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Tanz für Europa statt um den Euro: Das "mudul-dance-festival" lädt ins Europäische Zentrum der Künste Hellerau ein

Tanz für Europa statt um den Euro: Das "mudul-dance-festival" lädt ins Europäische Zentrum der Künste Hellerau ein

Auf viereinhalb Jahre ist das Projekt angelegt, bei dem ein bislang einmaliges europäisches Tanznetzwerk entstehen soll. Dazu haben sich über 20 Tanzhäuser in Europa zusammengeschlossen, eingeknüpft sollen nicht unbedingt die bereits bekannten, großen Kompanien werden, die Chancen stehen günstig für bislang weniger bekannte Initiativen, Projekte und Koproduktionen.

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Les SlovaKs bringen ihr neuestes Werk "Fragments" in Hellerau zur Uraufführung: Witzig, poetisch, kraftvoll, lebendig und ungezügelt.

Quelle: Bart Grietens

Es geht um die Vielfalt, den Austausch, das Kennenlernen, um den Reichtum des zeitgenössischen Tanzes in Europa. Das sei ein Tanzplan auf europäischem Level, so der künstlerische Leiter des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau Dieter Jaenicke bei der Vorstellung des Projektes, kuratiert und dramaturgisch ausgefeilt von Carmen Mehnert, Programmleiterin für Performing Arts in Hellerau.

Es geht in dem genannten Zeitraum nicht lediglich um die Erarbeitung von Choreografien oder genreübergreifenden Projekten, es geht um den Austausch im direkten Sinne, daher gehören Residenzen, Arbeitsaufenthalte, Stipendien und Touren dazu. Die Idee dabei ist, verschiedene Module zu kreieren, die sich dann zusammenfügen lassen, ein Festival ergeben können oder sich in anders konzipierten Aktivitäten europaweit präsentieren lassen.

Der Start beginnt mit dem ersten mudul-dance-festival vom 2. bis 10. November in Dresden. Dabei wird das Festspielhaus in Hellerau nicht nur Ort für Gastspiele unterschiedlicher Formate sein, es soll zu einem Ort der besonderen Begegnung in dieser Woche europäischer Künste werden. Begegnungen mit dem Publikum, mit der freien Szene aus Dresden und besser noch aus ganz Sachsen, mit interessierten Gästen und weiteren Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten. Kommunikative Angebote wie die performative Installation "Once upon at a time country" des in Norwegen arbeitenden iranischen Künstlers Hooman Sharifi mit der Impure Company, die in beständiger Veränderung dokumentarische Bezüge zur Revolution im Iran herstellen wird, sollen das Anliegen befördern. Das selbe Kollektiv wird auch als deutsche Erstaufführung seine Tanzperformance "Then love was found and set the world on fire" im großen Saal des Festspielhauses vorstellen.

Héctor Solari, Irene Pätzug und Valentin Hertweg stellen ihre interaktive Rauminstallation "Diesseits" vor, die den Betrachter auf höchst sinnliche Weise in einem bewegten Raum Instabilität wahrnehmen lässt. Ein Symposion in englischer Sprache zum Thema "Rhythmik, Neuer Tanz und Bewegungschöre" beschäftigt sich u.a. mit den Einflüssen, die einstmals von Hellerau ausgegan- gen sind, und deren kreativen Transformationen in einer transkulturellen Moderne, die sich immer stärker darauf besinnt, was es bedeutet, Laienkunstbewegungen einzubeziehen. Ein weiteres Symposium, ebenfalls in englischer Sprache, "Second Cities - Performing Cities" widmet sich der performativen Kunst im öffentlichen Raum. Es führt Erfahrungen solcher Art von sieben Theaterhäusern aus Basel, Dresden, Krakau, Mühlheim, Poitiers und Straßburg zusammen, wobei Hellerau der leitende Partner des langfristig geplanten Projektes ist, bei dem es nicht um Straßentheateraktionen üblicher Art geht, sondern das Begreifen eines sozialen und kulturellen Netzwerkes einer Stadt und ihrer Bewohner als Kunst ungewohnter Formen der Wahrnehmung und Identifizierung.

