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Studenten der Kunst und der Kunstgeschichte kooperieren in Dresden: Ausstellung "Keine Angst im Dunkeln"

Studenten der Kunst und der Kunstgeschichte kooperieren in Dresden: Ausstellung "Keine Angst im Dunkeln"

Ob die Beteiligten den Originalsong kennen, ist eher zu bezweifeln. Was an ihren jungen Jahren liegt. Als Robert Cray "Don't be afraid of the dark" sang, schrieb man das Jahr 1988. Ein Vierteljahrhundert später heißt eine Ausstellung in der Altana-Galerie der TU Dresden "Keine Angst im Dunkeln".

Doch der Titel suggeriert nicht das Pfeifen im Walde, sondern ist Ausdruck einer selbstbewussten Herangehensweise an eine tatsächlich neue Kooperation: der von Kunststudenten der HfBK Dresden mit Studenten der Kunstgeschichte der TU Dresden.

In der Praxis sieht das so aus: Zehn junge Künstler wurden mit zehn angehenden Kunsthistorikern "zu einem Tandem zusammengekettet", wie es eine der Initiatoren, Melanie Kramer, zum gestrigen Pressetermin im Görges-Bau auf dem TU-Campus formulierte. Das hat, so konnten einige der Beteiligten gestern äußerst glaubhaft vermitteln, tatsächlich gut funktioniert. Ausgangspunkt der "10 plus 10" benannten Idee war der Fakt, dass eine solche Zusammenarbeit von Studenten bisher in dieser Form nicht existiert. "So etwas steht nicht im Lehrplan", sagte Kramer. Die Begegnung sei auch deshalb wichtig, weil Künstler und Kunsthistoriker später oft zwei verschiedene Sprachen sprechen würden. "Es ist also einfach gut, sich bereits im Studium zwanglos miteinander zu beschäftigen." Im Ergebnis steht die Ausstellung, und nur sie. Dazu noch der jeweilige Interpretationstext der Kunsthistoriker zu den Werken, nachzulesen in einem wirklich gut anzuschauenden Katalog. Was es dagegen nicht gibt: Noten, nicht mal Credit Points.

Diese Kooperation von jungen Künstlern und Kunsthistorikern scheint dabei in dieser Art tatsächlich eine Deutschlandpremiere zu sein. Nur in München an der Ludwig-Maximilians-Universität gebe es etwas Vergleichbares, erzählte Nils Hilkenbach, der zusammen mit Kramer maßgeblich die Akzente bei "10 plus 10" setzte. In München würden aber die Texte der Kunsthistoriker benotet, sagte er - und erntete Lachen.

Kuratorisch waren die 20 Beteiligten in der Altana-Galerie mit den bekannten Herausforderungen des altehrwürdigen Gebäudes konfrontiert. Der Görges-Bau wird einerseits rege genutzt und ist andererseits mit Exponaten spezieller Industriegeschichte, sprich der der Elektrotechnik, übersät. Da müssen sich Kunstwerke nicht nur in den Räumlichkeiten durchsetzen, sondern auch eine eigene Symbiose mit der gezeigten Technik eingehen. Das ist gelungen. Beredter Beweis sind die wortgewaltigen und sprachgewitzten Werke Christian Thamms, die sich die Wände selbstbewusst erobern. Andere Ergebnisse sind filigraner, die Zeichnungen von Ella Becker oder Melanie Kramer etwa. Überraschungen lauern in Nischen oder über Kopfhöhe, wie eins der Fuchs-Bilder Wiebke Herrmanns oder auch ein ungewöhnliches, die Schwerkraft ignorierendes Werk von Alexander Endrullat. Wer seine Schritte schließlich nach ganz oben lenkt, stößt zudem auf Clemens Tremmels verstörende Bilder: Er hat sie ihres jeweiligen Zentrums beraubt.

Unter den beteiligten Künstlern bei "10 plus 10" sind fünf Frauen, also die Statistik zur universitären Realität nicht ganz treffend - mehr als 60 Prozent der Kunststudenten sind weiblich. Bei den Kunsthistorikern ist das Abbild dafür ziemlich exakt: nur ein Mann, dazu neun Frauen.

Das Resultat jedenfalls lädt zur Fortsetzung ein. Maria Obenaus von der TU-Kustodie machte das unmissverständlich klar: "Von mir aus gern." 2014 soll es "10 plus 10" ergo wieder geben, ließen Kramer und Hilkenbach schon mal wissen.

Der diesjährige Auftakt hatte seine Fürsprecher gefunden: HfBK-Rektor Matthias Flügge übernahm die Schirmherrschaft. Trotzdem bleibt es eine Initiative, die vor allem außerhalb von Hochschulgremien siedelt. Auch wenn Kramer die Unterstützung vor allem vom Career Service der HfBK lobt.

"Wir haben uns souverän außerhalb jeder Strukturen zusammengefunden", bemerkte Hilkenbach ironisch, "vom Fehlen inspiriert." Dazu passte treffend die plausible Analogie zu dieser Art Graswurzel-Kooperation, die Hans Georg Krauthäuser lieferte, geschäftsführender Direktor des Instituts für Elektrotechnik und damit de facto Hausherr im Görges-Bau, der die Altana-Galerie beherbergt. "Ich sehe das auch als eine Gegenbewegung zu den Zwängen der modularistischen Studienabläufe", interpretierte er das Ausstellungskonzept auf ganz eigene Weise. Diese "Initiative außerhalb starrer Abläufe und Strukturen" mache ihn optimistisch, fügte er hinzu. Ob das von den Ausstellungsmachern so gedacht war, ist nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass es so wahrgenommen wird - auch und gerade an der Exzellenzuniversität.

bis 31. Januar 2014, Görges-Bau, Helmholtz-Str. 9, geöffnet Mo-Fr 10-18 Uhr, Eintritt frei

www.altana-galerie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2013

Torsten Klaus

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