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Tanz-um-den-Baum-Song und anderes skandinavisches Liedgut: Dresdner Gruppe Julvisor präsentierte ihre neue CD

Tanz-um-den-Baum-Song und anderes skandinavisches Liedgut: Dresdner Gruppe Julvisor präsentierte ihre neue CD

Weihnachten naht, das schönste Fest des Jahres, auch wenn an sich nicht zur Agenda Gottes gehört haben mag, dass aufgrund der Geburt seines Sohnes in einem bethlehemitischen Stall - quasi als Nebeneffekt - alljährlich das Geschäftsjahr des deutschen Einzelhandels gerettet wird.

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Aber es wurden, die Chroniken sind da eindeutig, von den Heiligen Drei Königen Geschenke mitgebracht, nämlich Gold, Weihrauch und Myrrhe. Stellt sich die Frage, ob die Könige allein unterwegs waren? Hatten sie vielleicht nicht auch ein Gefolge, so wie Caesar ein paar Soldaten bei der Eroberung Galliens ein paar Jahrzehnte zuvor oder viel später Christopher Kolumbus eine Schiffsbesatzung bei der Entdeckung Amerikas? Es gibt eine skandinavische Weihnachtsgeschichte, in der die Heiligen Drei Könige auch drei Narren dabei hatten - und die schenkten Freude, einfach indem sie Grimassen schnitten und das Kind in der Krippe zum Lachen brachten.

Diese Geschichte wurde von Guido Richarts von der Gruppe Julvisor beim CD-Release-Konzert in der Dreikönigskirche gelesen. Es war schon immer ein charakteristisches Merkmal der Dresdner Band, bei den Konzerten alljährlich zur Adventszeit nicht nur jeweils neue (Weihnachts-)Lieder aus Skandinavien, sondern auch Geschichten aus dieser Ecke Europas vorzutragen, in denen mal das Herz gewärmt wird, mal das Zwerchfell gekitzelt wird. Eine andere, auch nachdenklich stimmende Geschichte war beispielsweise die vom Weihnachtsfest in einer Familie, bei dem "alles hätte anders sein müssen", etwa dass da eine gesunde Mutter sagt, was sie denkt. Nicht auf Moll, sondern auf Lach-Dur gestimmt hingegen die Story vom Buchhalter, der alle, aber auch wirklich alle, schließlich sogar prophylaktisch, zum Teufel wünscht, die ihn davon abhalten (könnten), gepflegt im Sessel in der warmen Stube Cognac zu trinken.

"Det hev ei rose sprunge" lautet der Titel des neuen Albums. Mit etwas Fantasie lässt sich erahnen, was da Pate stand: Luthers symbolischer Text von 1587 über die Geburt Christi, der mit Praetorius' Satz einer alten deutschen Melodie zum weltweiten Evergreen wurde. Die fünf Musiker von Julvisor haben aber die Melodie ein bisschen umgeschrieben, nicht zuletzt um eine Seljeflöyte einzufügen, eine in der skandinavischen Volksmusik häufiger anzutreffende Obertonflöte ohne Grifflöcher. "Det hev ei rose sprunge" klingt anfangs etwas merkwürdig, dann aber lauscht man - jede Wette drauf - fasziniert.

Auch sonst gibt es einige Klangexperimente. Für Julvisor-Verhältnisse ungewöhnlich flott ist ein Lied, das vor allem in Schweden als Julpolska bekannt ist, ein ausgelassener "Um-den-Baum-Tanz-Song", wie Christina Lutter so schön sagte: Christina Lutter? Ja, aus der reinen vierköpfigen Herrenrunde Julvisor wurde ein Quintett mit Dame, die weit mehr als nur die Quotenfrau ist. Wäre man beim Eiskunstlauf, man müsste den Gesang Lutters, vielen bekannt von der ebenfalls hiesigen Gruppe Strömkarlen, zumindest in punkto Sinnlichkeit mit der Höchstpunktzahl von 10,0 bedenken. Kopf der Gruppe (zumindest auf der Bühne) ist aber noch immer Richarts, der die Saiten des Kontrabasses zupft und streicht. Es gibt nicht viele Gruppen, bei denen der (Kontra-)Bassist derart im Fokus steht - auch da ist Julvisor ein bisschen anders.

"Deilig er jorden" (Herrlich ist die Erde) mutiert nach diversen Textwechseln zu einer regelrechten Pophymne, mir persönlich ging das Herz aber besonders bei "Mitt hjerte allltid vanker" (Mein Herz muss immer wandern) auf, der norwegischen Fassung eines alten Kirchenliedes aus Dänemark. Sehr melancholisch, und der absolute Clou ist, dass die ersten Töne von einer Sitar kommen, denn Krishn Kypke vermag nicht nur der Gitarre, sondern auch diesem 21-saitigen Instrument viel Stimmungsvolles abzugewinnen. Auch was Stefan Salewski an Perkussion und Piano sowie Matthias Strauch auf Flöte und vor allem Saxofon zaubern, ist jedes Hören wert, allerdings geht bei den lauteren Saxofonpassagen, bei denen hier und da sogar Funk aufblitzt, das Spiel Lutters auf der Geige immer wieder mal glatt unter. Aber das ist so ziemlich das einzige, was ein bisschen schade war.

Es gibt viele schöne Traditionen der alljährlichen Adventszeit - die jeweils neue CD von Julvisor gehört eindeutig dazu. Absoluter Ohrwurm und Magie pur das erst stille, sich dann in punkto Inbrunst wie Lautstärke immer mehr an Fahrt aufnehmende Schlusslied "Morgenstjärna" (Morgenstern).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2012

Christian Ruf

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