Fünf ausgewählte Gastspiele werden an sieben Abenden zu erleben sein, allesamt erstmals in Deutschland. Die Künstler und Kompanien kommen wie z.B. La Veronal aus Spanien mit "Rússia", einer Annäherung an die unvorstellbare Weite des Landes. Ioannis Mandafounis & May Zarhy reisen aus Griechenland und Israel an, ihr Stück "Pausing" ist eine Bewegungserforschung mit besonderer Aufmerksamkeit für bewegte Pausen. Wo hört die Bewegung auf, wo fängt der Tanz an, fragen die Künstler, griechische Verbindungen zu William Forsythe dürften nicht ganz zufällig sein.

Christina Planas Leitão kommt aus Portugal. Das Projekt Jasmina Krizajs (Slowenien) "The very delicious piece" spielt mit dem Zittern unseres Körpers als Ausdruck von Facetten der Liebe.

Furios dürfte die Uraufführung zur Eröffnung werden. Schon vor zwei Jahren begeisterte Les Slovaks Dance Collective aus Belgien das Dresdner Publikum. Als Jungs tanzten sie in einer Volkstanzgruppe in ihrer slowakischen Heimat. Sie trafen sich wieder in Belgien, als sie sich von keiner Geringeren als Anne Teresa de Keersmaeker in der von ihr geleiteten Schule ausbilden ließen. Die so vitalen wie humorvollen Tanzfreunde stehen zu ihrer folkloristischen Herkunft, ihr ursprüngliches, unbändiges Temperament ist ihr Markenzeichen. Ihr neues Stück, "Fragments" ist expressiv und emotional, vor allem persönlich, es geht ums Ganze, um "das Leben, das wir führen oder denken zu führen, das Leben, das wir uns erträumen oder lieber vergessen würden".

Man könnte sich für den Auftakt keinen besseren Beitrag wünschen, denn mit lustvollen Entdeckungen, mit der Kraft des Künstlerischen, soll es an den folgenden Tagen des Festivals darum gehen, aller Ökonomisierung zum Trotz Ideen zu feiern, die darin gipfeln könnten, Europa selbst als eine vornehmlich kreative Idee zu erfahren, so Dieter Jaenicke, der dann doch noch ein ökonomisches Angebot macht: Wer vier Karten kauft, bekommt eine fünfte dazu.

2.11., 16-20 Uhr, 3.11., 19-24 Uhr, und 4.11., 18-21 Uhr: Performative Installation Once upon a time country (DEA)

2. und 3.11., 20 Uhr: Les Slovaks Dance Collective - Fragments (UA)

2./3.11., 21.30 Uhr: Ioannis Mandafounis & May Zarhy - Pausing (DEA)

3./4.11., 10-18 Uhr: Körperpolitik/ Body Politics, Rhythmik, Neuer Tanz und Bewegungschöre (Eintritt frei)

6.11., 20 Uhr: La Veronal/Marcos Morau - Rússia (DEA)

6./7.11., 21.30 Uhr: Cristina Planas Leitão - The very delicious piece (DEA)

6., 7., 8., 9. und 10.11., jeweils ab 19 Uhr: Kinetische Videoinstallation Héctor Solari/Irene Pätzug/Valentin Hertweck - Diesseits (Eintritt frei)

9.11., 16-19 Uhr, und 10.11., 10-18 Uhr: Second Cities - Performing Cities Stadt als Bühne - Symposium (in englischer Sprache) (Eintritt frei)

9./10.11., 20 Uhr: Impure Company / Hooman Sharifi - Then love was found and set the world on fire (DEA)

Alles im Festspielhaus Hellerau

Karten unter Tel. 0351/8 89 38 84

www.hellerau.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2012

Boris Michael Gruhl

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