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Stillleben von Ernst Hassebrauk bei Koenitz am Dresdner Obergraben

Stillleben von Ernst Hassebrauk bei Koenitz am Dresdner Obergraben

Noch weht durch Dresden das Erinnern an die Ausstellung schöner Frauenbildnisse und Bijouterie-Stillleben von Ernst Hassebrauk vor genau einem Jahr im Pillnitzer Schloss.

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Ernst Hassebrauk, Küchenstillleben mit Fleischwolf, um 1940, Öl auf Leinwand, 65 x 80 cm.

Quelle: Galerie

Jetzt zeigt die Galerie der Kunsthandlung Koenitz in der Neustadt ausschließlich Stillleben, darunter auch "Küchenstücke". Hassebrauk wäre kein Maler gewesen, wenn er nicht auch an solchen seine Freude gehabt hätte. Er war gern in München und malte ein "Bayrisches Stillleben": einen grauen Steinkrug, einen Kohlrabi und Zwiebeln - auf der Fläche scheint all das fast zu schweben. Das eigentlich "banale" Motiv ist subtil mit zarter Malerei geadelt, die Zwiebeln wie Goldstücke, der große Kohlrabi wie ein Turban.

Der Künstler ging noch einen Schritt weiter und malte ein "Stillleben mit Fleischwolf" paradoxerweise in eleganter Farbigkeit fast wie eine seiner Bijouterien. (Von Theodor Rosenhauer existiert in einer Dresdner Sammlung das Bild einer Brotschneidemaschine, und auch Max Beckmann hat eine kleine Küchenmaschine gemalt.) Wie die Alten Meister Italiens und der Niederlande machte Hassebrauk (1905-1974) keinen Rang-Unterschied zwischen Blumen und Obst, zwischen Obst und Gemüse.

Wir befinden uns in einem Zauberkabinett, von allen Seiten umgeben, von Oberlicht erleuchtet.

Die Mischung von Gemälden mit Pastellen, Aquarellen und Zeichnungen, für ein Museum nicht statthaft, ist hier geradezu ideal, weil sie dem privaten Charakter möglicher Sammler vorbereitend entgegenkommt. "Feminine" Dingbilder, für die der Hassebrauk der Leipziger und Dresdner Jahre, der Dreißiger, seiner jungen Ehe, berühmt war, sind selten und wohl letztmalig nur noch im Pillnitzer Schloss beigebracht worden.

Man wird bei Koenitz aber üppig "entschädigt" von einer eigenen ganzen Wand Caravaggio-Varianten eines Früchte-Blumen-Korbes aus späterer Zeit, den Sechzigern: Der Künstler spielte mit diesen Einfällen, als wüsste er nicht wohin mit all der Pracht.

Das Bild der Einladungskarte zeigt einen anderen, einen experimentellen Hassebrauk, ein Hauptwerk dieses Genres meint sehr abstrahiert auch Sonnenblumen; das Ganze ist ausgebreitet wie auf Bögen weißen Grundes, die das Bild in einem Wirbel fächernd rotieren lassen. Freilich ist der Symbolgehalt der Sonnenblumen Runges und Van Goghs hier versteckt enthalten, aber sie gehen noch weiter zurück, zu den barocken Sonnenblumen aus Sandstein draußen an der Frauenkirche, die wohl jeder Dresdner schon einmal staunend wahrgenommen hat.

Niemals hat der Künstler vordergründig symbolisiert - tiefere Bedeutung erschließt sich aus den Gegenständen selbst: Ein giftgelb bleckender Totenschädel auf blutroten Spielkarten lehrt das Fürchten - neben diesem Werk, einer überarbeiteten Kaltnadel-Radierung, beruhigt das Gemälde eines Frühlingssträußchens an der Reliquie eines reinweißen Totenschädels.

ibis 27. Juli, Obergraben 8, geöffnet Mo-Fr 10-19, Sa bis 16 Uhr

www.kunsthandlung-koenitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.06.2013

Dieter Hoffmann

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