Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Szene12 inszeniert Mozarts "Così fan tutte" am Dresdner Labortheater

Szene12 inszeniert Mozarts "Così fan tutte" am Dresdner Labortheater

Als Hugo von Hofmannsthal Mozarts Oper "Così fan tutte" (1790) einst als "nicht besonders geistreich" bezeichnete, konnte er kaum ahnen, dass im Fernsehen später noch deutlich weniger Geistreiches das Massenpublikum begeistern würde.

Voriger Artikel
Dresdner Stadtverwaltung hält an Regulierung von Straßenmusik fest
Nächster Artikel
Heinrich Schütz Musikfest ab 12. Oktober in Dresden

Das Ensemble von szene12 bietet "Così fan tutte" im Labortheater.

Quelle: FOTO: PR/René Fußhöller

Amerikanische Sitcoms, diese meist nicht sehr tiefsinnigen Fernsehkurzkomödien, in denen das Klatschen und die Lacher des Publikums wie im Theater dazugehören, sind nur ein Beispiel dafür. Wie pfiffig jedoch eine Kombination aus beidem sein kann, beweist der Dresdner Verein szene12 mit seinem diesjährigen Bühnenprojekt, das jetzt Premiere feierte.

Das durchweg studentische Ensemble um Regisseur Toni Burghard Friedrich lässt Mozarts rasante Verwechslungsoper "Così fan tutte - oder die Schule der Liebenden" in einer raffinierten Inszenierung auf der Bühne des Labortheaters zur Sitcom werden. Rädelsführer Don Alfonso (Steven Klose) ist hier der Regisseur am Filmset, seine Verbündete Despina (Marie Hänsel) steht ihm als Assistentin zur Seite. Die vier Hauptpersonen Fiordiligi (Johanna Will), Dorabella (Christiane Johanna Gänßler), Ferrando (Sie Hun Park) und Guglielmo (Meinhardt Möbius) treten als paarweise verbandelte Sitcomschauspieler auf, die stets zwischen Bühne und Hinterbühne auf- und abgehen.

Die Verwechselungskomödie, bei der die Paare in der Oper, ohne es zu wissen, kreuzweise die Partner tauschen, wird hier dank Videoleinwand als Spiel im Spiel durchschaubar. Leonore Pilz und Dennis Ennen von der Hochschule für Bildende Künste haben dafür ein typisches Sitcom-Wohnzimmer mit Kuschelcouch, goldenem Glastisch, Bar und Hochglanzzeitschriften als Kulisse geschaffen. In diesen gelbgetünchten Wänden gaukelt die gespielte Fernsehwelt einen Abklatsch des wahren Lebens vor. Eine Videoleinwand über der Bühne gibt darüber hinaus den Blick ins Off frei, der den Zuschauern normalerweise verborgen bleibt.

Hier wissen die vier Sitcomdarsteller um den von Regisseur Alfonso veranlassten Partnertausch, im Stück im Stück jedoch sollen sie spielen, dass sie es nicht wüssten. Das Spiel startet als scheinbar normaler Fernsehabend mit der Tagesschau, die in den Zuschauerraum ausgestrahlt wird, während das Publikum noch Platz nimmt. Die Leinwand ist dabei nicht nur ergänzende Kulisse - wie derzeit allzu oft im Theater -, sondern bewusstes Stilmittel, das die gesamte Szenerie hinterfragt und miterzählt.

Das alles passiert in der jungen Produktion leichtfüßig, vergnüglich und hintersinnig. Die jungen Sänger - das jüngste Ensemblemitglied ist gerade 21 Jahre alt - sowie das ganz aus Musikerinnen der Dresdner Hochschule bestehende Orchester unter der Leitung von Michael Blessing leisten an diesem gut zweistündigen Abend Beachtliches. Die Partitur von Mozarts dritter Da-Ponte-Oper ist gerade für junge Stimmen nicht einfach zu bewältigen, doch alle sechs beherrschen ihre Partie solide und überzeugen mit Spielfreude und fast schon komödiantischer darstellerischer Präsenz.

Gesungen wird übrigens immer dann auf Deutsch, wenn es sich ums "wahre" Leben handelt, und Italienisch, sobald das Spiel im Spiel beginnt oder weitergeht. Letzteres wird dreimal an dem Abend von einem genretypischen Videovorspann eingeleitet, der den Beginn einer Sitcom namens "School of Lovers" in einer Produktion von szene12 verkündet und immer wieder aufs Neue die Lacher des realen Opern-Publikums auf seiner Seite hat. Zudem spielt die Inszenierung mit typischen Formen, Abläufen und bekannten Figuren.

Ungeachtet des offensichtlichen Showcharakters bleibt die Oper aber immer Oper. Allein die leichtverdauliche Unbekümmertheit, mit der die Inszenierung aufwartet, kommt der Sitcom verblüffend nahe, allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Die Verkleidung des Mozart'schen Pärchen-Treuetests als Fernsehschauspiel ist wahrlich geistreich und gelungen.

im Labortheater, Güntzstraße, wieder am 28./30.9., 2.10., 20.15 Uhr, am 3.10., 16 Uhr, und am 5.10., 20.15 Uhr; Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen für 15 (erm. 8) Euro

www.szene12.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2013

Nicole Czwerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr