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Stilbruch beim Schlosspark Open Air in Dresden-Übigau

Stilbruch beim Schlosspark Open Air in Dresden-Übigau

Das Stilbruch-Trio hat es großartig verstanden, aus einer Teilnahme an der Casting-Show "Germany's Next Showstars" eine komplette Rahmenhandlung für das eigene Bühnenprogramm zu basteln.

Die ist bissig, saukomisch und manchmal auch wunderbar selbstkritisch. Vor drei Jahren schaffte es Stilbruch bis ins Finale dieser Unternehmung und bekam nebenbei die Ehre, im Wolfgangsee zu baden. Außerdem durften die drei sogar erleben, wie Juror DJ Bobo live weinte. Wenn das kein bleibender Eindruck ist...

Stilbruch war nun zu Gast beim Schlosspark Open Air in Übigau, und die etwa hundert Besucher auf der Wiese zwischen Schlösschen und Elbe erlebten ein Konzert, das es wahrhaft in sich hatte. Stilbruch existiert seit 2001, die heutige Besetzung fand sich indessen erst 2005 zusammen. Bandgründer Sebastian Maul, Florian M. Fügemann und Friedemann Hasse wandeln auf solidem musikalischem Fundament, das ist zweifelsfrei an der Qualität ihrer Musik erkennbar. Sebastian - Cellist und Sänger sowie ausgesprochener Fan der Musik von Rio Reiser, Udo Lindenberg oder Marius Müller-Westerhagen - ist Jahrgang 1983. Florian, der Drummer, ist ein Jahr jünger und kann, wie er sagt, auch "leise Schlagzeug spielen", ist aber zugleich ein versierter Pianist. Friedemann wurde 1985 geboren und ist ein wahrer Könner auf der Geige, bringt von daher auch als Lehrer dem Nachwuchs das Geigenspiel bei.

Stilbruch betreibt tatsächlich bewusst und kreativ Stilbruch. Angesichts der Qualität der Kompositionen wie auch der Texte mutet das zwar wie ein Anachronismus an. Das Besondere dieser Musik liegt aber zuerst darin begründet, dass die Musiker mit Cello und Geige rockige Musik produzieren. Und in zweiter Instanz sind es die eigenwilligen Texte, die das Publikum überzeugen. Da kommt beispielsweise der "Prometheus" im Originaltext daher; die pathetischen Worte Goethes werden von Stilbruch jedoch in eine höchst infernalische Musik gebettet. Oder da wirkt eine Beschreibung des Paradieses schon ziemlich paradox, wenn Sebastian Maul mit bitterböser Stimme loshackt: "Menschen lügen, Menschen hassen, Menschen töten Menschenmassen-", um dann doch zum versöhnlichen Ende zu kommen: "Doch weil ich ein Mensch bin, kann ich leben, kann ich lieben und verstehen-"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2012

Wolfgang Zimmermann

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