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Streit mit Wettinern geht in neue Runde

Streit mit Wettinern geht in neue Runde

Das Thema ist ein Déjà-vu. Die Wettiner contra den Freistaat Sachsen, der Streitpunkt: Kunstgegenstände. Wie vor Jahren bei der Auseinandersetzung ums Porzellan ist es auch dieses Mal Wettiner-Anwalt Gerhard Brand, der die Öffentlichkeit sucht.

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Gerhard Brand (l.) und Anwaltskollege Hans Joachim Nothelfer, Februar 2011.

Quelle: Oliver Killig, dpa

Der Spiegel schreibt in seiner heutigen Ausgabe, die Verhandlungen zwischen Sachsen und dem Fürstenhaus seien Ende September gescheitert. Das formulierte Brand gestern etwas anders, er sprach von einer "Unterbrechung". Die Gespräche sollen aber in dieser Woche laut seiner Aussage wieder aufgenommen werden.

In dieser Auseinandersetzung geht es nach Brands Angaben um rund 10 000 Kunstgegenstände. "Die Wettiner-Provenienz ist bereits bei etwa 8300 Stücken davon anerkannt", ließ der Anwalt gestern wissen. Seine Mandanten hätten den Verhandlungspartnern auf Seiten des Freistaates zwischen 2006 und 2012 sieben Hinweislisten vorgelegt, insgesamt 13 Leitz-Ordner mit Beweisen und Hinweisen zu den strittigen Gütern. Diese im Sächsischen Hauptstaatsarchiv ermittelten Details seien "Grundlage und Auslöser der Verhandlungen". Die genannten Gegenstände zählen laut Brand zur Privatsammlung der Wettiner, die im Zuge der Abschaffung der Monarchie in Sachsen 1924 entstand. "Diese Sammlung war am 8. Mai 1945 Eigentum des Hauses Wettin."

Brand warf dem Freistaat gleichzeitig vor, "die angestrebte sächsische Lösung wiederholt in Frage zu stellen, vor allem aus finanziellen Gründen". Der Terminus "sächsische Lösung" war Anfang Februar 2011 geprägt worden, als Sachsen mit den Wettinern nach langen und zähen Verhandlungen eine finale Lösung im Streit um Porzellane fand. Damals wurde eine einmalige Zahlung von 4,2 Millionen Euro vereinbart. Im Gegenzug verblieben rund 300 strittige Exponate endgültig in Sammlungen und Einrichtungen des Freistaates.

Damals hieß es, den Streit um weitere Wettiner-Rückforderungen bei Gemälden, Büchern, Möbeln, Skulpturen und Pretiosen bis Ende 2012 beilegen zu wollen. Das in der Auseinandersetzung auf Seiten Sachsens federführende Finanzministerium war gestern trotz mehrfacher Versuche nicht für eine Reaktion erreichbar. Bereits Ende Januar hatten die DNN dem Ministerium aber eine Anfrage zum Thema der laufenden Verhandlungen zukommen lassen. Die Antwort: Man habe Stillschweigen vereinbart. Fast wörtlich fiel auch die aktuelle Stellungnahme der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gegenüber dem Spiegel aus.

Brand wiederholte gestern mehrfach, dass seine Mandanten an der sächsischen Lösung interessiert seien. "Das bedeutet den Verbleib aller Kunstgegenstände in Museen und Bibliotheken", fügte er an. Nach Einschätzung seiner Mandanten würde es "im Interesse Sachsens liegen, dass alles bleibt, wo es ist". Die Frage sei für ihn, ob Sachsen das auch wolle. Die Alternative sei die Rückgabe der Gegenstände, was Brand mit Verweis auf das Ausgleichleistungsgesetz vorbrachte. Das sei teuer, aber vordergründig kein Thema.

Nun komme es vor allem darauf an, die betroffenen Güter objektiv zu bewerten. "Wir haben Christie's angesprochen", sagte Brand mit Verweis auf das Londoner Auktionshaus, das auch schon vor Jahren bei der Bewertung der Porzellane mit im Boot war.

Den Gegenwert der Kunstgegenstände, um die es nun geht, bezifferte Brand übrigens zwischen sechs und zehn Millionen Euro. Doch konkrete finanzielle Verhandlungen seien nicht geführt worden - außer bei den Gemälden. Den Betrag, um den es dabei geht, wollte Brand aber trotz Nachfrage nicht nennen.

Die Einigung bei den Porzellanen vor gut zweieinhalb Jahren war eine mit Verzug, nicht zuletzt der umfassenden Provenienzforschung geschuldet. Das anwältliche Hick-Hack war auch damals schon eine ständige Begleiterscheinung, wurde ebenfalls teilweise öffentlich ausgetragen. Wie gesagt, ein Déjà-vu.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.10.2013

Torsten Klaus

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