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Strauss' "Elektra" als Kraftakt - im Gespräch mit Dresdens Protagonisten Evelyn Herlitzius und René Pape

Strauss' "Elektra" als Kraftakt - im Gespräch mit Dresdens Protagonisten Evelyn Herlitzius und René Pape

Leipzig hat vorigen Sonntag schon mal den Anfang gemacht und das Richard-Strauss-Jahr 2014 mit "Elektra" eingeleitet. Da wurde die Wiederaufnahme einer 2011 dort herausgekommenen Inszenierung von Peter Konwitschny gefeiert - ihren Ursprung hatte diese Produktion 2005 im neuen Opernhaus Kopenhagen, später wurde sie auch in Stuttgart gezeigt.

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Evelyn Herlitzius in der Titelpartie Elektra und René Pape als Elektras Bruder Orest.

Quelle: Matthias Creutziger

An diesem Sonntag gibt es in der Semperoper in Dresden - dem Uraufführungsort von 1909 - nun eine neue "Elektra". Die Inszenierung liegt in Händen von Barbara Frey, Intendantin am Schauspielhaus Zürich, die musikalische Leitung dieses klanggewaltigen Werkes hat Chefdirigent Christian Thielemann (siehe DNN-Interview vom 11.Januar).

Ihm steht neben der Sächsischen Staatskapelle eine spektakuläre Sänger-Besetzung zur Verfügung, die von internationalem Rang ist. Gemeinsam mit Evelyn Herlitzius in der Titelpartie und René Pape als Elektras Bruder Orest sind Waltraud Meier, Anne Schwanewilms sowie Frank van Aken mit von der Partie. Beispielsweise hat Evelyn Herlitzius schon für gewaltige Schlagzeilen gesorgt, als sie vorigen Sommer beim Festival in Aix-en-Provence die Elektra in der letzten Operninszenierung des wenig später verstorbenen Regisseurs Patrice Chéreau gesungen hatte. Eine überaus gefeierte Produktion. Nun ist sie in der Partie in Dresdens Neuinszenierung zu erleben, für sie sowohl eine Art Heimspiel, denn von 1997 bis 2000 zählte sie zum Ensemble des Hauses, als auch ein mächtiger Kraftakt. Sie selbst sieht diese neue Herausforderung jedoch sehr entspannt: "Das ist ein wunderbares Gefühl für mich. Die Semperoper ist ein herrliches Theater, 'Elektra' ein herrliches Stück, die Kapelle ein herrliches Orchester - was will ich denn mehr?"

Sie liebt diese Partie über alles, räumt sie ein, denn: "Die geht so tief. Sie verlangt von der Sängerin alles und sogar noch ein bisschen mehr. Sonst geht es nicht. Sich da einzufühlen in diesen Charakter, das ist einfach wunderbar. Das zu singen, trotz aller Herausforderungen, das ist unglaublich aufregend. Ein Abenteuer. Weil, die Musik - das kann man nicht erklären, das ist halt so." Liebe sei eben nicht rein rational zu begründen.

Auch René Pape, der Weltstar aus Dresden, freut sich auf diese Neuinszenierung: "Ich bin wahnsinnig froh, an der Semperoper singen zu dürfen. Das ist mein eigentliches Heimathaus, obwohl ich dort nie engagiert war. Es ist für mich eine Freude und Ehre, da jetzt ein Teil zu sein, mit sehr guten Kollegen, mit diesem Orchester, einem wirklichen Strauss-Orchester, mit Thielemann; in einem tollen Stück, was nicht leicht zu inszenieren ist, aber eine wahnsinnige Aussage hat. Ich freue mich, einen Teil dazu beitragen zu können."

"Elektra" wurde 1909 in Dresden uraufgeführt. Die dritte von insgesamt neun Uraufführungen Strauss'scher Opern in Dresden! Viele Zeitgenossen werden sich noch an die "Elektra" von Ruth Berghaus erinnern, die 1986 herauskam und bis 2009 - einhundert Jahre nach der Uraufführung - hier gezeigt worden ist. Möglicherweise ist dieser Umstand aber auch eine Art Last für die Neuproduktion?

René Pape ficht das nicht an: "Wir müssen uns nicht über Ruth Berghaus unterhalten. Wir wissen alles über sie und haben vieles von ihr gesehen. Ich hatte das unvergessliche Glück, dreimal mit ihr zu arbeiten. Aber unabhängig davon finde ich es nicht günstig, wenn man jetzt eine Neuproduktion macht und sie an der Berghaus-Produktion messen will. Das ist unverschämt uns Darstellern und auch der Regisseurin gegenüber. Wir machen was Neues. Wir leben im Jetzt. Es ist eine neue Inszenierung, die hat nichts mit Ruth Berghaus zu tun." Schließlich sei "Elektra" ein Stück für sich, nicht gebunden an einen Regisseur oder an eine Regisseurin. Dem schließt sich Evelyn Herlitzius an: "Es wird anders, und das ist gut so. Wäre doch schlimm, wenn sich nichts verändert, Stillstand in der Kunst ist der Tod der Kunst."

Ein leuchtendes, nein, ein klingendes Beispiel dafür ist das gewaltige Œuvre von Richard Strauss, der insgesamt 15 Opern hinterlassen hat. Da geraten die beiden Bayreuth-erfahrenen und nicht nur im vergangenen Wagner-Jahr an großen Häusern gefragten Sänger ins Schwärmen, sie haben auf Richard Strauss, den Jubilar dieses Jahres, ihre persönliche Sicht. Denn er sei, so Evelyn Herlitzius, "die großartigste und immer wieder ultimativste Herausforderung von allen. Er hat gerade für den dramatischen Sopran genial geschrieben, aber natürlich mutet er uns Sängern unglaublich viel zu. Man muss immer wieder rauf auf den Olymp und kann sich nie ausruhen auf dem, was man geschafft hat. Die Latte bei Strauss hängt wahnsinnig hoch."

So sieht es auch der Bass René Pape: "Strauss spielt für uns alle eine große Rolle, nicht nur weil es den Dresden-Bezug gibt. 'Elektra' gehört für mich zu den drei, vier Lieblingsstücken, die man so hat und die man gerne hört. Von der Geschichte her ist das natürlich starker Tobak. Aber das zu interpretieren, Teil dieser Musik zu sein - so etwas packt uns immer wieder, lässt uns zu Höchstleistungen auflaufen, das macht halt immer wieder Spaß."

Die Zeichen stehen auf Strauss. De hochkarätige Sänger-Besetzung, siehe oben, deutet auf künstlerischen Aufwind im Hause. René Pape meint dazu: "Die Genannten sind erste Liga, und ich hoffe, dass es weiter so geht." Evelyn Herlitzius stimmt ihrem Kollegen nur zu: "Feiner kriegen Sie's nicht."

Premiere am 19. Januar, 18 Uhr, Semperoper

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2014

Michael Ernst

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