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Tanita Tikaram mit neuem Album in Leipzig

Konzert in der Schaubühne Lindenfels Tanita Tikaram mit neuem Album in Leipzig

Ihr Song „Twist In My Sobriety“ machte sie weltbekannt: Tanita Tikaram. Ihr neuestes Werk heißt „Closer To The People“ – eine Mixtur aus Soul, Blues und Jazz. Am Mittwoch tritt sie in der ausverkauften Schaubühne Lindenfels auf, wir sprachen vorher mit der 46-Jährigen.

Zurück im Geschäft: Tanita Tikaram.

Quelle: kurt stallaert

Leipzig. Ihr Song „Twist In My Sobriety“ machte sie weltbekannt: Tanita Tikaram. Seit 1988 hat die vor 46 Jahren in Münster geborene Tochter einer malaiischen Mutter und eines fidschianisch-indischen Vaters über fünf Millionen Platten verkauft. Ihr neuestes Werk heißt „Closer To The People“ – eine Mixtur aus Soul, Blues und Jazz. Am Mittwoch tritt sie in der ausverkauften Schaubühne Lindenfels auf.

Ihr Album heißt auf Deutsch „Näher an den Menschen“. Was genau meinen Sie damit?

Live zu spielen bedeutet für mich, ganz nah am Publikum zu sein. Ich habe das lange Zeit vermieden, erst in den letzten Jahren konnte ich meine Stimme als Musikerin wiederfinden. Mir war bewusst, dass man die tollen alten Platten nicht toppen kann, deshalb wünschte ich mir für mein Album einen Mix aus zeitgenössischem und traditionellem Sound.

Ist das Album auch eine Hommage an jene Menschen, die Sie inspiriert haben?

In der Tat. Meine tolle Live-Band hat nicht nur meinen Musikgeschmack, sondern auch meinen Sound verändert. Ich höre heute deutlich mehr Jazz und Rhythm & Blues von Dave Brubeck oder den Staple Singers. „Glass Love Train“ ist meine Hommage an Philip Glass, mit dem Titelsong „Closer To The People“ erweise ich der Jazzsängerin Anita O’Day Referenz.

Was fasziniert Sie an der 2006 verstorbenen Jazzsängerin Anita O’Day? Erkennen Sie sich in Ihr womöglich wieder?

Nein, das nicht. Ein Freund gab mir ihre Autobiographie „High Times, Hard Times“. Zu meiner Schande kannte ich sie bis dahin überhaupt nicht. Während des Lesens begann ich, ihre Musik zu entdecken – und dann blies sie mich weg! Ich fühlte mich von ihrem Lebenshunger und ihrer Obsession für Musik extrem angezogen. Aus heutiger Sicht ist sie eine sehr moderne Frau gewesen – und hat es verdient, neu entdeckt zu werden.

Wie hat die Beschäftigung mit Anita O’Day Ihre Musik verändert?

Sie brachte mich dazu, mich mit anderer Musik zu beschäftigen. Was ich an O‘Day schätze, ist, dass es ihr ausschließlich um die Musik ging und nicht ums Ego. Sie wollte nur mit ihrer Band und dem Publikum zusammen sein. Für mich ist das eine sehr romantische Vorstellung, denn solch eine Existenz erfordert ein extremes Arbeitsethos.

Was sagt denn Ihr Album über Ihre Obsessionen aus?

Ich bin sicher nicht so obsessiv wie Anita O’Day, dafür aber umso enthusiastischer. Ich hätte gern etwas von ihrer Energie, denn ich bin der schläfrigste Mensch, den man sich vorstellen kann. Was mich aber wachrüttelt, ist meine Liebe für alle möglichen Arten von Musik.

Welches ist für Sie der wichtigste Aspekt an Musik?

Ganz klar der heilende Aspekt. Die Zeit, in der wir leben, ist bizarr und beängstigend. Ich glaube aber fest daran, dass Musik Menschen vereinigen kann. Wenn ich auf ein Konzert gehe, bin ich oft freudig entzückt, vergesse meine Probleme und verliere mich in der Musik, die da gerade gespielt wird. Musik ist unglaublich mächtig.

Mit „Night Is A Bird“ ist Ihnen ein Song gelungen, der sofort eine Sogwirkung entfaltet. Wie kam es zu dieser Nummer?

Vor diesem Album hatte ich mit Jazz nichts am Hut. Aber dann fing ich an, mich mit dieser Musik intensiv zu beschäftigen – und fand Thelonious Monk auf einmal cool und dachte, es wäre doch geil, einmal einen Song im Stil von Monk zu schreiben. Mein Saxofonist zeigte mir, wie das geht. Und so ist „Night Is A Bird“ mein Thelonious-Monk-Moment geworden ().

Ist Singen eine gehobene Form des Geschichtenerzählens?

Für mich ist das Singen die natürlichste und schönste Form von Kommunikation. Man muss kein technischer Virtuose sein, um Menschen zu berühren. Auch eine nicht perfekte Stimme kann diese Fähigkeit haben. Es wäre schade, wenn es nur noch Platten gäbe, auf denen jeder einzelne Ton stimmt. Eine Stimme sollte immer als menschliches Organ erkennbar bleiben und nicht von der Produktion erdrückt werden.

Singen Sie im Studio anders als auf der Bühne?

Absolut. Die größte Schwierigkeit beim Albummachen ist, die Stimme ins beste Licht zu rücken. Am Ende nahmen wir den Gesang in meinem heimischen Musikzimmer in London auf, weil die Akustik dort natürlicher ist als in einem Tonstudio. Ich habe in meinem Leben nur wenige Toningenieure getroffen, die so etwas Abwegiges können.

Wer hat Ihnen geholfen, Ihren eigenen Stil zu finden?

Meine Karriere begann ja schon mit 18. Damals sah ich mich in erster Linie als Songschreiberin und nicht als Sängerin. Da ich meine Songs aber nicht aus der Hand geben konnte, begann ich, sie selbst zu singen. Ich hatte aber nie Unterricht. Wenn ich mir meine frühen Stücke heute anhöre, dann singe ich darauf gar nicht wirklich, sondern spreche eher.

Machen Sie sich heute mehr Gedanken über Ihren Gesang?

Definitiv. Ich achte sehr auf Klarheit. Das Publikum soll auch verstehen, was ich da singe. Leider habe ich es nie geschafft, so zu singen wie meine Idole. Aber man muss mit dem leben, was man hat.

Interview: Olaf Neumann

Tanita Tikaram am Mittwoch um 20 Uhr in der Schaubühne Lindenfels (ausverkauft). „Closer To The People“ erscheint am Freitag.

Von Olaf Neumann

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