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Stromlinientreu - Motorpsycho im Dresdner Beatpol

Stromlinientreu - Motorpsycho im Dresdner Beatpol

Was haben sie uns nicht schon für Freu(n)de gemacht, die norwegischen Motorpsycho! Ganz gleich, ob auf Platte, bei ihren Konzerten als Stammband im Star Club/Beatpol oder in ihren vielen Seitenprojekten - Trondheim rocks! Fürwahr, eine furiose Truppe ist das seit 26 Jahren mit ihrer so weit gesteckten Musikauffassung, die schon im Trio nie zu bremsen ist, locker und völlig angstfrei von Hardrock zu Pop und von dort zu Psychedelics reicht, von freien Improvisationen bis Postrock zum Spinett.

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Rolf Martin Snustad am Sax und Kenneth Kapstadt an den Drums.

Quelle: Dietrich Flechtner

Waren Bent Sæther, Hans Magnus Ryan, und - bis 2005 - Håkon Gebhardt damit noch nicht ausgelastet oder waren leichte Spuren eines Ausgebranntseins spürbar, dann gab es noch genügend Jazz und Country zu spielen, wenngleich es dort im Subtext und auch auf den Tourplakaten immer hieß: A Motorpsycho Sideproject. Wer einen Namen hat-

Auch Spidergawd trägt diesen Untertitel. Dort spielen seit zwei Jahren mit Sæther und dem dienstkürzesten Motorpsycho-Mitglied Kenneth Kapstadt (Drummer seit 2007) zwei andere Umtriebige aus Trondheim: Per Borten (Gesang, Gitarre) und Rolf Martin Snustad (Bariton-Saxophon). Was auf den bislang erschienenen und vergleichsweise nackt mit "I" (2013) und "II" (2015) betitelten Studioplatten noch liebend gern progressive Schlenker nimmt, ausgedehnte Wanderungen und beherzte Stufen, weicht auf der Bühne mehr und mehr der schnurstraff gezogenen Stromlinie. Da sind sie sich schon jetzt treu wie Hunde.

Hard Rock ohne Gezeter und Getue ist das. Dem weitestmöglichen Verzicht auf Attitüde und Pose folgt das Programm in jeder Minute. Dazu verzieht sich Bent Sæther optisch fast durchgängig hinter den Kollegen Kapstadt, der seine Bude nah am Rampenrand aufgebaut hat. Erstaunlich, was allein diese Anordnung bewirkt! Denn auch Borten ist so keineswegs ein Frontmann gängiger Provenienz. Den gibt es hier gar nicht. Genauso wie sich Snustad nie mit der Rolle als Schmuckstück abgibt. Als Spidergawd sind sie - Spidergawd. Sie brettern, metern, peitschen und speisen sich allein aus ihrer energiegetriebenen Musikalität. Wo sie auf "I" noch mit einem lupenreinen Blues hinausgehen und "II" demgemäß beginnen lassen, um dann wieder in einige Schnörkel verfallen, ist live nur noch Platz für die Ahnung davon. Ein klassisches Intro aus dem Sumpf, bevor das Quartett ihn mit Hitze von unten trocken legt. Per Borten singt dabei unwiderstehlich lässig, wo sich andere mit demselben Material vor Schmerzinszenierung winden würden.

Doch wir müssen reden! Natürlich über das Baritonsax, einem der männlichsten Instrumente überhaupt, wenn es denn zum Rock'n'Roll-Instrument werden darf. Und bei Rolf Martin Snustad darf und wird es das! Ihm gehört der erste Ton des Abends, da ist die E-Gitarre zu hören, obwohl sie noch gar nicht eingestöpselt ist. Snustad spielt Spektren. Er wechselt galant von der Führungsetage ins Kollektiv, er sägt Soli, treibt den Bandklang, protzt dabei keineswegs, sondern gibt seinem Sax jene Position, die in vergleichbaren Bands - und sage keiner, es würde sie in der Rockgeschichte und -gegenwart nicht geben! - der zweiten E-Gitarre zusteht. Dabei ornamentiert Snustad kaum bis gar nicht. Denn das Klassenziel bei Spidergawd heißt gemeinsamer Druck. Wer sich an diesem Abend vielleicht Platten (Vinyl!) gekauft hat, wird schon beim ersten Hören gemerkt haben, dass sich die Geschichte weiterspinnt. Und ein Spidergawd-Song heißt "Blauer Jubel"-

Motorpsycho jedenfalls werden uns noch viel Freu(n)de machen. Das geht überhaupt nicht gegen die Musiker, die mit ihnen zu Tone sind. Im Gegenteil!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2015

Andreas Körner

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