Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Südmähren steht im Mittelpunkt der 16. Tschechisch-Deutschen Kulturtage

Südmähren steht im Mittelpunkt der 16. Tschechisch-Deutschen Kulturtage

Mehrfarbiger Adler und Weintraube zieren das Wappen des tschechischen Kreises Südmähren (Jihomoravský kraj), gelegen an der Grenze zur Slowakei und Österreich.

Voriger Artikel
"Wolkenbilder" am TJG-Puppentheater in Dresden als deutschsprachige Erstaufführung
Nächster Artikel
Sylvia, "die Unvollendete", präsentierte bei Breschke & Schuch "Sächsin in the City"

DNN Präsentiert

Er präsentiert sich in diesem Jahr als Partner bei den 16. Tschechisch-Deutschen Kulturtage. Das Wappen erinnere daran, "dass hier eine mehrsprachige Bevölkerung zusammengelebt hat", sagt Michal Hašek, Präsident der Region.

Die hat eine äußerst konfliktreiche Geschichte. Einst waren die Deutschen hier die dominierende Nationalität der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Besonders Brünn (Brno), seit 1641 Landeshauptstadt Mährens, war stark mit der österreichischen Hauptstadt der Habsburgermonarchie verbunden. Als Adlige, hohe Beamte und Offiziere besetzten die Deutschen entscheidende Machtpositionen. Und sie legten viel Wert darauf, von Wien aus regiert zu werden. Dagegen mussten die Tschechen ihre Rechte in Sprache, Kultur und Politik in zähem Kampf erstreiten. Gegenseitiges Misstrauen und Angst bestimmten das Verhältnis. Der Zwist zieht sich durch das 19. und beginnende 20. Jahrhundert und wird mit Bildung der Tschechoslowakischen Republik tiefer. Mündet schließlich in erbitterte Feindschaft im Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach 1945.

Das Nebeneinander tschechischer und deutscher Einflüsse sieht Michal Hašek dennoch als gegenseitige Bereicherung. Immerhin haben die Brünner noch Anfang des 20. Jahrhunderts Hantec gesprochen, einen tschechischen Stadt-Dialekt mit zahlreichen deutschen Lehnwörtern. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei diese Bereicherung jedoch unterbrochen worden. "Nach 1989 setzte eine markante Wende ein, und nun versuchen wir, an diese Tradition wieder anzuknüpfen." Auch die Kulturtage bieten dazu viele Möglichkeiten.

In Dresden und der Region präsentiert sich ein Kreis, der zu 60 Prozent von der Landwirtschaft bestimmt ist. Getreide, Zuckerrüben und Obst wachsen hier - vor allem jedoch Wein, ein unverwechselbares Kennzeichen der Region. Industrielles Zentrum hingegen ist Brünn. Zugleich wichtiger Eisenbahnknotenpunkt zwischen Prag, Wien und Bratislava. Auch Autobahnen dorthin führen durch die über 900 Jahre alte Stadt mit ihren heute mehr als 377000 Einwohnern. Mittlerweile ist sie vor allem Handelszentrum und bedeutender Messestandort. Dazu ein Forschungszentrum mit sechs Universitäten. Freunden des Motorsports dürfte das Automotodrom Brno (Masaryk-Ring) ein Begriff sein. Von herausragender Bedeutung in der Architekturgeschichte ist die Villa Tugendhat, eines der berühmtesten Bauwerke der Moderne, errichtet 1930 von Mies van der Rohe, seit 2001 Unesco-Weltkulturerbe.

Es ist immer auch eine Kunstmetropole gewesen. Der Komponist Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) stammt aus Brünn, der Dichter František Halas (1901-1949), die Schriftsteller Bohumil Hrabal (1914-1997) Ludvik Kundera (1920-2010) und der 1929 geborene Milan Kundera, auch der Literaturkritiker Hellmuth Karasek.

Diese literarische Tradition wird uns bei den Kulturtagen begegnen (siehe Übersicht zur Literatur). Vor allem aber in der Musik. Die Volkstradition vertritt dabei das Zymbalorchester "Vus Ondráš" (24. und 25.10.). In der typischen Besetzung mit Violine, Viola, Kontrabass, Zymbal, Klarinette und Flöte interpretieren sie vor allem bekannte Volkslieder aus der Tschechischen Republik. Träger des hundertköpfigen Ensembles mit Sitz in Brno (Brünn) ist das Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik.

Die international gefragte Violinistin und Sängerin Iva Bittová bewegt sich zwischen Jazz, Avantgarde, mährischer Folklore und klassischem Songwriting (31.10.). Als Kind in einer Musikerfa-milie aufgewachsen, hat sie einen höchst eigenen Gesangs- und Geigenstil entwickelt. Sie arbeitete mit renommierten Musikern zusammen, beispielsweise mit dem Kronos-Quartett. Stets ist sie auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. 2003 war sie sogar als Filmschauspielerin zu erleben, in dem Spielfilm "Želary", nominiert für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Das Theater Líšen ist nach dem Brünner Stadtteil benannt, in dem es 1998 gegründet wurde. Nach Dresden reist es mit zwei Stücken: einem "bösen" Spiel für Erwachsene mit dem Titel "Requiem" (8.11.). Es zeichnet ein groteskes Bild der heutigen Konsumge-sellschaft. Das zweite ist ein Puppentheaterstück für Kinder (9.11.). "Sávitrí" heißt das und basiert auf Motiven einer altindischen Fabel. Es handelt von der Kraft und der Liebe der Prinzessin Sávitrí, die ihren Mann vor dem Tod rettet. Die Künstler experimentieren mit verschiedenen Theaterformen, agieren mit Marionetten, Masken und Objekten, stilisieren aber auch Bewegungen und Ton.

Auch mit einer großen Präsentation ihrer Kultur, attraktiven Reisezielen, besonderen Speisen und Getränken stellt sich Südmähren in der Centrum Galerie Dresden (25.10.) vor.

Klassische Musik nimmt großen Raum im Programm ein. Die Altistin Lucie Ceralová und die Pianistin Hana Vlasáková sind zwei erfolgreiche Absolventinnen der Hochschule für Musik Dresden. Sie interpretieren Werke von Joseph Haydn, Claude Debussy, Alma Mahler-Werfel, Leoš Janácek und Antonín Dvorák (30.10.).

Junge Brünner Blechbläser gestalten das Abschlusskonzert der Kulturtage (9.11.). Es handelt sich um ein Quintett des dortigen Konservatoriums. Geleitet werden sie von Josef Cecava. Ihr Repertoire umfasst sowohl klassische als auch populäre Musik sowie die traditionsreiche Blasmusik Mährens. Damit gelten sie als bedeutende Botschafter des Brünner Kulturlebens. Ein Höhepunkt nach dem Ende der Kernzeit der Kulturtage dürfte wieder das Konzert der Nordböhmischen Philharmonie Teplice (19.11.) sein.

Ebenso beleuchtet wird beim Festival die Tschechoslowakei im 20. Jahrhundert. Im hundertsten Jahr seines Beginns besonders der Erste Weltkrieg. So ist beispielsweise die Ausstellung "Musen an die Front!" im Goethe-Institut Dresden zu sehen. Auch einige Referenten wollen sich diesem Thema widmen (siehe Vorträge).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2014

Tomas Gärtner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr