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Stephan Koja ist neu in Dresden und tritt mit vielen Ideen an

Alte Meister Stephan Koja ist neu in Dresden und tritt mit vielen Ideen an

Er will den Besuch der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zum berückenden Erlebnis machen. Die Bilder sollen, wo es sich anbietet, durch Skulpturen ergänzt werden. Doch der neue Galeriechef Stephan Koja sieht auch schon Problemfelder – wie die Personalplanung.

Stephan Koja im neuen Arbeitsumfeld

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.. Seit 1. April ist Stephan Koja Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister sowie der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Der promovierte Kunsthistoriker hatte seit 1992 die Sammlungen des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne an der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien geleitet. In dieser Tätigkeit suchte er auch den Bezug zu Alten Meistern sowie zu Zeitgenössischem. DNN-Autorin Lisa Werner-Art sprach jüngst mit Stephan Koja über Eindrücke, Absichten und Pläne.


Wie fühlt sich Dresden für einen Wiener an? Welche ersten Eindrücke haben Sie von den Staatlichen Kunstsammlungen?

Die Stadt ist für mich faszinierend. Das Dresdner Panorama ist beeindruckend. Gleiches gilt für die Kunstsammlungen mit ihrer unglaublichen Tiefe. Ich bin in Salzburg aufgewachsen, einer Stadt, die schon durch ihre Erscheinung etwas Identitätsstiftendes hat. Das gilt auch für Dresden. Was die Gemäldegalerie betrifft, so gehören die Venezianische Malerei – Giorgione, Tintoretto, Tizian, Veronese –, ebenso Rubens, der ja den Kolorismus der Venezianer aufgenommen hat, aber auch Holbein d. J. zu meinen Vorlieben.

Sie sind unter anderem mit Ausstellungen und Publikationen zu Monet, Rouault und Klimt sowie zur amerikanischen Malerei des 19. Jahrhunderts bekannt geworden. Werden Sie dies für die Gemäldegalerie Alte Meister fruchtbar machen können?

Der Blick zurück ist wertvoll. Die Alten Meister beziehen daraus ihre Relevanz. Erinnert sei, dass Cézanne zeitweise jeden Tag den Louvre besuchte. Die Erkenntnisse der Alten zu Komposition und Farbe gelten bis heute. Werke wie die „Sixtinische Madonna“ setzen Maßstäbe bis in die Gegenwart. Ich würde in Ausstellungen gern diese Kontinuität zeigen. Es gibt „Würdeformeln“ in der Kunst, die sich von den Alten Meistern bis zur Fotografie unserer Tage fortsetzen. Ebenso hat die „Food“-Fotografie solche Bezüge. Indem man dies sichtbar macht, wird frühere Kunst für das heutige Publikum „lesbar“.

Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Wirken wollen Sie für Dresden nutzen?

Im Zentrum steht die noch attraktivere Präsentation der Werke. Diesbezüglich ergeben sich auch im sanierten Ostflügel Überlegungen zur Modifizierung der farblichen Gestaltung und zur Einbringung zusätzlichen Lichts. Die Werke sollen wie ein Juwel erscheinen, der Besuch der Gemäldegalerie Alte Meister ein berückendes Erlebnis werden, das die Menschen in Hochstimmung versetzt, und das zugleich eine Bildungserfahrung auf angenehme Weise ist. Für letztere bedarf es prägnanter Handreichungen, nicht zuletzt für Gäste aus anderen Kulturen, ebenso entsprechender Schulung des Führungspersonals. Zudem soll es ganz unterschiedliche, attraktive Ausstellungsformate geben. In dieser Hinsicht habe ich enorme Erfahrungen gesammelt, besonders im Entwickeln griffiger Fragestellungen.

Laut Plan soll 2018 die Sanierung des Semperbaus abgeschlossen sein. In der Folge werden die Antiken in die Osthalle einziehen. Außerdem ist Ihnen „ausstellungstechnisch“ der Skulpturenbestand bis 1800 anvertraut. Welche Möglichkeiten und Anforderungen ergeben sich daraus?

