Plan in Pirna vor allem vom Tanz inspirierte Keramiken, Terrakotta-Köpfe und tanzende Figuren sowie grafische Blätter mit Bildhauer-Entwürfen und Wachszeichnungen.

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Ulrike Markert. Lebenswichtige Organe II und III, 2009, Terrakotta bemalt

Quelle: Galerie

Pirna. Die Berliner Bildhauerin Ulrike Markert (geb. 1964 in Kaltensundheim/Rhön) ist auf verschiedenen Gebieten der bildenden Kunst und im sozialen Bereich (seit 2003 Dozentin für kulturelle Bildung Seminare und Workshops) tätig. Sie studierte nach dem Abitur in Meiningen von 1982 bis 1988 an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle/Saale im Fach Malerei/Grafik. Ihre figürlichen Terrakotten, Mischtechniken und Farbzeichnungen werden durch Kunstaktionen und Performances im öffentlichen Raum ergänzt, bei denen sie selbst auch tanzt und dabei unterschiedliche Papierarbeiten (z.B Papierobjekte und mit farbigen Bändern besetzte Strohkleider) verwendet (Video „Horn-Kokon“, DAK ART OFF, Performance 2008). Ihr ganzes Wirken ist dem multikulturellen Austausch zwischen den Völkern gewidmet, und sie selbst ist ein Teil davon. In ihrer gegenwärtigen Ausstellung in der Galerie am Plan in Pirna zeigt sie vor allem vom Tanz inspirierte Keramiken, Terrakotta-Köpfe und tanzende Figuren sowie grafische Blätter mit Bildhauer-Entwürfen und eigenständige Wachszeichnungen von großer Bewegtheit und künstlerischer Ausstrahlung. Markert strebt nach Integration all ihrer Fähigkeiten in einem künstlerischen Prozess. Ausgangspunkt sind der Tanz und die Bewegung der menschlichen Figur, die sie in allen angewandten Medien interessiert und interkulturell zusammenführt.

Terrakotten

Im Zentrum der Ausstellung stehen die tanzenden weiblichen Terrakotta-Figuren. Mit Gewandfarben und Körpertattoo versehen, drehen sich zum Flamenco drei dunkelhäutige Tänzerinnen (Terrakotta, Papiermaché, bemalt, 2011), vehement und elegant das Körperliche betonend. Die als keramische Kleinplastiken ausgewiesenen Figuren haben eine perfekte Glasur. Sie sind realistisch aufgefasst, wirken zierlich und temperamentvoll und sind im expressiven Ausdruck proportional leicht gedehnt. Zu den auffallenden Terrakotta-Büsten gehört eine Serie aus drei Halbfiguren (eine Indianerin, eine Asiatin, eine Europäerin), die unter dem Titel „Lebenswichtige Organe“ (2008/09/13) auf dem Kopf (Kopfaufbau) und in den Händen menschliche Organe halten, die in der Fantasie entstanden sind und keine Nachbildungen darstellen. Hier bemächtigt sich des Betrachters ein Erstaunen über die Natur in uns, durch die wir leben. Auf einem mit Sand bestreuten Podest liegen oder stehen 13 Terrakotta-Köpfe („Grabbeigaben“, 2008/09), die an die archaischen Bestattungsriten der afrikanischen Völker (z.B. Senegal) anknüpfen. Viele Völker Afrikas gaben den Toten bemalte Terrakottaköpfe mit ins Grab, die zum Teil als „Seelengefäße“ dienten. Markert aber formt den Kopf realistisch und zeigt das Gesicht in affektueller Schönheit, aber auch Verzerrung, wie von Menschen aus unserer Kultur und unseren Tagen.

Plastiken aus Materialmix

Bemalte Doppel- und Einzelplastiken aus einem Materialmix aus Metall, Papiermaché, Gips und Wachs zeigen Meditierende („Moha“, „Langer Augenblick“) und badende Paare, eine „Wahrsagerin“ mit Katze sowie einen dunkelhäutigen „Christophorus“ mit dem Christuskind. Es ist, als lausche die Figur nach innen und horche auf das dort Verborgene, von dem die Künstlerin erzählt. Zwei fast identische Halbfiguren, die sich an den Händen fassen, nannte Markert „Schwestern“ (2005). Die fast lebensgroßen Figuren muten archaisch und fremd an, erfassen sie doch den Grenzbereich zwischen europäischer und afrikanischer Kunst, den die Bildhauerin bewusst anspricht und für ihre künstlerische Arbeit nutzt. Archaik und Moderne, Ethnologie und Hochkultur werden von ihr zusammengeführt, als gleichberechtigt betrachtet und auf unser gegenwärtiges Zeitmaß gebracht.

Zeichnungen

Zwanzig Zeichnungen begleiten die figürliche Plastik, darunter sechs Papierarbeiten aus der Serie „Movement“ (2013/15), Bewegungsstudien zum Tanz, die mit malerischen Elementen verfeinert wurden. Zehn Zeichnungen sind Bildhauerzeichnungen und Entwürfe für die Plastiken „Lebenswichtige Organe“, während vier kleine Wachszeichnungen sich eher abstrakt-geometrischen Themen widmen, die, mit Seidenpapier besetzt, mehrere Bildebenen erzeugen.

Besonders am Beispiel der Gruppe von Tänzerinnen wird die konzentrierte Arbeitsweise der Künstlerin deutlich: Sie macht alles bewusst, mit großer Hingabe und Intensität. Immer wieder begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Anwurzelung in der Welt, die sie für sich als global zu verstehen sucht und in ihrem Menschsein verankert, indem sie den Kontakt mit anderen Kulturen knüpft und sich vor Ort mit ihnen vertraut macht.

bis 22. Mai, Galerie am Plan, Plan 3, Fr-So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0172 1491 643
Konzert am 22. Mai, 17 Uhr, mit dem Vokal-Ensemble der Musikhochschule Dresden

www.galerie-am-plan.de

Von Heinz Weißflog

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