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Tellkamp mahnt in Festrede zum Tag der Deutschen Einheit zu Besinnung und Balance

Tellkamp mahnt in Festrede zum Tag der Deutschen Einheit zu Besinnung und Balance

Schriftsteller Uwe Tellkamp hat den Verlust von Maßstäben und Werten bei der Globalisierung kritisiert. „Es ist Zeit für eine Besinnung“, sagte er am Mittwoch in der Festrede zum Tag der Deutschen Einheit im Dresdner Landtag.

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Uwe Tellkamp auf dem Weg zum Rednerpult im Sächsischen Landtag (Bild: dpa)

Quelle: Matthias Hiekel

Der Autor des preisgekrönten DDR-Endzeitromans „Der Turm“ hatte sie mit „Dank an Sachsen - Nachdenken über Heimat“ überschrieben. Globalisierung sei wichtig und „wahrscheinlich richtig“. Es drohten aber menschliches Maß und Werte wie Rücksicht und Vernunft vergessen zu werden. „Heute müssen wir die Langsamkeit, die natürlichen Zyklen von Reifung gegen ein Höher, Schneller, Weiter verteidigen, das sich verselbstständigt; ein faustisches Prinzip Wachstum, das eines offenbar nicht mehr weiß:

wofür.“

Wichtig sei die Balance zwischen Globalisierung und Heimat. Dabei bedeute Heimat nicht Tümelei und Volksmusik, sondern „die Würde des Echten, der Nähe und der Begrenzung“. Nur daraus komme die Kraft für Veränderungen. „Wer hätte gedacht, dass es möglich sein würde, das vor Waffen starrende einschüchternde staatssicherheitsdurchsetzte System der DDR zu bezwingen - nur mit der Courage Einzelner, die widerständig waren und es wagten, für ihre Überzeugungen auf die Straße zu gehen.“ Das könne Mut machen in einer Zeit, in der die Euphorie längst verklungen sei. Aber ohne Rückbindung an die Herkunft gebe es keine Zukunft, sagte Tellkamp, der von Prägung durch Orte, Landschaften und Institutionen in seiner Heimat Sachsen berichtete.

„Aufbruchshoffnungen sind der Düsternis unserer krisengezeichneten Gegenwart gewichen“, beklagte er. Es herrsche eine seltsame Stimmung, die ihn an die späte DDR erinnere. „Viele Menschen flüchten sich in Nischen, Angst, Verzagtheit, Opportunismus herrschen, Depression; Hoffnungen auf eine gute Zukunft, auf blühende Landschaften erscheint als Illusion.“ Tellkamp rief daher mit Verweis auf die Geschichte dazu auf, sich von Rückschlägen und Krisen nicht entmutigen zu lassen. „Es lohnt sich zu kämpfen und immer wieder aufzustehen.“

Landtagspräsident Matthias Rößler betonte, dass die freiheitliche Demokratie keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut sei. Es müsse durch Mut zur Verteidigung der Freiheit und Übernahme von Verantwortung bewahrt werden. Der Tag der Deutschen Einheit sei Verpflichtung, die über Jahrzehnte gewachsenen Ursachen des Aufbruchs in die Freiheit zu erinnern, die kommunistische Gewaltherrschaft dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) würdigte den 3. Oktober als „Sternstunde für Deutschland“ und international „glückliche Fügung“. „Wir sollten Ermutigung daraus ziehen, dass wir die Teilung friedlich überwinden konnten.“

Die Grünen im Landtag halten eine weitere Unterstützung der Ost- Länder für unabdingbar, da der wirtschaftliche Aufholprozess stocke, sagte Fraktionschefin Antje Hermenau. Nach 2019 müsse die Förderung auf neue Beine gestellt und in einen bundesweit geltenden Nachteilsausgleich umgewandelt werden. Die Linken wollen den Verlust junger Menschen seit 1990 im Länderfinanzausgleich berücksichtigt sehen. „Bei der Ostförderung der Zukunft geht es nicht mehr um den Ausgleich der Schwächen der DDR, sondern der Folgen von Fehlern des Vereinigungsprozesses“, sagte Landeschef Rico Gebhardt. Mehr als eine Million junge Menschen seien wegen der Treuhand-Politik in den Westen abgewandert und ein Gutteil des Wirtschaftswachstums dort von jungen Ostdeutschen erarbeit worden, während einst junge Industriestädte im Osten vergreist seien.

dpa

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