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Tanita Tikaram startete Tournee mit druckfrischer neuer CD in Dresden

Tante Ju Tanita Tikaram startete Tournee mit druckfrischer neuer CD in Dresden

„Twist in My Sobriety“ hieß der Mega-Hit, der 1988 die damals 19-jährige Tanita Tikaram unverhofft in die Welt der ganz großen Stars katapultierte. Als Tikaram jetzt die geheimnisvolle Ballade gegen Ende des regulären Programms in Dresdens Tante Ju anstimmt, ist es mucksmäuschenstill im Saal.

Tanita Tikaram kam zum Auftakt ihrer Tour und am Erscheinungstag ihrer neuen CD in Dresdens Tante Ju.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Auch wenn der Backstage-Bereich der Tante Ju mittlerweile nicht mehr so offen ist wie anfangs, die Künstler heute nicht quer durch den Saal zur Bühne gehen – oder geleitet werden, wie seinerzeit der schlecht gelaunte Bob Geldof: Nach wie vor ist man hier absolut nah dran. Kann beispielsweise, auf dem roten Sofa im hinteren Barbereich sitzend, mitbekommen, wer eingelassen wird durch die Tür mit dem „Backstage“-Zettel. Logisch, dass der jugendlich wirkende Mann, der eine jener magischen Zugangskarten um den Hals trägt, zum engen Zirkel von Tanita Tikaram gehört – den Älteren hielten wir jedoch für einen Journalisten-Kollegen, der mit der britischen Singer-Songwriterin ein Interview führen will, während auf der Bühne die an Naked Raven erinnernde Schweizer Band Serafyn vielversprechenden Akustik-Folk präsentiert.

Aber falsch geraten. Eine halbe Stunde später sehen wir den Jüngeren als Gitarristen Oliver Darling, der Ältere mit dem Pferdeschwanz soll sich als Martin Winning entpuppen, mit seinen Saxofonen und der Querflöte die musikalisch treibende Kraft für die in Deutschland geborene Londonerin Tikaram.

Ausverkauft ist sie, die Tante Ju. Und vielen Menschen um die 50 sieht man an, dass sie sich auf diesen Abend, diese Wiederbegegnung mit der Musik ihrer Jugend, gefreut haben und es genießen. „Twist in My Sobriety“ hieß der Mega-Hit, der die damals 19-Jährige unverhofft in die Welt der ganz großen Stars katapultierte. 1988 war das und ein Highlight in der musikalischen Einöde dieser Zeit. Als Tikaram die geheimnisvolle Ballade gegen Ende des regulären Programms anstimmt, ist es mucksmäuschenstill im Saal.

Was leider nicht immer der Fall ist bei den mindestens ebenso großartigen Stücken des neuen Albums „Closer to the People“. Und dabei entfalten viele der Songs bereits beim ersten Hören die Sogwirkung, die eben viele Tikaram-Produktionen auszeichnet – aber man muss sich eben auf das Neue einlassen.

Es ist der Auftakt der Tour und der Erscheinungstag der CD – entsprechend emotional zeigt sich die noch immer jugendlich wirkende 46-Jährige. Ihre Stimme klingt fast noch dunkler als auf den alten Aufnahmen; all das Geheimnisvolle, das man sich gern durch die asiatischen Eltern und dem Aufwachsen in zwei Ländern erklärt, wird kanalisiert in den Moll-Stücken. Immer wieder überrascht es, wie tief Martin Winning auch das Tenor-Saxofon erklingen lässt; Matt Radford am Kontrabass passt perfekt dazu. Keine Drums, dafür Co-Produzentin Angie Pollock am Keyboard. Tanita Tikaram selbst spielt mal Akustik-Gitarre, mal Flügel.

Einen „Mischmasch“ von Titeln wolle sie spielen, verkündet Tikaram nach dem Opener „Glass Love Train“, der auch die neue CD eröffnet. Die Ansage soll, abgesehen von der Elvis-Zugabe „Muss i denn ...“ der einzige Ausflug ins Deutsche bleiben. Und so folgt auf die bezwingende Single-Auskopplung „Dust on my Shoes“ aus „Can’t Go Back“ von 2012 auch schon der erste mit Begeisterung aufgenommene Titel vom Erfolgsalbum „Ancient Heart“: „Good Tradition“. Schön zu sehen und zu hören, wie frisch die alten Songs für sie geblieben sind – vielleicht, weil sie jahrelang nicht auf Tour gegangen ist. Jedenfalls bringt sie das Lied über die Tradition des am Kamin Sitzens – in Liebe und Hass, als sei er gestern geschrieben worden.

„Cool Waters“ von „Closer to the People“ wird von ihr als Song angekündigt, wie es ist, wenn jemand zu sehr liebt – es erscheint jedoch eher wie eine unsentimentale Liebeserklärung. Wie Tikaram „And if I live forever, I’ll still be loving you“ singt, wirkt es nicht manisch-besessen, sondern einfach schön.

Das Titelstück über die zu Unrecht vergessene Jazzsängerin Anita O’Day bringt Tikaram allein am Flügel zu Oliver Darlings Akustik-Gitarre. Ein Gänsehaut-Moment. Auch O’Day wollte einfach nur frei sein, singt Tikaram. Ein wiederkehrendes Motiv in all ihren Texten – auch in denen über sich selbst.

Und dann ist da die Hoffnung, dass die Menschen sich ändern. Wie im Titelstück der letzten CD „Can’t Go Back“, das den offiziellen Teil des Konzerts beendet. So getragen, verhalten, berührend klingt das, dass man sich fast wünscht, es gäbe keine Zugaben. Perfekter kann es schließlich nicht werden. Aber natürlich erfordern es die Konventionen, dass die Musiker zurückkehren – und letzten Endes ist dann der bekannte „Cathedral Song“ der passende endgültige Abschluss: „So take my time – and take my lies. Cause all of the others want to take my life.“ Die geheimnisvolle Britin in drei Zeilen.

Von Beate Baum

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