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Tanita Tikaram mit freundlicher Zurückhaltung in der Dresdner Tante Ju

Tanita Tikaram mit freundlicher Zurückhaltung in der Dresdner Tante Ju

Selten sind an diesem Abend die Momente, in denen das Publikum in Betroffenheit badet oder man sich lieber allein in eine Ecke verzieht, um anderweitig zu darben oder schmachten.

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Tanita Tikaram in der Tante Ju.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das Ätzende an einem frühen Überhit, wie es "Twist in my sobriety" nunmal einer ist, ist nach wie vor die daraus entwachsene und unkontrolliert mutierte Erwartungshaltung des Publikums. Aus der ergibt sich nicht selten ein gewisser Schrecken für Rezensenten, deren Aufgabe es ist, einen Unterschied zu machen und nicht in den Chor jener einzufallen, die nur wegen dieses einen Liedes gekommen sind und das womöglich auch noch lautstark einfordern müssen. Dabei stolpert der eine oder andere Rezensent auf dieser Tour von Tanita Tikaram wohl ebenfalls über eine Erwartungshaltung, die sich kein bisschen bestätigt: Das dicht gedrängte Publikum in der Tante Ju machte am Pfingstsonntag keinerlei Anstalten, rücksichtslos einem nostalgischen Moment zu frönen: Vielmehr schienen sämtliche Zuhörer mit dem neuesten Werk der Britin vertraut, auch mit anderem Schaffen dazwischen und mit dem fast schon sonnigen Gestus des eben programmatisch betitelten "Can't go back" regelrecht d'accord.

Mit ihrer dreiköpfigen Live-Band entwirft Tanita Tikaram einen Konzertabend mit dem Œuvre eines vorübergehend nachdenklichen und am Ende doch ausgelassenen Kaffeehausbesuchs auf einem Ausflug mit innerer Ruhe. Musikalisch ein sanftes Pendeln zwischen Singer/Songwriter-Akustik, einer Brise Jazz, einem Hauch Noir und viel Blues aus dem Reisekoffer. In diesem Unterwegssein wirkt Tikaram irgendwie angekommen: "Dust on my shoes" ist nicht unnachdenklich, aber dennoch für Tikaram'sche Verhältnisse erstaunlich leichtfüßig und fast schon ein wenig leichtsinnig - wie ein Seilspringen im Park. Der Blues von "He likes the sun" wirkt erdig, geradezu schrullig. Bejahend entstaubt wird außerdem publikumswirksam mit Saxophon und Klarinette. Die Rhythmuswechsel besorgen den Rest für die Euphorie im Saal. So wirkt ein am Schluss dezent akustisch dargebotenes "Twist in my sobriety" ganz unspektakulär und hübsch. Nach knapp anderthalb Stunden ist die Träumerei vorbei, ihrer klinischen Sauberkeit auch von Tikarams reifender, dunkler und nicht selten nahe am Bruch entlangschrammender Stimme in der Essenz beraubt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2013

Niklas Sommer

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