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Tanzplattform-Auftakt mit Kontrastreicher Auftakt im Kleinen Haus mit "Cover up" und "Baader - Choreographie einer Radikalisierung"

Tanzplattform-Auftakt mit Kontrastreicher Auftakt im Kleinen Haus mit "Cover up" und "Baader - Choreographie einer Radikalisierung"

Parallel zum Festivalauftakt in Hellerau kommt eine ebenso erwartungsvolle Schar von Besuchern - manche ergattern sich noch in letzter Minute Karten - zum Start ins Kleine Haus vom Staatsschauspiel Dresden.

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Christoph Winklers Arbeit "Baader - Choreographie einer Radikalisierung".

Quelle: Heiko Marquardt / frischefotos.com

Wo es auch gleich zur Sache geht, und das erfreulicherweise kontrovers und in schönster Eigenart. Jene, die alsbald mit krachenden Türen den Saal verlassen, werden da wohl anderer Meinung sein. Doch das macht schließlich die Tanzplattform Deutschland aus, dass es mit den Gefühlen, Ansichten, Einsichten, Aussichten kreuz und quer, hoch wie runter geht. Nur in einer Sache sind sich garantiert alle einig, egal, ob nun Fachpublikum oder einfach nur Interessierte; sie wollen sich keinesfalls für dumm verkaufen, mit Belanglosigkeiten nerven lassen.

Die Saalflüchtigen und manch andere in der Aufführung sind offenbar etwas irritiert, wenn sich die drei Tänzer von MAMAZA über einen weißflauschigen "Tanzboden" schieben, ratlos in die Runde schauen oder gar in blökendes Getier verwandeln. Das muss man erstmal aushalten, dieses geduldige "Warten auf den Tanz", aber was sich da schließlich im Wechsel von sachter Beschleunigung und skurrilem Stillstand entwickelt, ist ein höchst raffiniertes Tanzgebilde, über das sich nachzudenken lohnt. Da geht es um rhythmische Impulse, Synergieeffekte, um Versuche, wie auch immer geartete Wege und Möglichkeiten zu finden. Und Ioannis Mandafounis, Fabrice Mazliah und May Zarhy bilden deutlich kein Trio Infernale, sind mehr eine Dreierbande hervorragender Tänzer und eigenwilliger Choreografen, die sich mit einfachen Mitteln "koloriert" ins Bild setzen, ab und an - frei von Enthüllungsszenen - ihre karierten "Unterschichten" offenbaren und es zudem verstehen, ihre Körperlichkeit zu demontieren und kurios "aufzuschichten". Auf eine so verrückte Idee muss man erstmal kommen, diverse Unterschenkel zu sortieren und schließlich zu einer Mauer aufzubauen.

Im Gegensatz zu diesem Verwirrspiel bleibt die Arbeit des Berliner Choreografen Christoph Winkler klar und überschaubar. In dem beengten Raum hoch oben unterm Dach des Kleinen Hauses ist von ihm "Baader - Choreographie einer Radikalisierung" zu sehen. Und obwohl diese Produktion aus der Trilogie "Böse Körper" so konkret an einen Namen, eine Biografie, ein Gesicht, an die vielfach dokumentierten RAF-Geschehnisse gebunden ist, scheint das mit Fotos, Texten, historischen Sprachaufzeichnungen Fassbare doch letztlich weniger gewichtig zu sein.

Christoph Winkler analysiert in der ihm so eigenen Denkweise und sinnlichen Genauigkeit, wie beredt ein Körper ist, was sich hinter Haltungen, Gesten, Zuordnungen verbirgt. Und er hat dieses Stück unmittelbar für den wunderbaren Tänzer Martin Hansen geschaffen. Der es mit Leib und Seele vermag, diesen Menschen in Selbstdarstellung, Selbstzweifeln, Verblendung zu zeichnen. Wie er sich sonnt in der Aufmerksamkeit, zurückzieht, wenn er verunsichert ist. Daraus entsteht ein sensibles, forschendes Tanzpsychogramm, und Martin Hansen bringt es authentisch herüber. Er ist kein Andreas Baader, und er muss es auch nicht sein.

Tanzplattform: Karten gibt es noch für

Sa, 15.30 Uhr, Festspielhaus Hellerau: Malou Airaudo/Renegeade "Irgendwo"

Sa, 20 Uhr, Kleines Haus: Antje Pfundtner "TIM ACY"

Sa, 21 Uhr, Festspielhaus Hellerau: Meg Stuart/Damaged Goods "Violet"

So, 17 Uhr, Kleines Haus: Antje Pfundtner "TIM ACY"

So, 18.30 Uhr, Festspielhaus Hellerau Meg Stuart/Damaged Goods "Violet"

Tickets unter Telefon 0351/8 62 73 90 oder www.hellerau.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2012

Gabriele Gorgas

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