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Stephan Turowski, poet in residence 2016, bleibt mit Dresden in Verbindung

Literatur Stephan Turowski, poet in residence 2016, bleibt mit Dresden in Verbindung

Stephan Turowski verbrachte als „poet in residence 2016“ ein Jahr in Dresden. Ein Aufenthalt, der auch seine Arbeit sehr geprägt hat.

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Stephan Turowski

Quelle: Helge Pfannenschmidt / Edition Azur

Dresden. „Brot, Wein und Bleistift, / wir sitzen wieder zu Tisch, / ein paar Krümel noch auf dem Teller, / ein letzter Schluck noch im Glas, / ich habe die Gedichte geschrieben, / durchgestrichen und wegradiert“ – so beginnt ein Gedicht von Stephan Turowski. „Es ist Zeit“, lautet sein Titel, und Zeit ist es nun auch für den 43-jährigen Lyriker, Zeit, das Zimmer im Buch-Haus in Dresden-Loschwitz zu verlassen, wo ihm das Buchhändler-Paar Susanne Dagen und Michael Bormann seit Jahresbeginn kostenlos Unterkunft gewährt hat als „poet in residence“.

Was jetzt zu Ende gegangen ist, bedeutet für Stephan Turowski Beginn einer längeren Beziehung zu Dresden. „Ich hoffe, dass ich sie fortsetzen kann“, sagt er.

Bis Ende Oktober muss er die Texte für das Bändchen einreichen, ein schmales, aber großformatig und fein gestaltetes, handgreifliche Frucht seines Stipendien-Aufenthaltes. Auch seine Vorgänger Carl-Christian Elze, Bertram Reinecke und Andreas Reimann haben jeder ein besonderes zurückgelassen.

Konzentrierte Arbeit haben ihm die Tage in Dresden ermöglicht, wie er resümiert. „Ich konnte alles abschütteln, was mit dem Beruf zu tun hat.“

Wie die allermeisten Lyriker kann er sein Geld nicht mit dem Schreiben verdienen. Als ausgebildeter Erzieher betreut er in Kiel, wo der in Bremen Geborene heute lebt, minderjährige Flüchtlinge in einer Wohngemeinschaft.

Nicht nur an Versen, auch an Prosa hat er wieder zu schreiben begonnen.

„Vor zwei, drei Jahren hatte ich Erzählungen angefangen, aber dann wieder weggeworfen.“ Für Jahresende hat er Helge Pfannenschmidt, seinem Dresdner Verleger, Manuskripte versprochen. Läuft alles wie geplant, könnte 2018 nach „Und jetzt bist du nackt“ (2006) und „Glückwunsch zur Wunde“ (2010) sein dritter Gedichtband bei der Edition Azur erscheinen.

Dass etwas an Dresdner Erfahrungen einfließt, dessen ist sich Stephan Turowski sicher. Was, vermag er noch nicht zu sagen. Er ist kein einfach abbildender Literat. Kunst besteht nicht darin, etwas herbeizuzwingen, sondern sich dafür zu öffnen. Wirksamer sind bei ihm die tiefer absinkenden Erfahrungen. Da kann etwas Spuren hinterlassen, auch wenn es nicht ohne weiteres als Dresdnerisches erkennbar ist. „Ich weiß im ersten Akt des Schreibens nicht, womit der Text zu tun hat. Erst beim zweiten Blick wird deutlich, welche Erfahrung da gespeichert ist.“

Er hat Dresdner Dichterkollegen wie Volker Sielaff oder Kerstin Becker kennengelernt. Mit seinen Versen hat er sich einigen „Bücherboten“ vorgestellt, Frauen, die Senioren oder Behinderte, die nicht mehr aus dem Haus kommen, mit Literatur aus den Städtischen Bibliotheken versorgen. Mit ihnen hat er über Leseerfahrungen mit zeitgenössischer Lyrik gesprochen und grundlegende Fragen beantwortet. So groß die Zurückhaltung gegenüber dieser Lyrik sein mag, die man nicht in herkömmlichem Sinn „verstehen“ kann, so hat Stephan Turowski doch aus dieser Begegnung die Erkenntnis mitgenommen: „So weit weg von den Erfahrungen dieser Leser ist nicht, was wir Lyriker machen.“

Von Tomas Gärtner

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