Mit den Dresdner Antiken zieht eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in den Semperbau. Im Durchgang zur Osthalle werden zudem die assyrischen Reliefs sowie ägyptische Objekte präsentiert. Schon zuvor wird in den Deutschen Saal ein Querschnitt aus der Abgusssammlung von Mengs einziehen, die im Albertinum ein eher verstecktes Dasein führt. Kurzfristig wird auch der „Bellotto“-Gang ein anderes Gesicht erhalten: durch Renaissance- und Barockskulpturen, die man – wie die Abgüsse – im Blickkontakt zum Zwingerhof bewundern kann. Die „Bellottos“ ziehen in einen Oberlichtsaal, wo sie besser zur Geltung kommen. Generell werden wir Skulpturen überall platzieren, wo sich sinnvolle Bezüge ergeben. Alles in allem war ich von der Übertragung der Verantwortung für die Skulpturen begeistert. Schon in Wien war „Skulptur“ für mich ein Thema: als Kurator einer Rodin-Präsentation, aber auch durch das ständige Einbeziehen in Ausstellungen und als Herausgeber einer Kunstzeitschrift am Belvedere. Ich glaube, die inhaltliche Zuordnung zur Moderne im Albertinum sowie zu den Alten Meistern im Semperbau tut den Skulpturen gut, auch wenn die Sammlung als solche eine Einheit bleibt. Ich habe Dutzende Ideen und echte Leidenschaft, um beide Sammlungen von Weltrang zur Geltung zu bringen. Unser Raum ist zwar klein, aber im und um den Gobelinsaal wird immer Platz für Wechselausstellungen sein.

Wie sehen Sie die Situation „Ihrer“ Sammlungen hinsichtlich der Ausstattung mit personellen und finanziellen Kapazitäten – auch unter dem Aspekt wachsender Ansprüche an die Kunstsammlungen als Institution der Wissenschaft im 21. Jahrhundert?

Vorausschicken möchte ich, dass ich auf Supermitarbeiter getroffen bin. Aber fest steht: Wir sind chronisch unterbesetzt. Die „Lösung“ mit kurz befristeten Stellen ist auf Dauer nicht gut. Erste Schritte zur Besserung sind die Ausstattung der Deutschen Malerei mit einer Vierjahresstelle, mit der Option auf Verlängerung, die Schaffung der Stelle eines Dokumentars sowie einer Assistenz für mich, die angesichts meiner beiden anspruchsvollen Funktionen nötig ist. Zudem wird ein Kurator für die Renaissance- und die Barockskulptur eingestellt. Allerdings wäre ebenso für die von mir mit betreute englische, französische und spanische Malerei – letztere liebe ich besonders – eine Stelle nötig. Unsere wissenschaftlichen Aufgaben sind enorm, weshalb mir auch die Zusammenarbeit mit Partnern an der Technischen Universität ein echtes Anliegen ist. Zu fast allen Gemäldebeständen müssen Bestandskataloge erarbeitet werden. Eine der Voraussetzungen dafür ist die Pflege der Bilderakten. Es wäre eine Struktur von Assistenzen nötig. Derzeit sind die Kuratoren allein für alles zuständig. Angesichts der Größe und Bedeutung der Sammlungen – auch im internationalen Vergleich – sind solche Personalüberlegungen keineswegs „größenwahnsinnig“, sondern mehr als angemessen.

Wie weit gediehen ist die Ausstellung „Das Paradies auf Erden. Landschaften von Bruegel bis Rubens“, die am 1. Oktober beginnt? Welche Akzente werden Sie in nächster Zeit setzen? Können Sie schon längerfristige Projekte nennen?

Die Ausstellung ist weit gediehen. Sie wird phantastisch, ein wirklicher „Augenschmaus“. Akzente setzen werde ich mit der erwähnten Einbeziehung von Skulpturen in die Schausammlung des Semperbaus. Zur angesprochenen Präsentation der Mengsschen Abgüsse sowie der Renaissance- und Barockskulpturen wird es im Herbst auch eine richtige Vernissage geben. Für 2017 kann ich eine Ausstellung zum „Schokoladenmädchen“ ankündigen. Ansonsten möchte ich, da noch nicht alles sicher ist, nicht weiter ins Detail gehen. Nur soviel: Ich führe weltweit Gespräche, wozu ich meine seit langem gewachsenen Kontakte nutzen kann. Unter anderem geht es um den Tausch von Leihgaben auf hohem Niveau.

Interview: Lisa Werner-Art

Von Lisa Werner-Art

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