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Strauss und Berlioz: Das letzte Zykluskonzert der Philharmonie Dresden

Strauss und Berlioz: Das letzte Zykluskonzert der Philharmonie Dresden

Unter den Spielarten des weiten Begriffs Liebe, denen sich die diesjährige Reihe der Zyklus-Konzerte der Dresdner Philharmonie widmete, stand zum Ausklang am vergangenen Wochenende im Kulturpalast die Verführung in ihrer kompromisslosen Variante im Blickpunkt: jene Verführung, die Versessenheit ist, die sich zum Wahn auswächst und im schlimmsten Fall für ein oder mehrere Beteiligte tödlich endet.

Als erstes betrat Don Juan die Szene, Frauenheld und Freigeist, der Protagonist gleich mehrerer künstlerischer Verarbeitungen verschiedenster Genres. Richard Strauss widmete ihm sein frühes Opus 20 - und begann hier seine typische kompositorische Handschrift auszuprägen: klangsinnlich, mit Instrumentierungen spielend, Farbschattierungen aufblätternd und damit Figuren und Geschehen quasi sezierend, ihr Tun durchleuchtend.

Seine Oper "Salome", 16 Jahre später uraufgeführt, zeigt freilich eine noch viel subtilere Ausprägung dessen. Die Dresdner Philharmonie unter Leitung ihres ehemaligen Chefdirigenten Rafael Frühbeck de Burgos stellte dem Verführer Don Juan also mittels des berühmten "Tanzes der sieben Schleier" ein weibliches Pendant zur Seite. Salome allerdings, die nach jenem Tanz den Kopf des sie verschmähenden Jochanaan fordert, ist zunächst selbst Opfer ausufernder Begierde. Was Avatâra Ayuso, die an jenem Abend zur sinnlichen, mahnenden, flammenden, taumelnden Musik tatsächlich tanzte (über dem Orchester in der geöffneten rückwärtigen Bühnenwand), eindrücklich symbolisierte, indem sie Salome in Fesseln legte. Denen kann sie sich zwar kurzzeitig entwinden, doch sie bleibt Gefangene der Umstände und ihrer selbst - am Ende dreht sie sich in der Lesart der ausdrucksstarken spanischen Tänzerin und Choreographin gleich selber den Hals um.

Leider waren an diesem Samstag-Abend nicht nur die beschriebenen Figuren in ihren Zwängen gefangen, irgendwie lag auch die Musik in Ketten. Es war dies jedenfalls nicht die Stunde des Rafael Frühbeck de Burgos, unter dem die Philharmonie schon manch wunderbare Strauss-Interpretation gespielt hat. Recht selten ging von ihm der Impuls zu musikalischer Formung aus, die linke Hand schwieg zumeist, während die rechte taktierte. Die Philharmoniker sind Profis genug, in jeder Situation auf Hochleistung zu fahren, jedoch braucht ein so großer Orchester-Apparat, wie ihn Strauss und auch Hector Berlioz in seiner nach der Pause erklungenen "Symphonie fantastique" fordern, Impulse, Modellierungen, Feinzeichnungen, Ideen für die Gestaltung von Übergängen. So aber trat die Musik oft auf der Stelle, nahm kaum stringente Fahrt auf, blieb der dynamische Variantenreichtum des Orchesters unterfordert - auch in den sinnlichen bis alptraumhaften Visionen des auf die unerreichbare Geliebte fixierten Berliozschen Künstlers. Kraft und Wille der Philharmoniker freilich hielten bis zum letzten Akkord - die zahlreichen Soli setzten eins ums andere Akzente. Aus ihnen sei - weil ihn Rafael Frühbeck de Burgos bei der abschließenden Würdigung vergaß - der in allen drei Stücken vielbeschäftigte, wunderbar blasende Solo-Oboist Johannes Pfeiffer hervorgehoben. Sybille Graf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2012

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