Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Tänzerische Entwicklungshilfe - Palucca-Schule Dresden kooperiert mit Tunesien

Tänzerische Entwicklungshilfe - Palucca-Schule Dresden kooperiert mit Tunesien

Wenn eine Revolution gelingt, tanzt das Volk auf den Straßen. Bilder von tanzenden Revolutionären sind aus allen Kulturkreisen bekannt. Auch beim „Arabischen Frühling“, der Ende 2010 in Tunesien begann, war es nicht anders.

Voriger Artikel
"Ich werde zunehmend zorniger" - Holger Witzels dritter Kolumnenband: "Heul doch, Wessi"
Nächster Artikel
Schauspielerin Iris Berben in Dresden mit Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet

Die tunesische Tanzpädagogin Malek Sebai folgt während des Trainings an der Palucca Hochschule für Tanz den Anweisungen des Tanzpädagogen.

Quelle: Arno Burgi dpalsn

In dem nordafrikanischen Land hat der Wandel viele Energien freigesetzt, auch bei Künstlern. Wie ein Feuerwerk hätten sich Projekte entwickelt, berichtet die Choreografin und Tanzpädagogin Malek Sebai. Als Tänzerin hat sie einst namhaften Companys in aller Welt angehört. Jetzt will sie ihrer Heimat etwas zurückgeben und geht deshalb noch einmal in die Lehre - als Hospitantin der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Sebai hospitiert mit ihren beiden Landsleuten Cyrine Mariem Haj Sassi und Karim Touwayma im Studiengang Tanzpädagogik, um etwas über die professionelle Ausbildung zu lernen.

php57492a281e201409211243.jpg

Die tunesische Tanzpädagogin Malek Sebai folgt während des Trainings an der Palucca Hochschule für Tanz den Anweisungen des Tanzpädagogen.

Zur Bildergalerie

Obwohl das Interesse am Tanz in Tunesien sehr groß ist, fehlt es wie überall in Afrika an Strukturen, um die Talente junger Mädchen und Jungen zur Entfaltung zu bringen. Das ist der Grund, warum das Goethe-Institut in Tunis eine Kooperation mit der Palucca-Hochschule auf den Weg brachte - noch bevor die Bundesregierung ihre neue Afrika-Strategie verkündete. Malek Sebai war schon im Sommer 2013 in Dresden zu Gast und ist nun noch einmal für drei Wochen zurückgekehrt. „Bisher gibt es weder Orte noch Strukturen für eine Ausbildung“, sagt die frühere Spitzentänzerin. Zuerst müsse man Pädagogen ausbilden, die Tänzer unterrichten können. Malek Sebai rechnet mit einer Phase von 10 bis 20 Jahren, um ein solches System landesweit zu etablieren. Bis zur Revolution habe Tunesien de facto nur aus Tunis bestanden. Aber auch anderswo gebe es künstlerische Aktivitäten. Cyrine Mariem Hay Sassi ist ein Beispiel dafür. Sie stammt aus der Küstenstadt Mahdia. Die 21-Jährige unterrichtet dort Klassischen Tanz. In Dresden fasziniert sie die Konzentration auf das Wesentliche: „Hier reden alle über Tanz, auch wenn der Unterricht zu Ende ist.“

Karim Touwayma ist Musiker, Choreograf und Vertreter der religiösen Zeremonie Stambali, die aus dem Inneren Afrikas stammt und in Tunesien vervollkommnet wurde. Auch der tunesische Tanz empfing Einflusse von anderswo, nicht zuletzt aus der Kultur Andalusiens und aus Teilen Afrikas. „Man tanzt bei uns zu ganz verschiedenen Gelegenheiten, auch zu Festen und rituellen Anlässen.“ Dass die Palucca-Studenten verschiedenen Tanzrichtungen von der Klassik über modernen Ausdruckstanz bis hin zum Jazzdance so offen gegenüberstehen, nimmt Touwayma als positive Erfahrung mit nach Hause: „Es gibt hier einen offenen Geist für jede Art von Bewegung.“

Bereits im März waren zwei 13-jährige Austauschschülerinnen nach Dresden gekommen, um im Studiengang Bühnentanz mitzumachen. Traditionell hat die Palucca-Schule einen hohen Ausländeranteil. In diesem Jahr studieren 67 junge Frauen und Männer von allen Kontinenten hier - außer Afrika. Auch deshalb möchten die Dresdner die Tunesier bei ihren Bemühungen um eine Profi-Ausbildung unterstützen. „Das muss keine Einbahnstraße sein. Wir möchten unseren Lehrern hier etwas zurückgeben“, sagt Malek Sebai. Cyrine Mariem Haj Sassi hat beispielsweise ihrer früheren japanischen Tanzausbilderin Jazzdance beigebracht. Die Professorin bietet nun entsprechende Kurse in Japan an.

Das Programm „Tanzen lernen!“ mit dem Goethe-Institut läuft bis 2016. Bis dahin ist Hilfe finanziell abgesichert. Wenn die drei Palucca-Gäste wieder in der Heimat sind, wollen sie sich bei ihrer Regierung um Beistand kümmern. Die Vision besteht darin, eine kostenlose professionelle Tanzausbildung zu etablieren. „Wir können Dresden nicht 1:1 kopieren. Aber wir können uns einiges abschauen“, sagt Sebai. Vielleicht werde auch privates Geld fließen. In Tunesien sei erst vor ein paar Tagen ein Gesetz in Kraft getreten, das Mäzene steuerlich begünstigt: „Die Revolution hat dafür gesorgt, dass eine Zivilgesellschaft entsteht“, sagt die Künstlerin.

Jörg Schurig, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr