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Talentierter Dresdner Kunstabsolvent stellt in Galerie Baer aus

Talentierter Dresdner Kunstabsolvent stellt in Galerie Baer aus

Er ist Jahrgang 1985, also noch keine 30. Trotzdem hat Eric Keller jüngst schon reichlich Aufmerksamkeit erhalten. Dafür sorgte vor allem die Jury, die für den diesjährigen Kunstpreis StartPoint 24 Kunsthochschulen in elf europäischen Ländern aufsuchte, um die aussagekräftigsten Absolventenarbeiten auszuwählen.

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Eric Keller: "Freibad" (2014), Öl auf MDF.

Quelle: Galerie

Die zwölf stärksten von ihnen sind derzeit noch im DOX, dem Prager Zentrum für zeitgenössische Kunst, ausgestellt. Keller ist einer dieses auserwählten Dutzends. Und streng genommen der einzige Deutsche. Nur die Iranerin Pegah Amini von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg wurde als einzige weitere Absolventin einer deutschen Hochschule eingeladen.

Dieser Ruf in die illustre Runde der im DOX vereinten jungen Künstler stellte auch die Dresdner Galerie Baer kurzfristig vor einige Probleme. Dort zeigt Keller gerade unter dem Titel "Novemberkind" ein knappes Dutzend seiner Werke. Der Galerist Patrick-Daniel Baer sah sich nun damit konfrontiert, dass einige aussagekräftige Bilder Kellers nach Prag gehen mussten. Drei Werke wurden schließlich aus der Dresdner Neustadt in die tschechische Hauptstadt geschickt: "Coswig", "Haus Hamburg" und "Laden auswärts". Sie können durchaus als kleine Quintessenz von Kellers Bildsprache gelten. Für "Coswig" rückte übrigens zwischenzeitlich "Talsperre" in die Dresdner Galerieräume nach.

Dort ist, trotz der besagten Transportaktion, noch genug zu sehen, um sich von der Bildsprache Kellers einen Eindruck verschaffen zu können. Ödnis, Leere, Unorte, Isolation, Fremdheit - das sind so ungefähr die Vokabeln, die Kellers Werke, einem ersten Impuls folgend, beschreiben würden. Hinter dieser Ödnis aber tarnt sich eine überraschende Fülle, die sich beim näheren Betrachten der auf Holzplatten gemalten Bilder mehr und mehr erschließt.

Besonders bestechend sind die Farbflächen. In Kellers Bildern wohnt meist den Himmeln über den dargestellten Gegenden ein eigenartiges Leuchten inne. Und wo dieser Himmel hell ist, tauchen immer wieder Andeutungen von Magenta auf, die sich auch in der Szenerie spiegeln, wiederholen. In "Abend über Gorbitz" findet sich so ein schmaler magentafarbener Streifen im Vordergrund, der dunkle Wohnblock hinten kontert mit einem ähnlich erleuchteten Fenster. In ihrer geometrischen Aufteilung und dem klaren Linienverlauf haben die Ölbilder trotz ihres Bekenntnisses zum Figurativen und Örtlichen eine abstrakte Note. Dieses Ineinanderfließen gilt auch für klar strukturierte Flächen und benachbarte Abschnitte, die wie verschwommen wirken.

Die lokalen und regionalen Codes sind das eine. Wenn Keller Coswig, Gorbitz oder Neusörnewitz schon in seinen Bildtiteln nennt, hat der hiesige Betrachter natürlich auch die real existierenden Örtlichkeiten vor seinem inneren Auge. Inwiefern das auch für das nun in Prag hängende "Haus Hamburg" gilt, wäre fast eine kleine soziologische Studie wert. Denn das abgebildete Haus ist ein Dresdner Bordell und Keller, der mittlerweile in Löbtau zu Hause ist, offenbar bei seinen Streifzügen durch die nähere und weitere Nachbarschaft irgendwann aufgefallen.

Die gezeigten Orte und die in ihnen ab und zu platzierte Gestalten sind darüber hinaus kaum an eine Zeit gebunden. Die Figuren Kellers wie "Junge im Winter", in "Novemberbild" oder "Freibad" tragen die erwähnte Leere in sich, ohne dass der Maler vordergründig dem in seiner Künstlergeneration noch immer oft zu findenden Fotorealismus huldigen würde. Sowohl im Umgang mit Farben und Bildoberfläche als auch bei der Auswahl des Untergrunds (nicht exakt abgeschnittene Holzplatten, stellenweise mit abgesplitterten Ecken) geben dem Ganzen etwas Rohes, Hartes. Ob und wie Keller diesen seinen Weg weitergeht, vielleicht bis hin zu noch größerer Radikalität in seinen Bildern, wird interessant sein zu beobachten.

"Novemberkind": Bis 30. Oktober, geöffnet Di-Fr 11-18, Sa 12-16 Uhr; DOX Prag: bis 27. Oktober

www.galerie-baer.de und www.dox.cz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2014

Torsten Klaus

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