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Straßenmusikern in Dresden drohen strenge Vorschriften

Straßenmusikern in Dresden drohen strenge Vorschriften

Die Stadt Dresden wagt im zweiten Anlauf eine Reglementierung für Straßenmusik. Bisher können Musiker in Dresden ohne Anmeldung spielen, bald soll dafür eine Sondergenehmigung nötig sein, die den Musikern nur persönlich im Straßen- und Tiefbauamt ausgestellt wird.

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Straßenmusiker Sam auf der Prager Straße

Quelle: Franziska Viebach

Eine erste Regelung wurde nach heftigen Protesten im Mai vergangenen Jahres vom Ersten Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) außer Kraft gesetzt. Die Stadtverwaltung wurde daraufhin beauftragt, eine neue Vorlage zu erarbeitet. Deren Entwurf liegt den Stadträten nun vor.

Ihre Meinung ist gefragt: Soll Straßenmusik in Dresden strenger reglementiert werden?

Nach Informationen von DNN-Online soll das Musizieren auf Dresdens Straßen nur noch von 11.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 20 Uhr jeweils zur vollen Stunde für eine halbe Stunde erlaubt sein. Nach der halben Stunde soll der Musiker den Standort wechseln. Sieben Standorte in der Innenstadt sind vorgesehen. Sonntags soll es auf den Straßen der Stadt komplett still bleiben.

Die fünf Euro teure Sondergenehmigung müsste für jeden Tag neu beantragt werden und würde maximal zweimal pro Woche für jeden Künstler ausgestellt. Zudem ist die Anzahl der Sondergenehmigungen begrenzt. Wenn alle sieben geplanten Standorte besetzt sind, werden keine weiteren Genehmigungen ausgestellt. Der erste Entwurf sah vor, dass Sondergenehmigungen für eine Woche, immer montags zwischen 8.30 und 10 Uhr gegen eine Gebühr von 25 Euro ausgestellt werden.

Wie schon im vergangenen Jahr vorgeschlagen, sollen besonders laute Musikinstrumente wie Trompeten, Posaunen, Schlagzeuge oder elektronischen Instrumente komplett verboten werden. Davon wäre auch Straßenmusiker Sam betroffen. Der Schotte ist seit vier Monaten in Dresden und spielt E-Gitarre, bevorzugt auf der Prager Straße: "Für mich als Musiker ist es sehr wichtig, die Chance zu bekommen, zu spielen. Außerdem ist es als Englischsprachiger schwer, andere Arbeit zu finden. Von meinem Job als Englischlehrer allein kann ich nicht leben.“ Wenn sich Anwohner bei ihm beschweren, zieht er mit Gitarre und Verstärker einige Meter weiter. „Ich verstehe, dass nicht alle damit glücklich sind, wenn man längere Zeit an einer Stelle steht. Die Straße gehört jedem, nicht nur den Musikern.“ Umschwenken auf ein leiseres Gerät will er aber nicht: „Eine Akustikgitarre ist zu teuer. Wenn die Leute mich bitten, leiser zu sein, dann drehe ich die Lautstärke herunter.“

Andreas vom Lotto-Stand in der Nähe genügt das nicht. Ihm ist wichtig, dass die Musiker bei der Verwaltung vorsprechen müssen, denn nicht jeder, der sich mit Gitarre, Violine oder Saxophon auf die Straße stellt, kann auch gut spielen. „Echte Straßenmusiker, die mehrere hundert Titel im Repertoire haben, sollten eine Sondergenehmigung erhalten. Aber vieles, was wir hier täglich hören, ist auf die Dauer sehr belastend. Manche Musiker können nur drei Titel spielen. Das sollte sich das Ordnungsamt mal anhören.“

Der neue Entwurf sieht vor, dass jeder Musiker für seine Genehmigung persönlich vorsprechen muss. Doch Stadtrat Peter Lames (SPD) hält die Vorschläge der Verwaltung noch nicht für ausgereift: „Man hat den Eindruck, dass von der Stadt aus lieber strikt verboten wird, als im Einzelfall zu kontrollieren.“ Auch er glaubt, dass das Verbot einzelner Instrumente über das Ziel hinaus schießt: „Eine gut gespielte Trompete stört mitunter weniger als eine schlecht gespielte Blockflöte.“

Auch bei Stadträtin Christiane Filius-Jehne von den Grünen stößt der neue Entwurf auf Unverständnis: „Auch die neue Vorlage sieht wieder überzogene und unnötige Regulierungsmaßnahmen vor“, kritisiert sie. Außerdem ist für die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion nicht nachvollziehbar, dass die Vorlage dem Kulturausschuss nicht vorgelegt werden soll. “Das kann doch nur heißen, dass Straßenkunst für die Stadtverwaltung nicht zur Kultur gehört.“

Franziska Viebach

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