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Stillstand bei Sanierung des Palais im Großen Garten

Stillstand bei Sanierung des Palais im Großen Garten

Was hat das Palais im Großen Garten nicht alles schon erlebt: lustvolle Feste, eine königliche Antikensammlung, Früchte und Pflanzen, museale Objekte des Altertumsvereins, Bomben und Feuer.

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Der Förderverein Palais Großer Garten e.V. kämpft seit 14 Jahren für eine denkmalgerechte Sanierung des Barockbauwerks.

Quelle: Archiv/Thomas Eisenhuth

.. Danach blieb von dem einst so prächtigen frühen Barockbau nur eine Ruine zurück mit der damals vagen Aussicht auf Wiederbelebung. Die ist nach denkmalgerechter äußerer Sanierung auch im Gange und knüpft mit Ausstellungen, Musik, Theater und Blumenschauen an die Vergangenheit an.

Der Nutzer und Verwalter Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH (SBG) vermietet die freistaatliche Immobilie zudem für Feste und Empfänge aller Art und begrüßt ab kommendem Jahr hier auch Brautpaare zur Eheschließung. Diese Zeremonien finden im Erdgeschoss des Lustschlosses, im rekonstruierten südlichen Langsaal statt. Das Pendant auf der nördlichen Seite aber wartet seit langem auf die Instandsetzung. Der Raum befindet sich wie die Festsaaletage im Obergeschoss noch immer im Rohbauzustand. Behinderte haben keinerlei Chance, in die nicht zuletzt für Konzerte und Theateraufführungen genutzte Beletage zu gelangen. "Ein Aufzug sollte schon in diesem Jahr eingebaut sein. Jetzt ist noch nicht einmal damit begonnen worden. Das ist zutiefst ärgerlich", empört sich der Vorsitzende des Fördervereins Palais Großer Garten e.V., Reinhard Decker.

Vor 14 Jahren ist der Verein angetreten, die denkmalgerechte Sanierung des für Sachsen beispielhaften Barockbauwerks voranzutreiben und eine festlich-repräsentative Nutzung zu fördern und zu organisieren. Damals hatten engagierte Bürger als symbolischen Schutzakt sogar eine Menschenkette um das Gebäude gebildet. Heute sind die aktuell 245 Vereinsmitglieder - davon 53 ehrenamtlich in der Ausstellungs- und Veranstaltungsbetreuung aktive - wieder ziemlich ernüchtert. "Wir beklagen eine Stagnation", heißt es denn auch in einer Erklärung, die unlängst zur Mitgliederversammlung verabschiedet wurde.

2009 sei die Arbeit an der denkmalgerechten Wiederherstellung des Festsaals durch das Staatliche Immobilien- und Baumanagement (SIB) aus finanziellen Gründen eingestellt worden, trotz umfangreicher Vorarbeiten. Seitdem ruhe das Rekonstruktionsvorhaben Festsaal, unterstreicht Decker. Dabei hat der Förderverein insgesamt schon rund 75 000 Euro in die Realisierung seines Traums investiert. Das Geld floss in Bestandssicherungen, Probeplatten für die künftige Ausgestaltung, Raumklimagutachten und -messungen sowie nicht zuletzt in die Beschaffung des Gestühls für den Festsaal. Allein 22 Veranstaltungen der Konzertreihe Offenes Palais finden hier jährlich statt.

Nun ist die Enttäuschung groß. Eine Fußbodenheizung, wie vorgeschlagen, wird es auch in dieser Wintersaison nicht geben. Dabei werde derzeit "ein energetisch höchst uneffizientes Heizungs-Provisorium" genutzt, so der Förderverein. Auch auf die vorgeschlagene Möglichkeit einer schrittweisen Rekonstruktion gibt es keine positive Resonanz (die Visualisierung von sieben Teilschritten ist unter www.palais-grosser-garten.de veröffentlicht). SIB und Schlösserbetrieb hätten den Vorschlägen wegen fehlender Geldmittel eine Absage erteilt, sagt Decker. Das sächsische Finanzministerium hält sich ganz raus und verweist auf Nachfrage der DNN auf die SBG. "Werterhaltende Maßnahmen am Palais im Großen Garten werden entsprechend der Schwerpunktsetzung von SBG und im Rahmen der SBG zur Verfügung stehenden Baumittel in den nächsten Jahren fortgeführt", teilt Pressesprecher Stephan Gößl mit.

Ähnlich formuliert es Schlösserland-PR-Chefin Ulrike Peter. Auf eine Anfrage der DNN nennt sie umfangreiche werterhaltende Maßnahmen, auch in den Innenräumen. Für die nächsten Jahre werde eine kontinuierliche Fortsetzung angestrebt. Das lässt vieles offen. Derzeit, so Peter, liege "ein Teilnutzungskonzept vor, in dem die Zielrichtung für den Ausbau des Palais definiert ist". Klar ist auch, eine Erweiterung der Nutzungsangebote ist nur auf Basis weiterer baulicher Maßnahmen möglich. Doch bei diesem Thema halten sich sowohl Finanzministerium als auch SBG bedeckt. Im Schlösserland Sachsen ist man nach DNN-Informationen zudem gegenwärtig mit Verschiebungen der Zuständigkeiten beschäftigt. Die Strukturänderung soll in Kürze abgeschlossen sein.

Etwas Konkretes aber ist doch noch zu nennen: 2015 soll endlich der Aufzug installiert werden. Das erklären sowohl SBG als auch SIB. Dann wäre die Festsaaletage des Palais auch für Behinderte erreichbar. Eine nächste Sanierungsetappe könnte das Ziel 2019 haben, wenn das Juwel barocker Baukunst und der Ort ausschweifender Festlichkeiten besonders im Blickpunkt stehen. Im September 2019 jährt sich das Venusfest zum 300. Mal, das August der Starke zur Hochzeit seines Sohnes Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha ausrichten ließ.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2014

Genia Bleier

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