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Tanzen auf virtuellen Zwischenböden: Am Donnerstag startet die 16. Cynetart, das internationale Dresdner Festival für computergestützte Kunst

Tanzen auf virtuellen Zwischenböden: Am Donnerstag startet die 16. Cynetart, das internationale Dresdner Festival für computergestützte Kunst

Echt oder virtuell, privat oder öffentlich, analog oder digital - die Trennlinien lösen sich auf. Manch Unterscheidung wirkt überholt, alternde Begrifflichkeiten rutschen ins Komische.

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Die Tanzperformance "Unseen" von Vera Ondrasikova und ihrem Kollektiv behandelt den Dialog mit der inneren Stimme im Kontext der Komplexität des menschlichen Seins.

Quelle: Cynetart

Das ist so mit digitaler Kunst, aus der Netzwerk-Kunst wurde, deren Funktionsweise wiederum längst vom alltäglichen Umgang mit den entsprechenden Errungenschaften überlagert wird. Diese Kunst, also auch die Kunst der Cynetart (auch: Festival für "Medienkunst, Wissenschaft und digitale Kultur"), muss sich etwas einfallen lassen, genau genommen muss sie um jeden Preis hellsehen und Zukunft (de)konstruieren und kommentieren. Denn zum Reagieren kommt sie zwangsläufig zu spät. Ganz zu schweigen von nachhaltiger Existenz. Und so ist es mit dieser Art von Kunst und ihrem Gegenstand ein bisschen wie mit den Theorien zu Zeitreisen, deren filmische Umsetzungen ja immer nur, mehr oder weniger geschickt, an einem Paradoxon herumknobeln.

Das zwingt zu Humor. Thomas Dumke, seit Jahren zu den Festival-Protagonisten gehörend, hat die diesjährige Pressekonferenz unter anderem "aus Gründen der Nostalgie" in ein Internetcafé verlegt. Selbstironie rückt den technologischen Komplex in ein gemütliches Licht, könnte man es großformatig formulieren. Oder anders gesagt: Für bierernsten Kunstkonsum ist nicht genug Zeit. Denn diese Kunst ist wie ihr Gegenstand. Und so rückt zwangsläufig und zeitgemäß in den Vordergrund der Cynetart: die Eroberung des öffentlichen Raums, der Diskurs darüber, das Spiel damit und mit den mehr oder minder virtuellen Zwischenböden einer Augmented Reality (erweiterte Realität) sowie - das Publikum. Selbiges ist zur Teilhabe (Achtung, 'Interaktivität' klingt regelrecht altmodisch - warum nur?) animiert und bekommt nach Kunst und Philosophie feinen Techno im Neustädter Szeneclub um die Ohren gehauen oder schleudert SMS mit einer Message für alle an eine Hauswand (Installation "SMSlingshot" VR Urban). So weit, so gut, so komplex, so einfach. Für überraschende Teilhabe an bewusstseins- und den öffentlichen Raum erweiternde Kunst ist jedenfalls gesorgt. Einlassen muss man sich trotzdem.

Und zwar an ganz verschiedenen Orten: Das ausführliche Programm vom 15. bis 21. November findet man, welch Wunder, im Internet (www.cynetart.de), die Ausstellung (internationaler Wettbewerb) sowie die performativen Höhepunkte im Festspielhaus Hellerau, einen "Augmented & Mixed-Reality-Parcour" zwischen den Clubs Bon Voyage, Club 64 und dem Alten Wettbüro in der Dresdner Neustadt ("Cynetart Pop-Up-City" genannt) und mit viel Glück auch noch etwas mehr auf dem stilecht superkonfusen Programmfaltblatt. Etwa ein Videoprogramm in der Motorenhalle oder eine Performance im Labor der Trans-Media-Akademie, dem eigentlichen Muttertier des Festivals. Einiges möchte auch in einer "verborgenen Schicht" entdeckt werden und zugleich den Zuschauer mit Smartphone lotsen - ein regelrecht smarter Beitrag und Selbstversuch zum Diskurs um Zwischenböden im öffentlichen Raum, ihre Entdeckung und Nutzung. Dazu im Betriebssystem IOS oder Android die kostenlose App "Layar" installieren und darin "Cynetart" aufrufen. Fertig.

Immer noch nicht smart? Dann auf zu Echtzeit- und Realperformance, etwa der Deutschlandpremiere von Ulf Langheinrichs "Movement C" in Hellerau, einer zweifelsohne außergewöhnlichen und improvisierten Tanzperformance in einer audio-visuellen Umgebung und mit anschließendem Künstlergespräch am Freitag oder zu "Kazoosh!" und einer Klangfiguren-Ausstellung in den Club 64 oder zum Künstlergespräch ins Festspielhaus oder zu einer Club-Nächte mit fein und stilsicher ausgewählten elektronischen Musikern und Djs. Ein Festival schließlich zwischen transdisziplinärem Dialog, technologischem Experiment, Beteiligungsdiskurs und Tanzboden, mit mehr als 60 Künstlern aus dem In- und Ausland.

Dazu gehört auch in diesem Jahr wieder der internationale Wettbewerb und die das Festival am Donnerstag eröffnende Preisverleihung. Aus über 350 eingegangenen Wettbewerbseinreichungen hat eine internationale Fachjury die diesjährigen Cynetart-Preisträger ausgewählt: Mit dem "Förderpreis der sächsischen Kunstministerin" wird die künstlerische Arbeit "Rotes Rauschen" von Kerstin Ergenzinger gewürdigt. Mit diesem Preis soll das weitere Schaffen der Künstlerin auf dem Gebiet der Medienkunst und Medienforschung gefördert werden. Das "Artist-in-Residence-Stipendium der sächsischen Kunstministerin" 2013, vergeben in Kooperation mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden in Höhe von 10 000 Euro, geht an den Dresdner Sebastian Piatza. Dazu kommen drei Cynetart-Preise (getragen bzw. gestiftet vom Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und T-Systems Multimedia Solutions) in Höhe von jeweils 5000 Euro für die slowenische Künstlerin Maja Smrekar ("Hu.M.C.C. - Human Molecular Colonization Capacity", das Künstlerduo Nika Oblak & Primož Novak aus Lubljana mit "Sisyphus Actions" und für den brasilianischen Künstler Ricardo O'Nascimento mit seiner Arbeit "E-ansã". Niklas Sommer

15.11. 19 Uhr, Festspielhaus Hellerau: Eröffnung, Preisverleihung Internationaler Wettbewerb und Ausstellung

16.11. 21 Uhr, Festspielhaus Hellerau: "Movement C" von Ulf Langheinrich, A/V-Performance, Deutschland-Premiere

17.11. 23 Uhr, Altes Wettbüro: Love OD Communications mit Charlotte Bendiks (DJ), Boska (DJ) und Mental Overdrive (live)

18.11. 18-21, Festspielhaus Hellerau: Uhr Cynal Salon 4.3 (Kunst und Biotechnologie)

19.11. 24 h, Dresden-Neustadt: Cynetart-Pop-Up-City, Augmented Reality-Parcours und International Sticker Award 2012 Ausstellung

20.11. 23 Uhr, Trans-Media-Labor, Historische Werkstätten Hellerau: Vera Ondrasiková, "Unseen", Tanzperformance

21.11. 18 Uhr, "Soulnessless" von Terre Thaemlitz, Performance

www.cynetart.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

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